InterviewFedor Holz über seine erste Million

Fedor Holz, PokerspielerPR


Fedor Holz, 26, zählte bereits mit 20 Jahren zu den besten Pokerspielern der Welt. Der gebürtige Saarländer hat rund 39 Mio. Dollar eingenommen. Sein Geld investiert er in Immobilien und Firmenbeteiligungen im Bereich E-Mobilität und Lernprogramme. Glücksspieltipps gibt er in Videokursen auf dem Portal pokercode.com.


Capital: Herr Holz, Pokerspieler ist nicht gerade ein konventioneller Job. Wie sind Sie dazu gekommen?

FEDOR HOLZ: Mit 16 habe ich angefangen, mit Freunden zu pokern. Einige haben das professionalisiert. Das hat meine Neugier geweckt. Ich habe beschlossen, Vollzeit zu spielen. Ernst wurde es aber erst, als ich vier Jahre später nach Wien in eine WG mit anderen Pokerspielern gezogen bin.

Wie haben Ihre Eltern reagiert?

Beide haben eine relativ neutrale Einstellung zum Pokern. Sorgen haben sie sich sicher gemacht, vor allem als ich mein Studium abgebrochen habe. Aber das wurde nicht so krass kommuniziert.

Die neue Capital
Die neue Capital

Mittlerweile sind Sie Multimillionär. Sind Sie ein Glückspilz, oder steckt harte Arbeit dahinter?

Glück spielt beim Pokern nur kurzfristig eine Rolle. Der langfristige Erfolg ist darauf zurückzuführen, wie viel Energie man investiert.

Woher haben Sie die Energie genommen, um einer der besten Spieler der Welt zu werden?

Es geht darum, seine Energie möglichst smart zu investieren. Und darin war ich ausgesprochen gut. Ich habe rund 15.000 Stunden gespielt und mich intensiv mit anderen Spielern ausgetauscht. Der größte Unterschied zu vielen Konkurrenten war, dass ich schon damals 30 bis 35 Prozent meiner Zeit mit Prozess­optimierung verbracht habe. Ich habe alles hinterfragt: wie ich spiele, wie ich meine Gegner analysiere, aber auch wie ich reise oder wie mein emotionales Umfeld aussieht.

Und wie schnell hatten Sie die erste Million auf Ihrem Konto?

In einer extrem kurzen Zeit, in der ich mich ausschließlich aufs Pokern konzentriert habe. Im Mai 2013 hatte ich im Prinzip noch nichts, im September war ich Millionär. Das war ein aufregendes Jahr für mich.

Haben Sie das realisiert, oder geht das im Rausch des Spiels unter?

Ich hatte absoluten Schlafmangel und konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen, das weiß ich noch ganz genau. Das war alles schon ziemlich verrückt. Mein großes Ziel war immer, meiner Familie ein Haus zu kaufen. Das bedeutete für mich Unabhängigkeit.

Haben Sie Bilanz über Ihre Spielgewinne und -verluste geführt?

Das habe ich erst im Nachhinein gemacht. Insgesamt habe ich ungefähr 32 Mio. Dollar bei Livespielen gewonnen, weitere 7 Mio. Dollar bei Onlinespielen. Davon gehen natürlich viele Kosten ab.

Warum spielen Sie immer noch?

Weil es mir in Maßen immer noch Spaß macht. Aber es ist für mich auch einfach eine gute Möglichkeit, Geld zu machen. Poker kann wichtige Fähigkeiten lehren, wie strategisches Denken. Ich habe inzwischen allerdings nicht mehr das Gefühl, mich da noch weiterentwickeln zu können.

Poker hat wie alle Glücksspiele eine erhebliche Suchtgefahr. Wie gehen Sie damit um?

Ich selbst habe nie ein Suchtgefühl entwickelt. Manchmal fehlt mir nur dieser Rausch, in einer Situation zu sein, in der ich in kurzer Zeit eine Vielzahl an Entscheidungen treffen muss und jede dieser Entscheidungen einen signifikanten Einfluss hat. Aber ich weiß, dass ich dieses Gefühl in Zukunft bestimmt in anderen Bereichen wiederfinden werde.

 


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