ThemaAufklärung nötig

Frau Schlepütz, wo gibt es Ihrer Erfahrung nach bei den gewerblichen Gebäuden den größten Nachholbedarf in Bezug auf Energieeffizienz?

Vor allem bei der Anlagentechnik. Wir treffen ganz oft auf Heizungen, die 20 Jahren und älter sind. Man kann von einem richtigen Sanierungsstau sprechen. Vor einigen Tagen war ich in einem Unternehmen, in dem die Heizanlage 40 Jahren alt war. Dabei kann man mit moderner Technik schon ein Drittel der Heizkosten sparen. Auch viele Dächer sind nach wie vor ungenutzt, dabei konnten die dort installierten Photovoltaikanlagen Strom für den eigenen Gebrauch produzieren. Grundsätzlich lohnt es sich, ein Energiekonzept zu erstellen, um von Synergien zu profitieren.

Wie sieht es aus mit den Produktionsanlagen und -prozessen?

Bei der Produktion achten Unternehmen eher auf Einsparmöglichkeiten. Trotzdem gibt es noch Potentiale, zum Beispiel bei der Drucklufttechnik. Diese wird fast in jeder Produktionsstätte genutzt, etwa bei der Verpackung. Energieverluste entstehen durch Leckagen und falsche Aufstellorte. Mit Nutzung der Abwärme kann die Energieeffizienz gesteigert werden. Die Abwärme kann gespeichert und zum Beispiel zur Erzeugung vom warmen Wasser oder zur Beheizung der Büroräume verwendet werden.

Was kann noch energetisch optimiert werden?

Auch die Abläufe können vielerorts noch verbessert werden: Wenn in einer Prozessstraße beispielsweise gekühltes Wasser verwendet wird, dann würde die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit den Kühlbedarf deutlich verringern. Und überall dort, wo Warmwasserverbrauch hoch ist, also in der Gastronomie, in Hotels und Krankenhäusern oder Autowaschanlagen lohnt es sich, Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zu installieren, die Strom und Wärme gleichzeitig erzeugen.

Mitarbeiter fürs Stromsparen sensibilisieren

Das klingt nach großen Investitionen. Kann man auch mit kleineren Maßnahmen etwas bewirken?

Oft wird das Offensichtliche übersehen – die Beleuchtung. Dabei könnten die anteiligen Stromkosten für die Beleuchtung um 50 Prozent reduziert werden, indem man LED-Lampen installiert bzw. sich grundsätzlich überlegt, ob Lampen ausgeschaltet werden können. Vor kurzem habe ich eine Apotheke beraten: Die Lampen dort werden so heiß, dass der Laden im Sommer gekühlt werden muss und im Winter keine Heizung braucht. Heizen mit der Beleuchtung ist aber nicht effizient.

Wo liegen nach Ihrer Erfahrung weitere Einsparpotenziale?

Oft können Unternehmen schon sehr viel bewirken, indem sie ihre Mitarbeiter dafür sensibilisieren, Strom zu sparen. Denn häufig wird gelüftet, während die Heizung oder die Klimaanlage laufen, oder es brennt Licht, obwohl sich niemand im Raum aufhält. Grundsätzlich lohnt es sich aber, in Energieeffizienz zu investieren, weil dieser Bereich vom Staat gefördert wird. Aufklärung gehört eben auch zu den Aufgaben eines Energieberaters. Und da ist der Bedarf enorm.

Für welche Bereiche gibt es die besten Aussichten auf Fördermittel?

Unternehmer können sowohl für Gebäudesanierungen als auch für die Modernisierung ihrer Anlagen vergünstigte Kredite und Tilgungszuschüsse erhalten. Die KfW bietet ein Heizung- und ein Lüftungspaket an, Förderung gibt es auch für die Beleuchtung. Besonders attraktiv sind momentan die Konditionen bei der Nutzung von Abwärme. Auch der Einsatz der Energieberater wird übrigens gefördert. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) übernimmt zum Beispiel 80% der Beratungskosten.