ImmobilienWie Sie sich mit Ihren Nachbarn arrangieren

Symbolbild Nachbarschaft
Symbolbild NachbarschaftImage by holzijue from Pixabay

Die große Freiheit fängt gleich hinterm Gartenzaun an, auf dem eigenen Grundstück. Oder hinter der Wohnungstür, die im Apartmenthaus die eigenen vier Wände von denen der übrigen Bewohner trennt.

Als Immobilienbesitzer kann man walten, wie man will, ohne andere wegen jeder Kleinigkeit um Erlaubnis zu fragen. So stellen es sich zumindest viele Käufer vor. Rund die Hälfte der künftigen Eigentümer nannte in einer Umfrage der Bausparkasse LBS den Gestaltungsspielraum als Hauptgrund für den Immobilienerwerb. Und knapp 40 Prozent betonten in einer Studie der Interhyp-Gruppe, sie wollten unabhängig vom Vermieter sein.

In der Realität sieht die große Freiheit jedoch oft anders aus. Denn wer ein Haus oder eine Wohnung erwirbt, hat als Eigentümer nicht nur Rechte, sondern auch etliche Pflichten. Vor allem muss er viele Dinge mit seinen Nachbarn absprechen. Oft ist das kein Problem, manchmal beschränkt es den eigenen Spielraum allerdings deutlich.

Das gilt vor allem für Wohnungsbesitzer, denn sie sind zumeist gleichzeitig Mitglieder einer Eigentümergemeinschaft: Die Immobilie sowie der Grund und Boden, auf dem sie steht, gehören allen Parteien gemeinsam. Zwar besitzt jede Partei Sondereigentum, über das nur sie verfügen kann – das ist üblicherweise die Wohnung, der Kellerraum und der Garagenstellplatz. Was er dort macht, darf jeder Eigentümer selbst entscheiden, solange er nicht tragende Wände einreißt und so die Statik des Hauses gefährdet.

Gemeinsame Sache

Über alles andere entscheiden alle Miteigentümer jedoch gemeinschaftlich. Unter die gemeinsame Verwaltung fallen bei Mehrfamilienhäusern Außenwände, Fassaden und Dach, Treppenhäuser, Heizungsanlagen, Wohnungstüren und tragende Wände, aber auch die Außenseite der Wohnungsfenster. Bevor am Gemeinschaftseigentum geändert werden darf, muss die Hausgemeinschaft zustimmen. Das soll verhindern, dass ein einzelner Bewohner den Gesamteindruck des Hauses ruiniert. So darf man in der Regel Balkons nicht beliebig mit Farbe verschönern oder mit Markisen bestücken.

Zudem gibt es Sondernutzungsrechte: Das gemeinsame Grundstück darf nicht aufgeteilt werden, es gehört allen Eigentümern. Dennoch kann einzelnen Besitzern das Recht eingeräumt werden, bestimmte Flächen exklusiv zu nutzen, etwa Autostellplätze, Terrassen oder Dachböden. Das verhindert, dass alle anderen Hausbewohner durch den eigenen Garten traben oder den gekennzeichneten Parkplatz belegen.

Solche Regelungen gelten häufig auch für Doppel- oder Reihenhäuser: Manche Grundstücke dürfen erst ab einer bestimmten Größe in einzelne Parzellen aufgeteilt werden. Werden nun mehrere Häuser auf ein nicht teilbares Grundstück gesetzt, bilden die Käufer später laut Wohnungseigentumsgesetz eine Eigentümergemeinschaft.