ImmobilienWie es am Markt für Büroimmobilien nach der Krise weitergeht

Bürogebäude in Münchenimago images / Westend61

Vor wenigen Wochen hat der Kurznachrichtendienst Twitter seinen Mitarbeitern offiziell das „Homeoffice auf Lebenszeit“ gestattet. Twitter-Angestellten soll es auch nach der Krise freigestellt sein, ob sie ins Büro kommen oder am heimischen Schreibtisch arbeiten. Die Covid-19-Pandemie hat dafür gesorgt, dass das Homeoffice mittlerweile nicht nur bei Technologieunternehmen, sondern sogar in den unflexibelsten Firmen der „Old Economy“ Einzug gehalten hat. In der Folge befürchten viele Anleger einen Einbruch am Büromarkt. Denn wenn künftig deutlich mehr Menschen von zu Hause aus arbeiten, liegt der Schluss nahe, dass weniger Büros benötigt werden – und die Preise einbrechen.

Sven Carstensen, Niederlassungsleiter bei dem Analyse- und Bewertungsunternehmen Bulwiengesa in Berlin, gibt Entwarnung. Seiner Einschätzung nach wird der Trend zur Heimarbeit den Büroimmobiliensektor nicht nachhaltig belasten. „Das Homeoffice ist salonfähig geworden und wird bestimmt auch in Zukunft verstärkt genutzt werden – aber eben nicht dauerhaft“, sagt er. Er geht zwar davon aus, dass Büroangestellte auch nach der Coronakrise ein bis zwei Tage die Woche von zu Hause aus arbeiten. „Es wird aber keine permanente Verlagerung des Arbeitsplatzes in die Privatwohnung geben“, ist Carstensen überzeugt.

Mehr Leerstand bei Büroimmobilien

Ein weiteres Risiko für Büro-Investoren: Gerät die Wirtschaft wie aktuell in Schieflage, sinkt die Zahl der Beschäftigten, und mehr Arbeitsplätze bleiben leer. Allerdings gehören Büroarbeiter laut Carstensen in der Corona-Krise nicht zu den am stärksten betroffenen Gruppen. „Es wird sicherlich einen starken Abbau bei den Selbständigen und prekär Beschäftigten geben“, prognostiziert er. Bei klassischen Büro-Jobs erwartet er dagegen einen weniger starken Stellenschwund. Das liegt auch daran, dass die Wirtschaft vor der Krise florierte. „Wenn wir uns die Entwicklungen am Büromarkt auf Jahresbasis ansehen, zeigt sich, dass die ersten drei Monate ein sehr starker Stellenaufbau stattgefunden hat“, sagt Carstensen. Mit Beginn der Corona-Pandemie war es damit zwar vorbei. „Im Ganzjahreseffekt rechnen wir dennoch mit einem leichten Plus“, erklärt er. Auch für die kommenden Jahre gehen die Experten von Bulwiengesa davon aus, dass die Zahl der Bürobeschäftigten auf einem stabilen Niveau bleibt und lediglich das Wachstum an Dynamik verliert.

Ganz ohne Spuren wird die Krise nicht am Büromarkt vorübergehen. „Insgesamt werden die Leerstände wieder ansteigen und die Mieten wieder flacher verlaufen. Wir haben das Ende eines zehn Jahre andauernden Zyklus mit steigenden Mieten erreicht“, sagt Carstensen. Dennoch dürfte der Markt für Investoren attraktiv bleiben, schätzt er – und verweist auf die komfortable Situation vor der Pandemie. „In Berlin hatten wir quasi eine Vollvermietung mit Leerständen von 1,3 Prozent und weniger. Die Krise macht also aus einem ungesunden Markt mit einer zu hohen Nachfrage und zu geringem Angebot wieder einen gesunden“, sagt der Experte.

Anleger sollten prüfen, ob sich in ihrem Portfolio Corona-Risikogruppen befinden, rät Carstensen. Dazu zählt er etwa Vollvermietungen an Reiseanbieter oder Fluggesellschaften. „Wer eine gewisse Risikobereitschaft mitbringt, kann versuchen, in den B- und C-Lagen Schnäppchen zu machen, bei Anbietern, die unter Verkaufsdruck stehen“, sagt er. „Ansonsten würde ich dazu raten, die Füße stillzuhalten.“ Gegen größere Investitionen spricht die anhaltende Unsicherheit: Niemand weiß, ob die Risiken im Markt bereits adäquat eingepreist sind.

 


Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden