GastbeitragWie ich dank Personal Branding Unternehmerin wurde

Tijen OnaranUrban Zintel

Wir alle sind Personenmarken. Ob wir es wollen oder nicht. Die entscheidende Frage ist, ob wir uns bewusst um unseren Markenkern kümmern und unsere Marke aktiv gestalten oder es lieber anderen überlassen, unsere Agenda zu bestimmen. Für mich als Unternehmerin ist es eine der zentralen Aufgaben meine Themen zu setzen, meine Positionierung wenn nötig anzupassen und ein Netzwerk aufzubauen, über das ich mein Zielpublikum erreiche. Mehr noch: Ich habe mir meinen Job als Unternehmerin mit Personal Branding kreiert.

Eine Lektion mit Folgen: Mein Ausflug in die Politik

Wie wichtig es ist, die eigene Agenda zu bestimmen, wurde mir zum ersten Mal richtig bewusst, als ich vor vielen Jahren für die FDP Baden-Württemberg in den Landtagswahlkampf zog. Ich war jung und unerfahren, so dass ich jede Hilfe dankbar annahm. Die Folge war: Nicht ich selbst bestimmte meine Wahlkampfthemen, sondern jemand anderes tat das für mich. Als junge Studentin mit Migrationshintergrund bekam ich die Themen Bildung und Integration zugewiesen. Beides passte zwar irgendwie zu meiner Biografie und mir als Person, aber es waren doch nicht meine Themen. Die Auswirkungen waren fatal. Denn weder konnte ich „meine“ Positionen inhaltlich vertreten, noch konnte ich die Themen bei Auftritten und Diskussionen authentisch verkörpern.

Ein paar Jahre später verstand ich, was damals geschehen war. Auch wenn es mit der Wahl in den Landtag fast geklappt hätte – aus Personal-Branding-Perspektive habe ich so ziemlich alles falsch gemacht, was man nur falsch machen kann. Statt selbstbestimmt und souverän meine Positionierung festzulegen und am Erreichen meiner Ziele zu arbeiten, handelte ich fremdbestimmt. Erst später wurde mir klar, wie wichtig es ist, die Agenda meines Lebens selbst zu bestimmen. Und genau diese Einsicht motivierte mich dann letzten Endes mein eigenes Unternehmen zu gründen.

Wie ich mir mit Personal Branding meinen eigenen Job kreierte

Das neue Buch von Tijen Onaran ist im Goldmann Verlag erschienen

Natürlich gründete ich nicht einfach von heute auf morgen ein erfolgreiches Start-up. Vielmehr kreierte ich mir durch Personal Branding nach und nach meinen eigenen Job. Ich wusste auch nicht von Anfang an, dass es mein Ziel war, ein Unternehmen zu gründen. Ich wusste nur, dass ich mit all meinen bisherigen beruflichen Versuchen nicht glücklich war. Darum begann ich mit der mühsamen Arbeit, mich selbst mit meinen Themen zu positionieren, meine eigene Agenda zu bestimmen und mir nach und nach ein Netzwerk aufzubauen. Meine Mission war, Frauen in der Digitalbranche sich Sichtbarkeit zu verschaffen und die Themen Diversität und Empowerment verstärkt in die Diskussion zu bringen.

Durch meine Positionierung als Personal Brand schaffte ich mir so nach und nach meine eigene Zielgruppe, über die ich auch meine ersten Kund*innen fand. Der Vorteil bei der Kommunikation mit ihnen war, dass sie mich bereits durch meine Aktivitäten bei Events oder in den Social Media kannten und genau wussten, was sie von mir erwarten konnten. Durch Personal Branding konnte ich mir also meinen Job selbst gestalten, meine Community schaffen und direkt ansprechen. Mit meinem Unternehmen unterstütze ich heute Unternehmen, Organisationen und Personen dabei, ihre eigene Sichtbarkeit zu steigern, sich strategisch zu vernetzen und andere zu inspirieren und zu empowern.

Weg von der Selbstinszenierung, hin zur Positionierung

Jeder Mensch hat einen Markenkern – von der*dem Krankenpfleger*in bis hin zur*m CEO eines Konzerns. Gleichzeitig sind Menschen keine Marken wie etwa Unternehmen es sind. Sie unterscheiden sich in ihrer Strategie, ihrer Tonalität und Kommunikation. Personal Branding wird viel zu oft missverstanden als reine Selbstinszenierung. Dabei erfüllt eine Personenmarke eine wichtige Funktion: Sie hilft dabei, die eigene Botschaft zu definieren und sie effektiv zu kommunizieren. Personal Branding hilft also dabei zu steuern, wie andere mich wahrnehmen.

Wenngleich ich den wirtschaftlichen Charakter von Personal Branding für essenziell halte, ist es mir dabei wichtig zu betonen, dass es mir nicht um Social Selling geht. Vielmehr möchte ich den strategischen Aspekt von Personal Branding unterstreichen. Nimmt man beispielsweise die Positionierung während der Corona-Pandemie, dann ist Personal Branding ein unschätzbares Tool, um gestärkt durch die Krise zu gehen. Mit GDW sind wir sehr schnell dazu übergegangen, unsere Formate und unsere Inhalte den neuen Umständen anzupassen. Anstatt die Krise einfach nur zu überstehen, wollten wir wachsen. Das geht nur, wenn es sowohl eine Anpassung des Geschäftsmodells erfolgt und dies effektiv kommuniziert werden kann. Personal Branding liefert das notwendige Instrumentarium, um beides zu tun.

Nur wer sichtbar ist, findet auch statt

Wer sich aktiv positionieren will, kommt nicht darum herum, als Person in Erscheinung zu treten. Ich bin davon überzeug, dass daran kein Weg vorbeiführt. Denn nur wer sichtbar ist, findet auch statt. Wird Personal Branding jedoch mit bloßer Selbstinszenierung verwechselt, führt dies nicht zu einer erfolgreichen Strategie. Darum gilt es heute mehr als je zuvor, die eigenen Themen zu setzen, sich eine Community und das eigene Zielpublikum zu schaffen und souverän die eigene Agenda zu bestimmen.

 


Tijen Onaran ist Unternehmerin, Autorin und Moderatorin. Für Business Punk moderiert sie den Podcast „How to Hack“. Onaran gehört zur „Top 40 unter 40“ von Capital