WochenrückblickUntergang auf Raten

Montag: Das Karstadt-Desaster

Die Woche begannmit einem Paukenschlag: Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt schmiss nach wenigen Monaten an der Spitze des Warenhauskonzerns hin. Dabei war die frühere Ikea-Managerin angetreten, den längst überfälligen Umbau des Unternehmens in Angriff zu nehmen. Doch das kostet Zeit und vor allem Geld. Geld, das Investor Nicolas Berggruen offenbar nicht geben wollte. Sjöstedt wies  ihm die Schuld für die verfahrene Situation bei der Kaufhauskette zu.

Wie geht es jetzt weiter? Branchenkenner werteten den Rückritt der Schwedin als Zeichen dafür, dass es dem Unternehmen noch schlechter geht als gedacht. Von Insolvenz ist die Rede, sollte das Weihnachtsgeschäft schlecht ausfallen. „Die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz ist sehr groß. Sie liegt aus meiner Sicht bei über 70 Prozent“, sagte der Handelsökonom Gerd Hessert tagesschau.de. Retten könne sich Karstadt nur durch die Schließung von vielen Warenhäuser und den Ausbau des Internet-Handels.

Andere sehen im Zusammenschluss von Karstadt und Galeria Kaufhof zu einer Deutschen Warenhaus AG eine Perspektive. Doch der Chef des Kaufhof-Mutterkonzerns Metro, Olaf Koch, hat schon abgewunken. Zwar hat er die Warenhäuser zum Verkauf gestellt. Aber Metro will einen fairen Preis für Kaufhof erzielen, schließlich macht die Kaufhaus-Tochter trotz des schwierigen Marktes Gewinne.

Am Freitag hieß es, die österreichische Finanzgruppe Signa des Unternehmers René Benko könnte 70 Prozent der Anteile an Karstadt übernehmen. Preis: 1 Euro. Für die Mitarbeiter ist das eher ein Alarmsignal, denn Benko soll vor allem an den attraktiven Standorten der Warenhäuser interessiert sein.

Dienstag: Erbschaftsteuer vor Gericht

Glaubt man den Prozessbeobachtern am Bundesverfassungsgericht, muss die erst 2009 beschlossene Erbschaftsteuerreform bald überarbeitet werden. Die Richter ließen bei der Verhandlung in Karlsruhe durchblicken, dass ihnen die Regelungen für Unternehmenserben zu weit gehen. Erben von Betriebsvermögen müssen nur 15 Prozent Steuern zahlen oder gar nichts an den Fiskus abführen, wenn sie die Firma fünf bis sieben Jahre weiterführen und die Lohnsumme in diesem Zeitraum konstant bleibt.

Dadurch sind der Staatskasse im Zeitraum 2009 bis 2012 19 Mrd. Euro an Einnahmen entgangen. Die Bundesregierung verteidigt die Regelung mit dem Argument, sie sorge für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der von Familienunternehmen geprägten deutschen Wirtschaft. Der Bundesfinanzhof sieht dagegen Möglichkeiten, die Regelung auch für Privatvermögen in Anspruch zu nehmen. Da dies gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz verstoße, legten die Münchner Richter den Fall dem Bundesverfassungsgericht vor. Das Urteil der Karlsruher Richter wird im Herbst erwartet.

Mittwoch: Freispruch für Ex-HSH-Nordbank-Vorstand

Dirk Jens Nonnenmacher
Dirk Jens Nonnenmacher
© Getty Images

Einen Freispruch gab es im Prozess gegen den früheren Vorstand der HSH-Nordbank. Ex-Finanz- und Vorstandschef Dirk Jens Nonnenmacher und den anderen Managern der Landesbank hätten die „Grauzone in Richtung Strafbarkeit“ nicht überschritten, urteilte das Hamburger Landgericht. Die Staatsanwaltschaft hatte ihnen Untreue und Bilanzfälschung vorgeworfen. Vor allem Nonnenmacher gilt hierzulande als ein Gesicht der Finanzkrise, in dessen Amtszeit die Landesbank im Skandalsumpf versank.

Das Gericht vertrat die Auffassung, dass Nonnenmacher und die übrigen Angeklagten ihre Pflichten nicht vorsätzlich verletzt hätten, als sie während der Finanzkrise eine umstrittene Transaktion beschlossen. Mit dem sogenannten Omega-55-Geschäft wollten die Banker die Landesbank von Bilanzrisiken entlasten. Stattdessen halsten sie ihr jedoch weitere auf. Nur mit Hilfe der Steuerzahler konnten die Staatsbank vor dem Untergang gerettet werden. Nach Auffassung des Gerichts waren die Entscheidungen zwar hochriskant und auch falsch aber eben nicht justiziabel.

Mit der Entscheidung stellt sich die Frage, ob die Folgen der Finanzkrise überhaupt juristisch aufzuarbeiten sind. Nonnenmacher und die anderen Ex-Vorstände hofften am Mittwoch aber vergeblich auf ein Ende der gerichtlichen Auseinandersetzung. Die Staatsanwaltschaft kündigte Revision an. Sie hatten Bewährungs- und Geldstrafen für die Manager beantragt. Und auch die Bank selber fordert Geld von ihren Ex-Vorständen – als Ersatz für begangene Schäden.

Donnerstag: Bankenkrise in Portugal

Banco Espirito Santo
Banco Espirito Santo ist die größte Privatbank Portugals
© Getty Images

Es war kein guter Tag an den Börsen. Weltweit gaben die Kurse nach, weil die portugiesiche Espirito Santo Financial Group und die Banco Espirito Santo mit Zahlungsproblemen des Mutterkonzerns in Verbindung gebracht werden. Der Handel mit den Aktien wurde nach verlustreichen Tagen ausgesetzt. Das Geldhaus gehört zum Konglomerat Espirito Santo International, das in dieser Woche eine Anleihe nicht bedienen konnte. Gegen den Konzern laufen seit einiger Zeit schon Ermittlungen wegen „erheblicher Unregelmäßigkeiten“.

Der Fall löste an den Märkten Sorgen vor einem Wiederaufflammen der Euro-Krise aus. Die Lage der europäischen Kreditinstitute könnte womöglich doch nicht so robust sein, wie von Aufsichtsbehörden und Politikern erhofft. Der anstehende Stresstest der Geldhäuser sollte dafür der Beweis sein. Stattdessen kehrt nun die Unsicherheit zurück.

Die bekommt auch der protugiesische Staat zu spüren: Für ihn wird es wieder schwieriger, sich zu angemessenen Konditionen Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Das Land hatte erst im Mai den Euro-Rettungsschirm verlassen, was als gelungenes Beispiel für den Erfolg einer rigiden Sparpolitik galt.

Und zum Schluss: Adidas gewinnt Fußball-WM

Das Finale zwischen Deutschland und Argentinien findet zwar erst am Sonntag statt, doch ein Gewinner steht schon fest: Der Sporartikelhersteller Adidas rüstet beide Mannschaften aus. Im Halbfinale warfen die beiden Adidas-Teams die Nike-Konkurrenz aus dem Wettbewerb. Das deutsche Unternehmen hofft jetzt, dass die Trikotverkäufe noch einmal anziehen. Und deutsche Hemden mit einem vierten Weltmeisterstern sollen nach dem Finale in den Handel kommen.

An der Börse hat die Adidas-Aktie trotz der Erfolge schon bessere Tage gesehen. Am Tag als das von Adidas ausgerüstete DFB-Team die brasilianische Nike-Truppe mit 7:1 besiegte fiel das Papier auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten. Die Anleger sehen einen möglichen Ausrüstervertrag mit dem englischen Top-Team Manchester United kritisch. Adidas würde hier zwar den Rivalen Nike verdrängen, aber der Deal käme dem Unternehmen auch teuer zu stehen.

Infografik: Welche WM-Ausrüster auf die richtigen Teams gesetzt haben | Statista
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