KarriereFast jeder Zweite lügt im Job

Symbolbild Lüge
Symbolbild LügeGetty Images

Ist der Bericht fertig? Warum waren Sie zu spät? Sind wir nicht ein tolles Team? Anlässe für Unwahrheiten gibt es im Berufsleben jede Menge. Meist führen sie zu folgenlosem Flunkern. Aber erstaunlich viele Menschen greifen im Job auch zu massiven Lügen. Das hat YouGov im Auftrag der Jobplattform Glassdoor bei einer repräsentativen Umfrage festgestellt. 45 Prozent der Berufstätigen bekennen sich demnach dazu, gelegentlich die Unwahrheit zu sagen und Dinge zu beschönigen – nach dem Motto „Ich bin da dran“. 28 Prozent der Deutschen machen sich das Arbeitsleben sogar regelmäßig mit solchem Flunkern einfacher.

Viele Deutsche lügen

YouGov fragte auch nach vorsätzlichen, groben Lügen im Sinne von „Ich habe den Großkunden gewonnen“. Immerhin acht Prozent der Berufstätigen machen sich hier gelegentlich schuldig. Sechs Prozent tun sind sogar ausgewiesene Gewohnheitslügner. Diese Hardcore-Blender sind doppelt so häufig Männer (acht Prozent neigen zum regelmäßigen Lügen) als Frauen (vier Prozent). Neun von zehn Frauen lehnen vorsätzliches Lügen bei der Arbeit ab. So viel Skrupel nehmen nur acht von zehn Männern für sich in Anspruch.

Die Gründe für Unwahrheiten laufen vor allem auf eines hinaus: die Position in der Firma zu stärken beziehungsweise nicht zu schwächen. Das sind laut der Umfrage die häufigsten Ursachen für Lügen:

  1. Fehler und Misserfolge verbergen: 27 Prozent
  2. Chef akzeptiert angeblich keine abweichende Meinung: 21 Prozent
  3. Strafen und Sanktionen entgehen: zwölf Prozent

Auch ohne Lügen spielen viele Berufstätige nicht mit offenen Karten. Laut der Umfrage verstellen sich 22 Prozent bei der Arbeit und zeigen nicht ihre wahre Persönlichkeit. Jeder Dritte (32 Prozent) würde sich im Job niemals Gefühlsäußerungen erlauben.

Lügen: Lieber bei Kollegen als bei der Chefin

Opfer von Lügen werden offenbar in erster Linie Kollegen. Das kann aber auch daran liegen, dass es bei ihnen schlicht sehr viel mehr Gelegenheiten für Unwahrheiten gibt oder Lügen gegenüber der Geschäftsführung weniger bereitwillig zugegeben werden. So gaben nur fünf Prozent der Befragten zu, schon mal den eigenen CEO belogen zu haben. Jeder Siebte (15 Prozent) hat beim direkten Vorgesetzten die Unwahrheit gesagt. Damit ging es Chefs sehr viel besser als Lebenspartnern. Die müssen sich von 38 Prozent der Berufstätigen Lügen anhören.

An der Online-Umfrage nahmen laut Glassdoor 1054 Berufstätige teil. Die Erhebung wurde vom 10. bis 12. März 2020 durchgeführt.

 


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