ThemaEnergie aus eigener Ernte

Rainer Carstens und Paul-Heinrich Dörscher heizen mit regenerativen Energien. In einem ihrer Gebäude muss es fast ganzjährig mollig warm sein. Deshalb haben sie gleich nebenan ein Blockheizkraftwerk gebaut. Das Gebäude im schleswig-holsteinischen Wöhrden ist Deutschlands größtes Bio-Gewächshaus. Hier, unweit der Nordseeküste wächst neben anderen Gemüsesorten Kohl besonders gut und viel. Carstens und Dörscher, Inhaber des Landwirtschaftsbetriebs Westhof Bio, haben aber auch einen neuen Markt im Auge: Biotomaten aus Deutschland. Nach Bioland-Kriterien angebaut, energetisch verantwortungsvoll produziert.

Gezielte Förderung durch Mittel der KfW

Anders als in einem konventionellen Gewächshaus wachsen die Westhof-Tomaten nicht auf Steinwolle, sondern auf Marschboden. Nach der Ernteperiode, die im März beginnt und im November endet, wird er neu aufbereitet. Riesige Gewächshäuser gibt es in Deutschland viele, nach ökologischen Kriterien betriebene nur wenige. Das Blockheizkraftwerk auf dem Westhof läuft mit Gas aus der eigenen Biogasanlage. Mit deren Rückständen wird der Boden im Gewächshaus gedüngt, die Anlage liefert zudem den für die Tomatenzucht wichtigen Stickstoff. Mit Regenwasser aus dem Rückhaltebecken neben dem Gewächshaus werden die Tomaten bewässert. Das Projekt finanzierte der Westhof mit Mitteln aus dem KfW-Programm ‚Erneuerbare Energien Premium‘. Bioware aus Deutschland ist selten und deshalb gefragt. „Der ökologische Gedanke spielt bei unseren Stammkunden eine große Rolle“, sagt Maike Carstens. Wie ihre drei Geschwister arbeitet auch sie im elterlichen Betrieb. Sie ist zuständig für Vertrieb und Marketing. „Gesunde Ernährung wurde uns in die Wiege gelegt.“

Vorreiter für Bio-Landwirtschaft

Schon ihr Vater war einer der Bio-Vorreiter in dieser Gegend. Rainer Carstens stellte den Westhof, den er 1978 von seinem Vater übernommen hatte, 1989 auf biologischen Landbau um. Sein Nachbar Dörscher, dessen Familie seit gut 150 Jahren Landwirtschaft in Dithmarschen betreibt, schaute sich das ein paar Jahre an und dachte zunächst: „Was macht der Rainer da? Ohne Tiere? Der hat ja den ganzen Winter nichts zu tun.“ Er selber merkte, dass er Jahr für Jahr mehr spritzte, um die Erträge zu halten. 2002 taten sich Carstens und Dörscher zusammen. Heute haben sie rund 1.000 Hektar unterm Pflug. Westhof Bio ist damit einer der größten Bio-Gemüsebetriebe in Deutschland. Er beschäftigt 110 Mitarbeiter, davon 20 im Gewächshaus, und noch mal so viele Saisonkräfte.

Auf dem Trecker sitzen die beiden Agrarstrategen zum eigenen Leidwesen nicht mehr oft. Die Liebe zu Land und Beruf ist geblieben. Das Schönste dabei? „Vielleicht,“ sagt Dörscher, „wenn man an einem Frühjahrsabend über die Felder geht und das junge Grün der Möhren in der tiefstehenden Sonne leuchtet.“

Weitere Informationen zur Förderung: www.kfw.de/271