Business as UsualNur wer selbst inspiriert ist, kann andere inspirieren

Symbolbild: Führungskraft
Symbolbild: Führungskraftdpa

Andi ist Anfang 50, ein Typ mit ledriger, sonnengebräunter Haut, stets gut gelaunt – und das Musterbeispiel eines Selfmademans. Wie er dazu geworden ist? Die wichtigste Weichenstellung in seinem Leben, sagt Andi, sei eine Jugendbegegnung gewesen, in der Zeit, als er noch als Kfz-Mechaniker arbeitete. Ein Kunde, mit dem er nie ein einziges Wort sprach, habe ihn durch seine respektvolle Art, seine positive Ausstrahlung und Selbstverständlichkeit im Umgang so sehr beeindruckt, dass Andi beschloss, so zu werden wie er.

So kam es, dass er auf dem zweiten Bildungsweg Abitur machte, den Schrauberjob schmiss, BWL studierte und nebenbei sehr erfolgreich Versicherungen verkaufte. Er baute eine Firma mit fast hundert Leuten auf, verkaufte sie und kaufte eine neue. Damals lernte ich ihn kennen – im Rahmen des Verkaufsprozesses war ich in dem Unternehmen tätig, das Andi übernahm. Und habe nie jemanden erlebt, der mit knallharter Ehrlichkeit und positiver Energie in so kurzer Zeit einen verkorksten Laden gedreht hat.

Nach der Übernahme berief Andi als Erstes eine Betriebsversammlung ein. Er stellte sich in die Maschinenhalle und sagte nicht viel mehr als diese Sätze: „Ich bin der Neue. Ich habe die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber ich werde alles tun, um dieses Unternehmen mit euch wieder aufzubauen. Wer mit mir reden will, kommt morgens zu mir. Ich bin um sieben Uhr da.“

Die aktuelle Capital
Die aktuelle Capital

Ein paar Leute mochten ihn auf Anhieb. Neugierig waren alle auf ihn. Nach vier Wochen versammelte er erneut die Belegschaft. Inzwischen, sagte Andi, habe er sich alles angesehen. Es gebe drei wesentliche Baustellen. „Lasst uns die aufräumen.“ Genau das tat er dann. Teils traf er harte Entscheidungen, ging aber immer fürsorglich mit den Menschen um. Kein Morgen, an dem er nicht voller Energie durch die Produktion lief, kein Tag, an dem man ihn nicht auf den Fluren lachen hörte.

Spätestens nach der dritten, vierten Versammlung hatte er die Belegschaft auf seiner Seite. Schon bald blieben die Leute nachmittags länger da, hörte das Gemotze in der Kaffeeküche auf, waren die Mitarbeiter wieder netter zueinander. Der Laden blühte auf wie eine vertrocknete Pflanze, die zurückgeschnitten wird und nach ein paar Wochen wieder kraftvoll austreibt.

Hat Andi das alles alleine geschafft? Natürlich nicht. Aber er war es, der die Menschen inspirierte. Der ihre Lebensgeister weckte. Der nicht nur sagte, was er tat, sondern auch tat, was er sagte. Sie wissen so gut wie ich, dass sich das furchtbar einfach sagt, in der konsequenten Umsetzung aber Königsklasse ist.

Andis Geschichte zeigt etwas sehr Einfaches: Wer selbst ein klares Vorbild hat, wird anderen leichter zum Vorbild. Für Andi war es der Kunde in der Kfz-Werkstatt. Für mich sind es Menschen wie Andi. Wer ist es für Sie?