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Beste Ausbilder 2022 Stadtreinigung Hamburg: „Jeder Azubi muss eine Woche in Orange machen“

Mitarbeiter der Stadtreinigung laufen am frühen Morgen den Jungfernstieg entlang
Eine Woche in orange gehört für jeden Azubi bei der Stadtreinigung Hamburg dazu
© picture alliance/dpa | Jonas Walzberg
Die Stadtreinigung Hamburg beschäftigt rund 3200 Mitarbeiter. Sie entsorgen unter anderem Müll, säubern Straßen und Parks, sammeln Sonder- und Gefahrgut

Die Müllabfuhr ist dreckig, laut und stinkt. Wie machen Sie jungen Leuten eine Ausbildung bei der Stadt-reinigung schmackhaft?
JÖRN LAMPRECHT: Das ist nicht ganz einfach. Aber wir punkten damit, dass das Säubern der Großstadt eine sinnstiftende und nachhaltige Tätigkeit ist. Außerdem sind wir ein systemrelevantes öffentliches Unternehmen, das einen sicheren Ausbildungs- und Arbeitsplatz bietet.

Wen bilden Sie aus?
Lamprecht: Für unser Hauptgeschäft, die Arbeit bei der Müllabfuhr und Straßenreinigung, ist keine Ausbildung nötig. Viele dieser Mitarbeitenden haben allerdings zuvor eine Ausbildung in anderen Bereichen gemacht. Bei uns werden rund 50 Männer und Frauen in verschiedenen technischen, gewerblichen und kaufmännischen Berufen ausgebildet etwa als Berufskraftfahrer, Mechatroniker, Anlagenmechaniker, Fachinformatiker, Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft oder als Kaufleute für Büromanagement.

Was lernen Fachkräfte für Kreislauf- und Abfallwirtschaft?
amprecht: In der dreijährigen Ausbildung werden sie für die Tätigkeit in einer Problemstoffaufnahmestelle auf einem unserer zwölf Recyclinghöfe ausgebildet. Sie analysieren Farben, Lacke, Säuren und was die Hamburger sonst noch so in ihren Kellern finden und bei uns abgeben. Das muss getrennt, erfasst und entsorgt werden.

Wie klappt die Zusammenarbeit zwischen den Kollegen auf der Straße und denen im Betrieb?
Lamprecht: Wir legen großen Wert darauf, dass jeder Auszubildende eine Woche in Orange absolviert. So nennen wir die Tätigkeiten, bei denen unsere Mitarbeitenden die typische orangefarbene Arbeitskleidung tragen. Jeder bei uns soll wissen, was es heißt, bei Wind und Wetter auf der Straße zu arbeiten. Die Azubis freuen sich immer schon auf den Einsatz auf Sankt Pauli. Nur die Arbeitszeiten morgens ab fünf Uhr schocken die meisten dann doch.

Spüren Sie die Personalnot und den Nachwuchskräftemangel?
ULRIKE WITTKAMP: Die Bewerberzahlen gehen seit Jahren runter, sind aber 2022 noch mal deutlich stärker eingebrochen. Wir können unsere Stellen immer noch besetzen, aber es wird schwerer. Ein Grund dafür ist auch, dass in Hamburg viele junge Menschen Abitur machen und studieren. Die fehlen auf dem Ausbildungsmarkt.

Und was können Sie da tun?
Wittkamp: Wir gehen mit unseren Auszubildenden in die Schulen, um zu zeigen, wer bei uns arbeitet, und welche anspruchsvollen Ausbildungsberufe und dualen Studiengänge es bei uns gibt. Die Schüler sind sehr empfänglich für die Berichte der jungen Leute, die sehr ehrlich von ihren ersten Erfahrungen bei uns berichten.

Auf welches Ausbildungskonzept sind Sie besonders stolz?
Lamprecht: Wir bieten für fast alle Berufsrichtungen auch eine Ausbildung in Teilzeit an. Das nutzen vor allem junge Mütter, die 30 Stunden pro Woche bei uns lernen. Die sind in der Regel sehr engagiert und zielorientiert, sodass die meisten ihre Ausbildung verkürzen.

Was können andere Unternehmen sonst noch von Ihnen lernen?
Lamprecht: Wir bieten neuerdings eine studienintegrierende Berufsausbildung für Fachinformatiker an. Da können während der regulären Ausbildung auch Vorlesungen an der Uni besucht werden. Nach Abschluss der Prüfung bei der Handelskammer können die Absolventen dann noch ein Jahr duales Studium dranhängen. Das ist ein dritter Weg zwischen Ausbildung und dualem Studium.

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