UnternehmenSo oft wird bei Spesen gelogen

Arbeit oder Vergnügen? Bei der Spesenabrechnung nehmen es Mitarbeiter manchmal nicht ganz so genau. Pixabay

Gelegenheit macht Diebe – diese Binsenweisheit gilt auch bei Spesen. Zwar geht die überwiegende Mehrheit der Angestellten ehrlich vor, wenn sie ihrem Arbeitgeber Sonderausgaben in Rechnung stellen. Doch eine nicht unerhebliche Minderheit entwickelt plötzlich kriminelle Energie, wenn es darum geht, einige Euro mehr auf dem Konto zu haben und riskiert damit eine fristlose Kündigung.

Spesenbetrug in jedem siebten Fall

Studien zu Spesenbetrug sind rar gesät. Eine stammt von SAP Concur. Der Anbieter von integrierten Lösungen für Reisemanagement und Reisekostenverwaltung hat 2016 eine Erhebung durchgeführt. Befragt wurden 256 Mitarbeiter von Großunternehmen in Deutschland (205), Österreich (31) und der Schweiz (20), die für das Thema Reisekostenabrechnung zuständig sind. Dies waren die Haupterkenntnisse:

  • jede vierte Reisekostenabrechnung ist fehlerhaft
  • bei 15 Prozent der fehlerhaften Abrechnungen machen die Reisenden absichtlich falsche Angaben
  • die meisten absichtlichen Falschangaben werden bei eintägigen Reisen gemacht.

Nun könnte man eigentlich annehmen, dass ein Arbeitgeber ziemlich genau weiß, wie lang eine Geschäftsreise dauert. Aber tatsächlich passierten mit Abstand die häufigsten Falschangaben bei eintägigen Reisen. Die wurden laut SAP Concur in der Spesenabrechnung plötzlich zu mehrtägigen Reisen und zwar nur, um eine weitere Verpflegungspauschale abrechnen zu können.

Prostituierte als Spesen abgerechnet

Klassiker bei bewusst falschen Spesenabrechnungen sind der Umfrage zufolge Tank-Quittungen und Hotelübernachtungen. Da wird schon mal unerlaubterweise ein Ehepartner mitgenommen und bei den Spesen abgerechnet. Einer der befragten Teilnehmer gab zu Protokoll: „Hatten Hostessenbegleitservice versteckt auf den Hotelrechnungen.“ Private Taxifahrten und Restaurantrechnungen werden dem Auftraggeber ebenfalls gern untergejubelt.

Spesenbetrug ist auch ein psychologisches Phänomen. Denn hier scheinen Risiko und Gewinn kaum in Relation zu stehen. Meist wird pro Fall um 10 bis 30 Euro betrogen, wie SAP Concur herausfand. Bei jeder dritten falschen Angabe wurden 30 bis 50 Euro zu viel berechnet. Für die Täter mag das unter Mundraub fallen. Rechtlich aber ist Spesenbetrug womöglich ein Grund für eine fristlose Kündigung. Die Höhe des verursachten Schadens ist dabei gar nicht ausschlaggebend. Entscheidend wird vielmehr die Frage, ob der Vertrauensverlust so erheblich ausfällt, dass eine Zusammenarbeit nicht mehr möglich ist.