JobinterviewSo sprechen Sie am besten über Ihre Schwächen

Eine Frau unterhält sich mit einem Mann
Symbolbild VorstellungsgesprächGetty Images

Jahrelang galt die Empfehlung, auf die Frage nach den eigenen Schwächen im Vorstellungsgespräch mit vermeintlichen Stärken zu antworten. Also beispielsweise zu sagen: „Ich will immer alles zu 100 Prozent und mehr erledigen.“ Konkret diese Antwort könnte in Zeiten zunehmender Arbeitsverdichtung und Multitasking jedoch die ganz falsche sein – und darauf hindeuten, dass Sie mit dieser Arbeitsweise kaum in der Lage sein werden, das tägliche Pensum zu schaffen. Hier sind 5 Tipps für weniger abgedroschene Antworten.

#1 Seien Sie möglichst ehrlich

Damit ist natürlich nicht gemeint, unbekümmert zu offenbaren, man bewerbe sich leider grundsätzlich auf Jobs, die eigentlich eine Nummer zu hoch seien. Meist ist der kritische Blick auf sich selbst indes gar nicht so schwierig. Vor allem wer bereits ein paar Jahre im Job ist, weiß in der Regel sehr genau, was er gut oder eben weniger gut kann. Nur wer ehrlich über Stärken und Schwächen spricht, ohne zu übertreiben oder tiefzustapeln, kann in der Firma auch an der für ihn passenden Position eingesetzt werden.

#2 Machen Sie im Vorstellungsgespräch aus Schwächen Vorsätze

Viele Schwächen sind oft gar nicht so schlimm beziehungsweise haben ein gewisses Weiterentwicklungspotenzial. Drehen Sie das Gespräch doch schon sprachlich ein wenig, indem Sie aus Ihren Schwächen gute Vorsätze machen. Sagen Sie zum Beispiel: Ich habe mir vorgenommen, künftig weniger nervös vor Präsentationen zu sein und diesen nicht von vornherein aus dem Weg gehen. Oder: Ich will mich bei schwierigen Entscheidungen künftig stärker einbringen und diese nicht eher anderen im Team überlassen. Auch dabei gilt natürlich: Lernen Sie keine Floskel auswendig, sondern scannen Sie sich gründlich selbst.

#3 Geben Sie Beispiele

Illustrieren Sie die von Ihnen genannte Schwäche. Schildern Sie beispielsweise, dass es Sie unsicher macht, Projektergebnisse im größeren Kreis vorzustellen und den Kollegen im Anschluss Rede und Antwort zu stehen. Achten Sie bei der Auswahl Ihres Beispiels aber natürlich darauf, dass sich Ihre Schwäche nicht um eine zwingend notwenige Kernkompetenz des Jobs handelt. Wollen Sie in einem Unternehmen als Pressesprecher anheuern, schließt sich oben genannte Situation logischerweise aus. Es kann auch passend sein, zu erklären, warum Ihnen die neue Aufgabe helfen könnte, eine Schwäche abzulegen. Dosieren Sie Ihre Schilderungen aber: Kein Personaler möchte mit einem halben Dutzend Mankos konfrontiert werden. Und schildern Sie diese nicht wie in einer Therapiesitzung.

#4 Keine Angst vor der Frage

Gehen Sie generell mit der Frage, die allen unbefriedigenden Antworten zum Trotz in Bewerbungsgesprächen immer wieder gestellt wird, gelassen um. Mutmaßlich wird Ihre Antwort nicht den Ausschlag für eine Zu- oder Absage geben. Manchmal wollen Personaler auch nur testen, wie Kandidaten mit dieser stressauslösenden Fragestellung umgehen – ob sie souverän oder überfordert reagieren. Und zurück zum Anfang dieses Textes: Machen Sie sich immer bewusst, dass selten angebliche Alleskönner gesucht werden. Wenn Sie sich nicht für einen Chefposten in einem großen Konzern bewerben, dürfen Sie guten Gewissens etwas weniger durchsetzungsstark und sogar ein bisschen konfliktscheu sein. Und erklären Sie Ihre Schwächen, aber rechtfertigen sich nicht für diese.

#5 Stellen Sie Gegenfragen

Wenn Sie sich trauen und das Gespräch entsprechend konstruktiv gelaufen ist, drehen Sie am Ende den Spieß doch einfach etwas um und fragen: Wie können Sie als Arbeitgeber möglicherweise dazu beitragen, meine Schwächen zu überwinden? Oder: Gibt es auch in Ihrem Unternehmen Prozesse, die sich noch in einer Art Entwicklungsphase befinden?