Altersvorsorge Vorsicht, Erbe! 5 Regeln für den Umgang mit Erbschaften

Symbolbild: Eigenheim
Symbolbild: Eigenheim
© dpa
Jedes Jahr wechseln in Deutschland Vermögen im Wert von bis zu 400 Mrd. Euro den Besitzer, weil die Eigentümer sterben. Erbschaften sind damit ein entscheidender Faktor zur finanziellen Vorsorge – wenn man sie rechtzeitig und vernünftig plant.

Die kommenden Jahre gehören noch einmal den Machern des deutschen Wirtschaftswunders. Wenn die Nachkriegsgeneration dann nach und nach von der Bühne des Lebens abtritt, hinterlässt sie ein gewaltiges Vermögen. Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) könnten in den kommenden zehn Jahren die Erbschaften gegenüber dem Jahrzehnt zuvor um 28 Prozent steigen. Das gesamte Vermögen der Deutschen ist danach heute schon zu einem Fünftel ererbt. Andere Analysen zeigen: Fünf bis sieben Millionen Haushalte haben innerhalb von zehn Jahren eine Erbschaft zu erwarten – wobei Höhe, Verteilung und Verwendung höchst unterschiedlich ausfallen. Fast die Hälfte der Erblasser hinterlässt Kindern oder Verwandten beispielsweise ein Eigenheim oder eine Wohnung. Erbschaften werden so für viele Nachkommen zu einem bedeutsamen Vermögensbaustein – auch für die eigene Altersvorsorge. Damit die Planung auch aufgeht, gibt es einiges zu beachten. Die wichtigsten Regeln:

Regel 1: Hinterbliebene absichern

Wer mit einem Partner zusammenlebt, will in der Regel zunächst, dass es dem auch nach dem eigenen Tod finanziell gut geht. Und das ist gar nicht so leicht. Schließlich fallen mit dem Tod beispielsweise die gesetzlichen Renten weg, so dass von einem Monat auf den anderen weniger Geld zur Verfügung steht. Witwenrenten liegen bei maximal 60 Prozent des Rentenanspruchs eines Verstorbenen, zum Teil werden auch noch andere Einkünfte darauf angerechnet, erklärt Tom Friess, Ruhestandsplaner und Geschäftsführer des VZ Vermögenszentrums in München. „In den meisten Fällen ist der überlebende Partner daher auf Immobilien und Ersparnisse angewiesen.“ Eheleute und eingetragene Lebenspartner sollten sich per Testament oder Erbvertrag gegenseitig begünstigen, so gut das nach der gesetzlichen Erbfolge geht. Üblich ist vor allem das sogenannte Berliner Testament. Damit setzen sich die Partner mit ihrem gesamten Vermögen gegenseitig als Alleinerben ein – und bestimmen anschließend zum Beispiel ihre gemeinsamen Kinder als sogenannte Schlusserben.

Regel 2: Pflichtteile beachten

Nicht nur mit dem Berliner Testament, auch mit einem anders formulierten Letzen Willen lassen sich die Erben des eigenen Vermögens frei bestimmen. Die Freiheit hat allerdings Grenzen. Denn die nächsten Angehörigen lassen sich zwar auf dem Papier enterben, ihnen steht dann aber immer ein sogenannter Pflichtteil am Vermögen des Verstorbenen zu. Heißt: Sie haben zwar keinen Anspruch auf Häuser, Autos oder Aktien, können aber auf einen finanziellen Ausgleich pochen. Als nächste Angehörige gelten leibliche und adoptierte Kinder, Eheleute und eingetragene Lebenspartner sowie die eigenen Eltern, wenn es keine Kinder gibt. Sie alle können einen Pflichtteilsanspruch beim Nachlassgericht geltend machen. Kommt es hier zum Streit und ist beispielsweise nur Immobilienvermögen vorhanden, dann kann es sein, dass die schöne Wohnung unterm Hammer landet, etwa, um die Kinder auszuzahlen. „Unter Umständen kann es sinnvoll sein, mit den Kindern oder Eltern einen Erbvertrag aufzusetzen, in dem sie zugunsten des überlebenden Partners zunächst auf ihren Pflichtteil verzichten“, rät Vermögensberater Tom Friess.

Regel 3: Früh schenken

Das Erbrecht hält eine weitere Tücke bereit: Steuern. Je nachdem, wie viel zu vererben ist und an wen das Vermögen geht, kassiert der Staat bis zu 50 Prozent vom Nachlass. Steuerfrei sind lediglich Erbschaften bis zur Höhe eines gewissen Freibetrags. Der fällt beim verbliebenen Partner mit einer halben Million Euro noch recht üppig aus, auch 400.000 Euro pro Kind können in vielen Fällen ausreichen. Enkel können jeweils 200.000 Euro steuerfrei erben, die eigenen Eltern je 100.000 Euro, allen anderen Erben nur 20.000 Euro. Je nach Verwandtschaftsgrad und Höhe der Erbschaft sind andernfalls zwischen 7 und 50 Prozent Steuern fällig.

Wer Erbschaftsteuern vermeiden will, der kann vor allem eines tun: Rechtzeitig Teile seines Vermögens verschenken. Die Freibeträge dafür sind fast dieselben wie beim Erbe, lassen sich aber alle zehn Jahr neu nutzen. Wer früh genug beginnt, Vermögen zu übertragen, kann sich nicht nur daran freuen. Er kann seinen Erben auch Steuern ersparen.

Regel 4: Versicherungen prüfen

Sogenannte Leibrenten erlöschen, sobald der Rentner stirbt. Das gilt nicht nur für die gesetzliche Rentenversicherung, sondern auch für staatlich geförderte Riester- oder Rürup-Policen. Damit die Angehörigen noch etwas davon haben, dass man dort Jahrzehnte lang eingezahlt hat, kann man in der privaten Vorsorge Todesfallleistungen sowie Mindestlaufzeiten für die Rentenzahlungen vereinbaren, die sogenannten Rentengarantiezeiten. Das bedeutet: Die Rente fließt auf jeden Fall mehrere Jahre lang, beim vorzeitigen Tod profitieren Partner oder Kinder. „Viele Verbraucher sind allerdings der irrigen Ansicht, dass beispielsweise eine 20-jährige Garantiezeit erst mit ihrem Tod beginnt“, warnt Thomas Hentschel von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Gemeint ist aber immer die Gesamtlaufzeit. Wer also mit 80 Jahren stirbt und davor 15 Jahre lang eine Rente aus der Versicherung kassiert hat, gibt nach dem Tod nur noch fünf garantierte Rentenjahre weiter.

Regel 5: Das Eigenheim schützen

Immobilien können im Lauf der Zeit immense Wertsteigerungen erfahren. Werden sie dann vererbt, sind Freibeträge schnell aufgebraucht – auch wenn gar kein Geld fließt. Der Gesetzgeber hat deshalb fürs selbstgenutzte Eigenheim einen Sonderstatus ersonnen: Es lässt sich immer steuerfrei vererben und verschenken, egal wie viel es wert ist. Drei Regeln sind dabei zu beachten. Erstens: Der Begünstigte muss Ehe- oder Lebenspartner sein, Kinder, Stiefkind oder Waisenenkel. Zweitens: Es muss um ein sogenanntes Familienheim gehen, in dem die Erben mindestens zehn Jahre wohnen bleiben. Ferienhäuser sind also raus. Drittens: Erben die Kinder, darf Haus oder Wohnung höchstens 200 Quadratmeter groß sein.


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