GesundheitSchwer schuften macht krank statt fit

Dachdecker müssen körperlich schwer arbeitenIMAGO / Rolf Poss

Auf dem Bau, in der Landwirtschaft oder der Altenpflege: Es gibt viele Branchen, in denen körperlich hart gearbeitet wird. Viele der dort Beschäftigten denken daher, sie könnten sich den Gang ins Fitnessstudio nach der Arbeit sparen, weil sie bereits genug für ihren Körper getan hätten. Dem ist offenbar aber nicht so, wie eine Studie des National Research Centres for the Working Environment in Kopenhagen, die im European Heart Journal veröffentlicht wurde, ergab.

Die dänischen Wissenschaftler verglichen die Auswirkungen von körperlicher Arbeit auf die Gesundheit mit denen von Freizeitsport. Konkret ging es um das Risiko für sogenannte schwere kardiale Komplikationen (MACE) und die Gesamtmortalität.

Dabei kamen die Forscher zu folgendem Ergebnis: „Eine höhere körperliche Aktivität in der Freizeit ist mit einem reduzierten MACE- und Gesamtmortalitätsrisiko assoziiert, während eine höhere körperliche Aktivität im Beruf mit einem erhöhten Risiko verbunden ist.“ Während sich also Freizeitsport positiv auswirke, schade körperliche Arbeit der Gesundheit.

Demnach erhöhte körperliche Arbeit die Sterberate bei hoher Belastung im Beruf um 13 Prozent, bei sehr hoher Belastung um 27 Prozent. Die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Bluthochdruck stieg: Im Vergleich zu geringer Arbeitsaktivität waren hohe und sehr hohe körperliche Belastungen im Job mit einem um 15 Prozent beziehungsweise 35 Prozent erhöhten Risiko für MACE assoziiert. Körperliche Aktivität in der Freizeit dagegen konnte das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um bis zu 23 Prozent und das Sterberisiko um bis zu 40 Prozent senken.

Untersucht wurden 104.046 Frauen und Männer zwischen 20 und 100 Jahren, die schon zwischen 2003 und 2014 an einer dänischen Bevölkerungsumfrage teilgenommen hatten. Die Teilnehmer füllten Fragebögen über Aktivitäten in Freizeit und Job aus, diese wurden jeweils als niedrig, mittel, hoch oder sehr hoch eingestuft.

Ein Spaziergang ist gut für die Gesundheit

Während einer medianen Nachbeobachtungszeit von 10 Jahren gab es 9.846 (9,5 Prozent) Todesfälle aus allen Ursachen und 7.913 (7,6 Prozent) sogenannte schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle.

Bei der Studie handelt es sich den Angaben zufolge um die erste große Analyse, die zeigt, dass körperliche Aktivität in der Freizeit und körperliche Aktivität im Beruf gegensätzliche und unabhängige Zusammenhänge mit dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Lebenserwartung haben. „Wir haben in unserer Analyse mehrere Faktoren bereinigt, was darauf hindeutet, dass die Zusammenhänge nicht durch den Lebensstil, den Gesundheitszustand oder den sozioökonomischen Status erklärt werden können“, sagte Studienautor Andreas Holtermann.

Zudem betonte er: „Ein zügiger 30-minütiger Spaziergang wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus, indem er die Herzfrequenz erhöht und die kardiorespiratorische Fitness verbessert, während die Arbeitsaktivität die Herzfrequenz oft nicht ausreichend erhöht, um die Fitness zu verbessern.“ Darüber hinaus erhöhe eine Tätigkeit, bei der man mehrere Stunden am Tag hebe, den Blutdruck über viele Stunden, was mit dem Risiko für Herzkrankheiten verbunden sei. Kurze Schübe intensiver körperlicher Aktivität in der Freizeit erhöhten den Blutdruck dagegen nur kurzzeitig.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden