InterviewMotivation und Willensstärke: So klappt es mit den Vorsätzen

Dass es nicht leicht ist, die eigenen Ziele anzupacken, weiß Marius Kursawe aus seiner Arbeit als Coach. Trotzdem kann es klappen: mit Motivation und Willensstärke.
Dass es nicht leicht ist, die eigenen Ziele anzupacken, weiß Marius Kursawe aus seiner Arbeit als Coach. Trotzdem kann es klappen: mit Motivation und Willensstärke. Thomas Morsch

„Ich würde ja gerne, aber ich weiß nicht wie.“ Als Coach hört Marius Kursawe solche Sätze ständig. Viele Menschen wollen ihr Leben verändern – sei es lediglich durch mehr Sport oder gar durch einen Wohnort- oder Karrierewechsel – scheitern aber bei der Umsetzung ihrer Ziele. Dabei sei es gar nicht so schwer, die eigenen Träume anzupacken. Wie das geht, hat Marius Kursawe in seinem neuen Buch „Berge versetzen für Anfänger“ aufgeschrieben, im Interview mit Capital verrät er die wichtigsten Tricks.

Capital: Ihr neues Buch heißt „Berge versetzen für Anfänger – Mach doch endlich was du willst!“ Was, wenn ich gar nicht so genau weiß, was ich will?

MARIUS KURSAWE: Fast jeder trägt so ein potentielles anderes Leben mit sich herum. Dieses Leben im Konjunktiv, alternative Möglichkeiten. Das heißt natürlich nicht, dass deswegen alle unzufrieden und unerfüllt sind. Einige aber schon, und die haben oft Schwierigkeiten, ihre Ziele umzusetzen.

Was sind die Gründe dafür?

Es gibt immer viele Ausreden dafür, ein Ziel nicht anzupacken. Klassischerweise befinden sich die Anderen, diejenigen, die es schaffen, in unseren Augen immer in einer besseren Lebenslage als wir selbst: die haben schon die Kontakte, die sind finanziell abgesichert, und ähnliches. Das ist nicht nur bei großen Lebensträumen, sondern auch bei kleineren Vorsätzen häufig der Fall, wie zum Beispiel mehr Sport machen oder abnehmen.

Motivation, Willensstärke und Disziplin

Ob klein oder groß – Vorsätze beinhalten ja immer einen positiven Lebenswandel. Warum fällt es uns dann aber so schwer, sie einfach umzusetzen?

Berge versetzen für Anfänger
Berge versetzen für Anfänger

Es gibt auf dem Weg vom Wollen zum Machen zwei große Barrieren. Die erste ist das „Ins Tun kommen“: Ich habe ein Ziel und muss ins Umsetzen kommen. Die zweite Barriere ist auch dran zu bleiben, wenn ich erst einmal ins Tun gekommen bin. An diesen beiden Hürden scheitern die meisten Leute. Willensstärke und Disziplin spielen da eine wichtige Rolle. Es geht um Volition, also um Umsetzungskompetenz. Wir leben in einer Kultur, die Motivation predigt, aber zur Zielerreichung braucht man beides: Motivation, also das Setzen der richtigen Ziele, und Volition – die Fähigkeit, diese Ziele auch umzusetzen.

Also liegt es nicht an fehlender Motivation, wenn ich meine Neujahrsvorsätze nicht einhalte?

Es kann natürlich sein, dass man merkt, dass man sich das falsche Ziel gesetzt hat. Aber dass es allein an fehlender Motivation liegt, wenn man ein Ziel nicht erreicht, ist Irrglaube. Man kommt von der Motivation ja nicht direkt in die Umsetzung. Dafür braucht man Willensstärke, die Fähigkeit gegen Widerstände Dinge zu machen, und man muss Routinen entwickeln. Ich muss vom schönen Gefühl der Motivation auch in die Phase kommen, wo ich auch wenn es regnet meine Joggingschuhe anziehe und loslaufe.

Wir selbst entscheiden, ob wir scheitern

Sie schreiben im Buch, dass viele Menschen zu schnell das Handtuch werfen. Heißt es sonst nicht immer, wir bräuchten „mehr Mut zu scheitern“?

Die meisten Leute verstehen „Scheitern“ falsch. Ich erkläre das gerne an einem Beispiel: Ich habe mir gesunde Ernährung vorgenommen und halte mich seit Wochen an den Ernährungsplan. Aber eines Abends werde ich schwach und verputze eine Portion Schokoeis. In diesem Moment meinen viele Menschen, sie wären gescheitert und sagen: „Hat nicht geklappt“. Am nächsten Tag essen sie wie vorher. Dabei hat man selbst die Wahl, ob man gescheitert ist. Man kann in die Richtung des Scheiterns gehen und die Diät abbrechen, oder man kann sagen, es ist ein kleiner Ausrutscher, aber es ist noch lange kein Scheitern – und den Weg trotzdem weitergehen.

Scheitern ist gerade in und das ist ja auch okay, aber die Frage ist, was betrachten wir denn als Scheitern? Wenn du Tennis lernst und nicht nach einem Tag den perfekten Aufschlag machst, würde kein Trainer der Welt sagen: Du kannst nicht Tennis spielen, das wars. Im Alltag aber sind wir selbst viel zu hart zu uns.

Und wie schaffe ich es nun, „einen Berg zu versetzen“?

Ein Everest-Bergführer hat mir erzählt, dass bei seinen Expeditionen Menschen mit dem Helikopter zu einem Basislager fliegen. Auf dem Weg gibt es einen Moment, wo man um eine Bergkuppe herumfliegt und man den Everest zum ersten Mal als Ganzes sieht. Er meinte, dass fast alle in dem Moment, wo sie diesen Berg in seiner Größe und Gänze sehen, Angst bekommen. Davor, ob sie diesem Berg gewachsen sind. Seine Aufgabe ist es dann, den Bergsteigern die Angst vor diesem Berg zu nehmen. Er macht das, indem er erklärt, dass man das Vorhaben in kleine Stücke unterteilt, auf die man sich dann jeweils konzentriert. Das trifft auf alle Vorhaben ganz gut zu: Immer sehen, wie man den Berg in kleine Etappen unterteilen kann, die man schaffen kann und die Spaß machen. Dann klappt es auch mit der Umsetzung des großen Ziels.


Marius Kursawe hat nach seinem Studium im Change Management und in der Kommunikation gearbeitet. Mit Anfang 30 gründete er seine erste eigene Firma, mit Mitte 30 die zweite. Bei beiden geht es um das Thema Coaching im Bereich New Work und Work-Life-Balance. Im Campus Verlag erschien sein neues Buch „Berge versetzen für Anfänger“