New WorkWie bei einer 4-Tage-Woche die Produktivität steigen kann

Kann man bei einer Vier-Tage-Woche genauso produktiv sein wie an fünf Tagen? In einem neuseeländischen Unternehmen funktioniert das
Kann man bei einer Vier-Tage-Woche genauso produktiv sein wie an fünf Tagen? In einem neuseeländischen Unternehmen funktioniert dasPixabay

Mal ehrlich, oft ist es doch so: Produktivität zahlt sich im Job nicht immer aus. Wer eine Aufgabe schneller als ein Kollege erledigt, aber nach Stunden bezahlt wird, hat letztlich das Nachsehen. Dieser Blödsinn wird durch starre Arbeitszeitmodelle gefördert. Jeder Kollege sitzt acht Stunden ab. Was der Einzelne in dieser Zeit exakt leistet, ist erst einmal für die Entlohnung nebensächlich. Ein neuseeländischer Unternehmer wagte kürzlich ein echtes New-Work-Experiment. Er gab seinen Angestellten einen Tag pro Woche frei. Die Bezüge blieben gleich. Trotzdem ist der Chef so begeistert, dass er die Regelung eventuell dauerhaft einführen will.

Oft wird Arbeitszeit nur abgesessen

Andrew Barnes beschäftigt in seinem Unternehmen Perpetual Guardian in Wellington 240 Menschen. Die Firma kümmert sich um Nachlässe und Testamentsvollstreckungen. Barnes wurde von verstörenden Studien zur Produktivität am Arbeitsplatz zu dem Experiment inspiriert, wie er der „New York Times“ sagte. Laut einer Untersuchung sollen Angestellte weniger als drei Stunden pro Arbeitstag wirklich produktiv sein; eine andere verglich den störenden Einfluss durch Ablenkungen im Job mit der Wirkung von Marihuana.

Barnes wagte einen radikalen Schritt. Er senkte im März und April 2018 die Wochenarbeitszeit von 40 auf 32 Stunden. Der Lohn blieb gleich. Jarrod Haar, Professor für Personalwirtschaft an der Auckland University of Technology, begleitete den Feldversuch. „Vorgesetzte berichteten, dass die Mitarbeiter kreativer waren, sie fehlten seltener, waren pünktlich und gingen nicht früher oder machten lange Pausen“, sagte der Forscher. Und der entscheidende Punkt: Die Angestellten erledigten dieselbe Arbeit, jetzt halt nur in vier anstatt in fünf Tagen.

Produktive Vier-Tage-Woche

Offenbar waren die Mitarbeiter durch den zusätzlichen freien Tag derart motiviert, dass sie eigenständig Methoden entwickelten, um sich besser im Job zu organisieren. Dem Bericht zufolge wurden Meetings von zwei Stunden auf 30 Minuten verkürzt. Außerdem verabredeten die Kollegen untereinander Signale, um wirklich mal störungsfrei arbeiten zu können. „Sie haben herausgefunden, an welcher Stelle Zeit verschwendet wurde und arbeiteten klüger, nicht härter“, sagte Haar.

Firmengründer Barnes überlegt nun, die Vier-Tage-Woche dauerhaft einzuführen. Denn nicht nur erledigen seine Angestellten dieselbe Arbeit in kürzerer Zeit. Der Unternehmer profitierte während des Experiments auch direkt von Begleiterscheinungen wie niedrigeren Stromkosten. Er rät anderen Chefs dazu, bei Neueinstellungen die Stelle über die zu erledigenden Aufgaben zu definieren, nicht über die Arbeitszeit. „Andernfalls sendet man die Botschaft ‚Ich bin zu faul, um herauszufinden, was ich eigentlich von Ihnen will, also bezahle ich Sie einfach dafür, dass Sie auftauchen’“, sagte er der Zeitung.