ExklusivWashington prüft Kuka‑Deal

Gefährdet die Übernahme des Augsburger Roboterbauers Kuka durch Chinesen die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten? Dieser Frage wird die Regierung in Washington nachgehen. Derzeit bereitet sich der chinesische Midea-Konzern darauf vor, dass das Komitee für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) den Deal durchleuchtet. „Wir schätzen die regulatorischen Hürden als beherrschbar ein“, sagte Kukas CEO Till Reuter Capital. „Die nähere Analyse ist aber noch nicht abgeschlossen.“

Im Mittelpunkt der Untersuchung dürften Kukas Geschäftsbeziehungen zu Northrop Grumman stehen. Bei dem US-Rüstungsunternehmen werden Kuka-Montagevorrichtungen beim Bau des Kampfjets F-35 Lightning II eingesetzt. Nun hat Midea eine Beraterfirma und eine Anwaltskanzlei in den USA engagiert, um der Übernahme auch in den USA den Weg zu ebnen. Das erfuhr Capital aus informierten Kreisen.

Seit Midea im Juni 115 Euro pro Kuka-Aktie geboten hatte, haben viele Aktionäre das Angebot angenommen: Inzwischen gehören dem chinesischen Haushaltsgerätehersteller rund 60 Prozent von Kuka. Es gilt als gesetzt, dass die Übernahme zustande kommt. EU-Kommissar Günther Oettinger und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel waren mit ihrem Ruf nach einem europäischen „weißen Ritter“ gescheitert. Da Kuka und Midea in verschiedenen Sparten unterwegs sind, wird wohl auch das Kartellamt nicht intervenieren.

Werden US-Sicherheitsinteressen verletzt?

Mit dem Prüfverfahren in den USA muss der Deal eine letzte Hürde nehmen. Das zuständige Gremium CFIUS ist ein ressortübergreifender Ausschuss der US-Regierung unter Federführung des Finanzministeriums. Es bewertet, ob ausländische Investitionen US-amerikanische Sicherheitsinteressen verletzen. Ist das aus Sicht des Komitees der Fall, muss der US-Präsident entscheiden, ob er die Transaktion untersagt. Dazu ist es allerdings fast noch nie gekommen, weil die fraglichen Unternehmen in kritischen Fällen entweder ihren Antrag zurücknahmen oder ein negatives Urteil dadurch abwenden konnten, dass sie bestimmte Bedingungen erfüllten.

So etwa 2013, als der chinesische Energieriese Cnooc die kanadische Ölfirma Nexen kaufte. Damals gab CFIUS erst grünes Licht, als Cnooc sich verpflichtete, die Nexen-Ölplattformen im Golf von Mexiko nicht selbst zu betreiben. Hintergrund: Nur 50 Meilen von den Ölplattformen entfernt befindet sich eine Marinebasis; die USA befürchteten offenbar chinesische Spionage. Es kommt jedoch nicht immer zum Kompromiss – unter dem Druck von CFIUS sind auch schon Deals geplatzt. So verhinderte das Komitee Anfang 2016, dass der niederländische Philips-Konzern seine LED-Sparte Lumileds nach China verkaufte.

Northrop Grumman hat 2009 für mehr als 100 Mio. Dollar eine Kuka-Montagelinie gekauft, die bei der Fertigung des   Rumpfes des F-35 eingesetzt wird. Nach wie vor verdienen die Augsburger an der Wartung der Anlage. Sollte CFIUS den neuen chinesischen Eigentümer von Kuka nun als Sicherheitsrisiko beurteilen, könnten diese Service- sowie Folgeaufträge wegfallen. Das nimmt CEO Till Reuter allerdings in Kauf: „Kuka macht unter ein Prozent des weltweiten Umsatzes im verteidigungsnahen Bereich in den USA“, sagte er.