Junge EliteGeneration Europa

Florentine Hopmeier, 28, ist Miglied des Büros von EU-Kommissions Vizepräsident Jyrki Katainen.
Florentine Hopmeier, 28, ist Miglied des Büros von EU-Kommissions Vizepräsident Jyrki Katainen.

Capital: Florentine, du bist direkt nach deinem Abschluss, mit 17 Jahren, zum Studium nach Frankreich gezogen. Hattest du eine besondere Verbindung zum Land?

Meine Eltern haben viel Wert auf das Erlernen von Sprachen gelegt, deshalb bin ich auf eine französische Schule gegangen. Französische Unis haben ihr Studienangebot bei uns an der Schule vorgestellt, unter anderem auch den multidisziplinären Bachelor in Sozial- und Geisteswissenschaften in Nancy. Der hat mich sehr interessiert, und als ich einen Studienplatz erhielt, bin ich umgezogen.

Wann wusstest du, dass du für eine EU-Institution arbeiten willst?

Ich habe mich immer zuerst europäisch gefühlt – wahrscheinlich auch bedingt durch meine internationale Schulbildung. In der Uni wurde dieses Gefühl noch verstärkt. Besonders bei Simulationsspielen wie „Euro-Kosmos“ habe ich gemerkt: Da will ich auch Teil davon sein.

Wie hast du dich diesem Ziel angenähert?

In meinem Masterstudium musste ich ein Praktikum im privaten und eines im öffentlichen Sektor machen. Ich wollte gerne in der EU arbeiten. Die Kommission hat mich deshalb interessiert, da hier die Mitarbeiter die gesamte EU repräsentieren. Das hat mir gefallen.

Praktikum mitten in der Eurokrise

War es schwer, den Praktikumsplatz zu bekommen?

Die Kommission hat sehr gut strukturierte Praktika, über die es viele Informationen gibt. Als ich mich beworben habe, dachte ich, ich hätte keine Chance, unter tausenden Bewerbern. Der Bewerbungsprozess dauerte lang, aber ich wurde genommen und war super happy. Fünf Monate durfte ich als Praktikantin in der Generaldirektion Finanzen & Wirtschaft mitarbeiten, das war 2012 – mitten in der Eurokrise. Es herrschte ein Ausnahmezustand, dadurch durfte ich als Praktikantin viel selbst anpacken.

Wie war dein Eindruck von der Arbeit in der Kommission?

Ich war begeistert. Das lag auch an den Leuten. Alle sind sehr weltoffen und engagiert für die gemeinsame Idee Europa. In der Kommission werden so viele Sprachen gesprochen, es sind verschiedene Kulturen vertreten. Das ist toll.

Du hast auch ein Praktikum in der Privatwirtschaft gemacht: Wie war das im Vergleich zur Kommission?

Das habe ich in einer Bank in Frankreich gemacht. Es war auch spannend, vor allem weil es zur Zeit der Finanzkrise war und die Wahl von François Hollande bevorstand. Ich lernte viel über Krisenmanagement und Strategieplanung einer Bank. Die Erfahrung ist auch wichtig für meinen jetzigen Job, wo ich verstehen muss, wie Banken ticken.