StudieViele Kollegen, mehr Scheidungen

Ein Unternehmen ist auch häufig eine Partnerbörse
Ein Unternehmen ist auch häufig eine Partnerbörsedpa

Viele Menschen finden am Arbeitsplatz den Partner fürs Leben – und den Grund für die Scheidung. Forscher von der Universität Stockholm kommen in einer Studie zu dem Schluss: Wer in einer Branche mit besonders vielen Menschen des anderen Geschlechts arbeitet, hat ein höheres Scheidungsrisiko.

Anders ausgedrückt: Je größer die Verlockung zum Seitensprung bei der Arbeit ist, desto häufiger scheitern Ehen. Allerdings gilt diese Erkenntnis nur mit Einschränkungen. Und die Forscher selbst sehen auch noch andere Erklärungsansätze für die höheren Scheidungsraten in einigen Branchen.

Scheidungsrate in bestimmten Branchen höher

Caroline Uggla und Gunnar Andersson nahmen sich für ihre Studie die detaillierten Einwohnermeldedaten für Dänemark vor. Berücksichtigt wurden alle Menschen, die nach 1944 geboren wurden, von 1981 bis 2002 einen Partner des anderen Geschlechts geheiratet haben und während dieser Zeit berufstätig waren.

Die Demografen untersuchten, wie hoch die Scheidungsraten in den verschiedenen Branchen ausfielen und ob es ein Zusammenhang mit dem Anteil von Frauen und Männern in dem Berufszweigen bestand.

Sie kamen zum Schluss: Branchen mit einem reichen Angebot potenzieller Partner wiesen besonders hohe Scheidungsraten auf. Demnach ließen sich Frauen und Männer im Hotel- und Gaststättenbereich sehr viel häufiger scheiden als Menschen, die in der Landwirtschaft oder dem Bibliothekswesen tätig waren.

Verheiratete Männer mit vielen Kolleginnen sind laut der Studie eher „anfällig“ für eine neue Liebschaft als Frauen mit einer Vielzahl männlicher Kollegen.

Andere Erklärungsansätze

Bei Männern stieg mit zunehmendem Bildungsgrad das Scheidungsrisiko, wenn sie von vielen Mitarbeiterinnen umgeben waren. Bei Frauen in „Männerberufen“ hatte der hohe Bildungsgrad hingegen kaum einen Einfluss auf die Scheidungsrate.

Die schwedischen Wissenschaftler räumten aber ein, dass die Scheidungsraten in bestimmten Branchen andere Gründe haben könnte als die reine Verfügbarkeit potenzieller Partner. Vielleicht weisen Kellner im Gegensatz zu Bibliothekaren bestimmte Charaktermerkmale auf, die sie empfänglicher für Scheidung machen.

Sicher waren sich die Forscher aber bei dieser Aussage: Später im Leben geschlossene Ehen sind besonders stabil.

So hatten Dänen, die nach dem 41. Geburtstag geheiratet haben, ein rund 40 Prozent niedrigeres Scheidungsrisiko als Menschen, die mit 16 bis 22 Jahren vor den Traualtar getreten sind.