Mode„Wir fordern eine Rückkehr zum regulierten Schlussverkauf“

Florian Wortmann, Division Head, CG Club of GentsPR

Das Coronavirus hat die Modebranche und den stationären Einzelhandel jäh ausgebremst. Statt frischer Sommerkollektionen in fröhlichen Farben prangen „Wegen Corona geschlossen“-Schilder in den Schaufenstern der Geschäfte und Boutiquen, allenfalls in Onlineshops wird noch etwas Ware abgesetzt, doch auch im Netz hält sich die Kauflaune aktuell in Grenzen. Und das dürfte sich auf absehbare Zeit kaum ändern, auch nach einem Neustart des öffentlichen Lebens nicht. Das legt zumindest das Update einer Studie von McKinsey und dem Fachmedium Business of Fashion nahe. Ihr Fazit: Zwei Monate Zwangsruhe könnten bis zu 80 Prozent der Textilunternehmen in Europa und den USA in ernste finanzielle Nöte bringen. Auch weil die Online-Verkäufe ebenfalls um bis zu 20 Prozent nachgelassen haben, das Minus im Einzelhandel also kaum auffangen können, und 38 Prozent der Verbraucher ihre Haushaltsausgaben – darunter eben auch Geld für Bekleidung – kürzen wollen.

Capital befragt dazu in loser Folge Modeunternehmen aus Deutschland, wie es Ihnen aktuell ergeht, was sie von der Politik fordern und wie sie in die Zukunft ihrer Branche blicken. Diesmal antwortet Florian Wortmann, er ist Division Head der auf hochwertige junge Herrenmode spezialisierten Marke CG Club of Gents, die zum Unternehmen Création Gross aus Hersbruck gehört.

Capital: Ab welchem Tag hörte das Jahr 2020 auf, „normal“ zu verlaufen, nach Plan?

FLORIAN WORTMANN: Das war exakt der 20. März 2020.

Was war Ihre erste Maßnahme, um das Schlimmste zu verhindern?

Wir mussten die Kollektion für die Saison Frühjahr/Sommer 2021 im Umfang reduzieren und so viele Mitarbeiter wie möglich in Kurzarbeit schicken, um jegliche Liquidität zu schützen.

Wie stark ist Ihr Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen?

Ab dem erwähnten Stichtag um 90 Prozent.

Ab wann rechnen Sie mit einer deutlichen Erholung?

Wir denken, dass sich die Lage ab Juli/August langsam wieder entspannt. Dieses Jahr wird aber auch danach nur schleppend weiterlaufen und mit einer kompletten Erholung rechne ich erst 2022.

Was muss dafür passieren?

Der Einzelhandel müsste wieder öffnen und verkaufen dürfen, denn ohne die (Nach-)Bestellungen unserer Kunden und Partner haben wir fast keinen Umsatz.

Was fordern Sie aktuell und zukünftig von der Politik?

Eine Rückkehr zum regulierten Schlussverkauf, um die Dominanz der „Fast Fashion“ zu dämpfen und die Geschwindigkeit der Kollektionswechsel auf ein normales, wirtschaftliches Maß zu bremsen.

Wie muss Ihre Branche reagieren und welche Weichenstellungen sind für die Zukunft überfällig?

Wir müssen die derzeitigen Saisons überdenken und überarbeiten, da lebt unsere Branche noch immer wie im Mittelalter. Die meteorologischen Sommer und Winter sind zumindest in unseren Breiten längst passé, und das ununterbrochene Stakkato der Liefertermine führt zu einer Reizüberflutung der Kunden und torpediert die Wertschätzung für Mode. Weniger neue Ware, dafür aber von höherer, langlebiger Qualität – da muss in unseren Augen die Reise hingehen.

Welche kreativen Projekte, Kommunikationsmaßnahmen und Botschaften an Kunden und Partner haben Sie seit Beginn der Krise gestartet/gesendet?

Wir signalisieren allen unseren Partnern, dass wir jetzt für sie da sind, und suchen gemeinsam mit ihnen nach solidarischen Lösungen. Ohne unsere Kunden im Handel würde es uns schließlich auch nicht mehr geben.

Welche Aktion während der Krise hatte den größten Erfolg?

Da kann ich keine einzelne herausgreifen, da klappt verschiedenes auf ganz individuelle Weise.

Wie gehen Sie persönlich mit den Sorgen, der Unsicherheit, vielleicht auch der zusätzlichen freien Zeit um?

Mancher teilt sich seine Zeit aktuell anders ein, da wird auch mal das Schlagwort „Life-Life-Balance“ benutzt … Da ich persönlich meinen Beruf sehr schätze, habe ich aber noch nie das Bedürfnis gehabt, diesbezüglich etwas zu ändern.

Worauf freuen Sie sich am meisten nach Corona?

Auf die Geselligkeit und darauf, endlich wieder Momente mit den Menschen zu teilen, die man besonders mag.