Arbeitszeit6 Wege wie eine Karriere auch mit Teilzeit gelingt

Symbolbild Jobsharing
Symbolbild Jobsharingrawpixel from Pixabay

Die Berliner Plattform Tandemploy will Jobsharing organisieren und professionalisieren: Sie bringt Unternehmen mit Menschen zusammen, die sich eine Stelle teilen wollen. Wer Teilzeit arbeiten will, kann sich dort einen Partner suchen, um sich gemeinsam auf einen Vollzeitjob zu bewerben. Firmen können die Software zudem intern nutzen, damit sich Tandems im eigenen Team bilden können. Auch sogenanntes Topsharing ist möglich: Bei Tandemploy etwa teilen sich Jana Tepe und Anna Kaiser die Geschäftsführung.

Aus Forschungssicht gibt es zwar bisher wenig zum Thema Jobsharing. Dennoch gibt es mindestens drei Gründe, warum es Sinn ergeben kann, sich eine Stelle zu teilen. Und drei Bedingungen, damit es im Arbeitsalltag auch funktioniert.

#1 Produktivität steigern

Wer nicht jeden Tag acht Stunden und mehr im Büro hockt, ist Studien zufolge produktiver. Zeitreduziert im Dienst zu sein, macht es zwingend erforderlich, sich zu fokussieren und den Tag effizient zu strukturieren. Im Team kann man sich zudem mit seinem Partner beraten. Das führt oft zu schnelleren und besseren Ergebnissen. Auch sehr anspruchsvolle Aufgaben können daher durch Jobsharing teilzeittauglich werden. Ebenso lassen sich Wissen von Alt und Jung oder Erfahrungen unterschiedlicher Nationalitäten effektiv kombinieren.

#2 Work-Life-Balance verbessern

Viele Teilzeitarbeitende kennen das Problem: Aus einer halben Stelle im Vertrag wird im Büro real eine Zweidrittelstelle. Jobsharing kann das verhindern: Ist ein Tandempartner nicht im Einsatz, ist der andere verfügbar. Wer frei hat, muss also nicht ständig online sein und E-Mails lesen. Mit einer geteilten Stelle bleibt außerdem Zeit für das, was vielleicht seit Jahren auf der To-do-Liste steht: einen Sprachkurs belegen, ein Instrument lernen, sich ehrenamtlich engagieren. Menschen, die Zeit außerhalb des Unternehmens verbringen, kommen mit Inspirationen zurück an den Schreibtisch. Davon profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

#3 Kosten sparen

Beim Jobsharing gibt es keinen Verlust durch Ausfall: Tandemkollegen können sich bei Urlaub und Krankheit perfekt vertreten. Das Vier-Augen-Prinzip hilft, Fehler zu vermeiden, die das Unternehmen Geld kosten könnten. Durch die Chance auf doppeltes Fachwissen lässt sich darüber hinaus leichter die sogenannte eierlegende Wollmilchsau finden: den Mitarbeiter, der fünf Sprachen spricht, analytisch und kreativ, jung und erfahren zugleich ist.

#4 Selbstcheck machen

Am Anfang steht derweil die schonungslose Selbsteinschätzung: Passt ein solches Arbeitsmodell zu mir? Wie gehe ich zum Beispiel damit um, eine Präsentation zu erstellen, die dann mein Kollege der Chefetage erfolgreich vorträgt? Sehe ich meinen Partner als verlässlichen Teamplayer – oder insgeheim als Konkurrenten oder Nutznießer meiner Fähigkeiten? Habe ich an freien Tagen Angst, dass es ohne mich doch nicht gehe?

#5 Bauchgefühl berücksichtigen

An den Anfang gehört auch das Bauchgefühl: In einem Tandem muss die Chemie stimmen, nicht jeder kann sich mit jedem einen Arbeitsplatz teilen. Ein Tandem sollte nicht vom Management bestimmt werden, sondern sich selbst zusammenschließen. Beide Partner müssen offen über alles reden können und Kritik vom jeweils anderen akzeptieren können. Jobsharing-Kollegen müssen nicht zwingend beste Freunde sein – aber ab und zu ein Feierabendbier zusammen zu trinken, darf kein unangenehmer Termin sein.

#6 Austausch maximieren

Kommunikation ist beim Jobsharing eine der wichtigsten Kompetenzen. Ohne genaue und kontinuierliche Absprachen untereinander ist das Projekt Arbeitsplatzteilung schnell am Ende. Beide Tandempartner müssen immer auf dem aktuellsten und gleichen Stand sein. Aufgaben und Verantwortungsbereiche sollten am besten von Anfang an klar abgesteckt werden. Auch ihre anderen Kollegen sollten immer wissen, wer wann erreichbar und für was zuständig ist. Für Organisatorisches und Übergaben können gemeinsame Präsenztage hilfreich sein.