GastbeitragNew Work setzt Haltung voraus

Symbolbild New Work
Symbolbild New WorkGetty Images

Egal wie man es nennt – New Work, Arbeiten 4.0 oder Digitalisierung – das Bewusstsein dafür, dass sich Arbeitsstrukturen ändern müssen scheint stärker zu werden. Der „Trend“ erhielt sicherlich Rückenwind durch Berichten über verrückte Start-ups und ihre Feelgood-Managerinnen und Manager, Obstkörbe, Kickertische und Yoga im Büro. Was Start-ups und mittlerweile auch verstärkt größere Unternehmen begriffen haben ist, dass die Arbeit in klassischen hierarchischen Strukturen immer öfter an ihre Grenzen stößt. Der Wettbewerbsdruck nimmt zu, die Märkte werden enger und auch die Digitalisierung sorgt für eine höhere Komplexität. Unternehmen müssen schneller auf die vielfältigen Anforderungen reagieren.

Dazu gehört natürlich auch, dass jede beziehungsweise jeder einzelne Mitarbeiterin bzw. Mitarbeiter schneller reagieren muss. Das funktioniert nur, wenn er bzw. sie Entscheidungsfreiheiten genießt, Verantwortung übernimmt und die Probleme an der Stelle lösen kann, wo sie entstehen. Mit hierarchischen Strukturen funktioniert das oft nicht. Die Umsetzung von New Work, und vor allem  die Implementierung geregelter Selbstorganisation in einer Kreisstruktur, bringt sehr viele Vorteile mit sich und befähigt Unternehmen dazu, Herausforderungen zu lösen, die sie mit ihren klassischen Strukturen nicht mehr angehen können.

Komplexe Strukturen als Erfolgsfaktor

Die steigende Komplexität des Marktumfeldes und den damit steigenden Wettbewerbsdruck – Stichwort Digitalisierung – können Unternehmen nur mit Komplexität lösen. Die eigenen Strukturen müssen komplexer werden, um die Herausforderungen auch zukünftig meistern zu können. Dazu gehört auch – und vor allem – das Infragestellen des Top-Down-Ansatzes. Arbeit muss also neu organisiert werden – Kreisstrukturen wie kollegiale Führung oder Holokratie sind dazu gute Möglichkeiten. Sie ermöglichen den Unternehmen sehr viel schneller und flexibler auf äußere Einflüsse und Änderungen zu reagieren und innovative Lösungen zu finden. Kundenwünsche und -anforderungen können dadurch wesentlich schneller und nachhaltiger  bedient werden.

Die Praxis in vielen Betrieben sieht heute immer noch so aus, dass Führungskräfte und die Geschäftsführung  viel zu stark im operativen Geschäft tätig sind. Damit haben sie zu wenig Zeit, sich um ihre eigentlichen Aufgaben zu kümmern, nämlich um die Führung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den richtigen Einsatz und die Motivation und um die strategische Ausrichtung des Unternehmens. In einer Kreisorganisation werden die Geschäftsführung sowie die Führungskräfte entlastet, denn Führung wird anders organisiert.

Jedes Team entscheidet selbst, welche Führungsinstrumente es nutzen will und wer welche Führungsrolle übernimmt – dazu zählen sicherlich Rollen wie Streitschlichtung, Repräsentation nach Außen, Kommunikation mit anderen Arbeitskreisen, Entwicklungs- und Coachinggespräche, Kommunikation von Strategie und Projektmanagement. All diese Rollen werden auch weiterhin präsent sein, allerdings können sie von Menschen übernommen werden, die sich dafür interessieren, sich Zeit dafür nehmen wollen und die nötigen Kompetenzen besitzen. Führung kann somit auf mehreren Schultern verteilt werden und muss nicht mehr in einer Person gebündelt werden. Führungsentscheidungen müssen nicht mehr nach oben delegiert werden, und so kann sich auch die Geschäftsführung wieder mehr auf strategische Themen konzentrieren – und vielleicht auch mal früher Feierabend machen.