Gastbeitrag6 Mythen über die neue Arbeitswelt

Teams sollen in der neuen Arbeitswelt mehr Verantwortung übernehmen. Aber können sie das?
Teams sollen in der neuen Arbeitswelt mehr Verantwortung übernehmen. Aber können sie das?Getty Images

Veränderung ist Tagesgeschäft – und Sie als Entscheider sind gefordert, diese Veränderungen zu treiben. Immer schneller, immer mehr. Um für das Unternehmen gute, nachhaltige Entscheidungen zu treffen, müssen Sie zwischen Wahrheit und Mythos unterscheiden.

#1 Der Kickertisch verändert die Unternehmenskultur

Ob Smoothie-Maker, Sternekoch oder Kicker-Tisch, solche und ähnliche Insignien scheinen für die neue Arbeitswelt zu stehen, haben sich in ihrer Bedeutung allerdings vielfach verselbstständigt. Mit all diesen schicken Dingen ist die Hoffnung verbunden, dass sie nachhaltig Wirkung auf Mitarbeiter und Kunden entfalten.

Eine gewisse Wirkung haben sie sicher auch – allerdings nur die eines Puzzlesteins im Kontext der notwendigen Veränderung im Unternehmen. Denn letztendlich muss die Unternehmenskultur ganzheitlich verändert werden, und dazu gehört deutlich mehr. Beschränkt sich Veränderung im Unternehmen auf reine Äußerlichkeiten, wird die angestrebte Wirkung schnell konterkariert.

#2 Agilität macht alles schneller

Die Produkte müssen schneller auf den Markt, die Projekte dauern zu lange – Anforderungen, die richtig und nachvollziehbar sind. Die Einführung von Agilität in Projekten oder auch dem ganzen Unternehmen soll das „mal eben“ sicherstellen.

Ein Rezept, das so nicht funktioniert. Häufig scheitert es bereits an den unterschiedlichen Antworten auf die Frage nach dem Verständnis von Agilität. Wo fängt sie an, wo hört sie auf? Und: Agile Projekte brauchen keine Planung? Ein besonders weit verbreiteter Irrtum. Auch agile Projekte benötigen Ressourcen, die bereitgestellt und somit geplant werden müssen.

Agilität kann nur funktionieren, wenn sie End-to-End gedacht wird und vor allem im Unternehmen und seiner Kultur verankert wird. Bei allen Mitarbeitern auf allen Ebenen – beginnend mit der Geschäftsführung. Dabei kann Agilität als Haltung aller im Unternehmen nicht verordnet werden, sie muss sich entwickeln und letztlich von allen aktiv gelebt werden. Unternehmen sind gefordert, den entsprechenden Rahmen zu gestalten. Und all das braucht letztendlich Zeit.

#3 Selbstorganisation braucht keine Führung

Was sich für die einen wie ein Befreiungsschlag anfühlt, bedeutet für die anderen den Verzicht auf geliebte Statussymbole. Aber ist das möglich – keine Führung?

Aktuell gehypte Arbeits- und Organisationsformen wie beispielsweise Agilität, Holacracy oder Simplicity proklamieren Selbstorganisation. Richtig. Allerdings heißt das nicht, dass Führung generell obsolet wird. Vielmehr ist Führung mehr denn je gefordert. Sie folgt nur anderen Mechanismen und stellt andere Anforderungen an die Führungskräfte. So wird die Führung qua Hierarchie durch eine Führung über Akzeptanz und Vertrauen ersetzt. Manager müssen sich dazu in ihrer Rolle anders aufstellen, sie benötigen andere Kompetenzen. Selbstreflexion und Kommunikation werden noch wichtiger als sie es schon immer waren.

Und selbst in gleichberechtigten Teams wird sich immer eine Führung über Fachkompetenz, Netzwerke, Kommunikation herausbilden. Letztlich muss auch die wirtschaftliche und rechtliche Verantwortung für den Erfolg oder auch Misserfolg eines Unternehmens geregelt sein. Wer sollte die übernehmen, wenn nicht die Führungskraft?