Stilfragen„Gepflegtheit bis ins Detail"


Michael Bischof ist Vorstand des Herrenmodespezialisten Digel.


Capital: Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Michael Bischof: Das große Credo lautet: Mehr Freiheit. Mehr Individualität. Auch im Büro. Die Businessmode hat sich in den letzten Jahren stark gedreht. Viele klassische Bürojobs sind heute weitaus facettenreicher und aufgebrochener. Der Dress-Code wurde in vielen Unternehmen sichtlich lockerer und es gibt heute für den Business-Mann weitaus mehr Spielraum, sich business-like aber dennoch individuell und modisch zu kleiden. Die Zeit der grauen Einheitsanzüge ist (Gott sei Dank) vorbei. Für mich definiert sich daher moderne Businessmode aus einem gekonnten Mix aus klassischen Elementen und aufgebrochenen Casual-Stücken. Heute weitgehend akzeptiert ist beispielsweise eine gepflegte Chino in Kombination mit einem Sakko, einem Hemd und einem hochwertigen Lederschuh.

Die Mode fürs Büro muss aber auch praktisch sein. Heute ist ein Großteil der Geschäftsmänner täglich unterwegs. Morgens in der Zentrale, nachmittags ein Neukunden-Termin in Hamburg und abends zurück zum Dinner in der Heimatstadt. Wir nennen den modernen Business-Mann „Global Professional“ – ein Mann, der viel unterwegs ist und entsprechende Ansprüche an sein Outfit stellt. Aber auch bei uns im Haus – als Modeunternehmen mit nach wie vor starkem Fokus auf Anzüge – hat sich der Bürostil verändert. Unsere Mitarbeiter kombinieren Anzugshose zur passenden Weste oder setzen Akzente mit Accessoires wie Krawatte und Einstecktuch. Auch das Thema Schuhe ist heute Ausdrucksfläche in Form von kernigen Boots oder Sneakern zum Anzug, wenn es die Agenda zulässt.

Was sind Dos and Dont’s im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Ungepflegte Schuhe waren und werden aus meiner Sicht immer ein Don’t bleiben, genauso wie Kurzarmhemden unterm Sakko. Außerdem sollte man im Business auch auf eine perfekte Passform achten. Ein klares Don’t sind zu lange Hosen, zu lange Ärmel, zu weite und nicht sitzende Anzüge.

Ansonsten sollte jeder seine Kleidung so wählen, wie sie zur Person und dem Unternehmen passt und die Persönlichkeit maximal positiv unterstreicht. Als absolutes Muss im Berufsleben sehe ich Gepflegtheit bis ins Detail, was einer Lässigkeit im Aussehen nicht widerspricht, sondern diese erst aus meiner Sicht möglich macht.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner und – frauen?

Im Sommer 2016 geht der Trend hin zum „aufgelöstem Business-Look“. Wir sprechen hier von leichten Jersey-Sakkos mit dekonstruierten Details in Kombination mit Wollhosen, Hemden mit Mini-Prints und sportiven Blousons. Bei Frauen geht es um Silhouette und das Spiel mit Volumen und Stofflichkeit.

Hut als ewiger Klassiker

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Hellblaue und weiße Businesshemden
, eine kleine Auswahl an gutsitzenden, struktuierten Chinos
, schmal geschnittener Anzug in klassischen Farbtönen wie Blau, Grau und Schwarz, Oxfords und hochwertige Gürtel (im Idealfall farblich aufeinander abgestimmt), ein Paar schmal-geschnittene, schwarze Chelsea-Boots
, Blue Jeans, einen Trench-Coat
, leichter Kaschmir-Pullover mit Rundhals
, einen klassischen Smoking
, ein Paar Lackschuhe
 und eine Auswahl an hochwertigen Basic-Shirts

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Der Hut für den Mann. Er feiert in der Modewelt sein Revival, egal ob in New York, London oder in Florenz, er ist überall zu sehen. Der Hut als ewiger Klassiker in der Männerwelt hat meiner Ansicht nach eine Renaissance verdient.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Um nur zwei zu nennen: Cary Grant und David Bowie.

Welche modische Anschaffung war ihr bester Kauf/das langlebigste Geschenk?

Kürzlich habe ich mir ein Paar Schuhe von „Alden“ zugelegt. Ich liebe diese Marke – Qualität bis ins kleinste Detail.

Stilsünde Cowboy-Stiefel

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Kurzum: Im Lauf-Dress. Am Wochenende nutze ich gerne die Morgenstunden zum Joggen.

Ihre größte Stilsünde war …?

Cowboy-Stiefel, mehr muss ich dazu nicht sagen.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online? Begründen Sie bitte Ihre Wahl.

Als Privatperson bevorzuge ich beim Thema Mode gerne die direkte und persönliche Beratung in einer Boutique oder bei einem Hersteller. Es geht mir um ein Einkaufserlebnis und darum die Atmosphäre einer Marke zu spüren. Online kaufe ich in Ergänzung, zum Beispiel wenn ich die Marke bereits gut kenne.

Kurz & knapp:
 Krawatte oder Fliege?

Krawatte

Rasur: trocken oder nass?

Trocken

Anzug: Doppel- oder Einreiher?

Meist Einreiher

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Kaschmirmantel

Barfuß oder Lackschuh?

Lieber barfuß 🙂