Makler-KompassWie digitale Start-ups etablierte Immobilienmakler bedrängen

Blick auf die Webseite von McMakler: Das Berliner Unternehmen gehört zu den Herausforderern auf dem Markt der Immobilienvermittler
Blick auf die Webseite von McMakler: Das Berliner Unternehmen gehört zu den Herausforderern auf dem Markt der ImmobilienvermittlerAlexander Gehring

Die goldene Glocke an der Wand der Berliner Homeday-Zentrale dient bloß noch als Deko. Nach der Gründung des Digitalmaklers vor vier Jahren hätten sie das Ding immer geläutet, wenn ein Objekt verkauft worden war, erzählt Geschäftsführer Steffen Wicker und grinst. „Heute lassen wir das lieber.“

An die 15-mal pro Tag müssten die Mitarbeiter in dem weitläufigen Büroloft an der Kreuzberger Prinzessinnenstraße wohl das Gebimmel ertragen, hätten die Chefs an dem Brauch festgehalten. Bei mehr als 1500 Häusern und Wohnungen, die 2017 verkauft wurden, steckte Homeday hinter dem Geschäft. In diesem Jahr sollen es mehr als 2000 werden. Wickers Ziel: „Wir wollen bundesweit die erste Anlaufstelle für Immobilienverkäufer werden.“

Jungunternehmer: Die McMakler-Chefs Hanno Heintzenberg (l.) und Lukas Pieczonka im Garten eines Hauses in Berlin-Dahlem, das über den Immobilienvermittler verkauft wird
Jungunternehmer: Die McMakler-Chefs Hanno Heintzenberg (l.) und Lukas Pieczonka im Garten eines Hauses in Berlin-Dahlem, das über den Immobilienvermittler verkauft wird

Zumindest verbal wird bei den Makler-Start-ups kräftig weitergeklingelt: „Wir wollen zum Marktführer unter den privaten Anbietern werden“, verkündet Hanno Heintzenberg, einer der beiden Gründer von McMakler. Realbest bezeichnet sich als „coolste Plattform“. Und Maklaro tönt, die kostspieligsten Immobilien anzubieten – mit einem Durchschnittspreis von 360.000 Euro.

Die vier jungen Firmen sind angetreten, den etablierten Immobilienmaklern den Rang streitig zu machen. Das Geschäft mit Wohnungen und Häusern ist schließlich lukrativ: Jährlich wechseln mehr als 800.000 Objekte den Besitzer, und bei jeder Transaktion verdient der Makler mit – mal 5000, mal 50.000 Euro. Tatsächlich ist es den Gründern in kürzester Zeit gelungen, Kapitalgebern Millionenbeträge abzuringen und damit funktionierende Unternehmen aufzubauen – die zum Teil sogar Top-Bewertungen im Capital Makler-Kompass erzielen. Maklaro erhält in diesem Jahr in Hamburg fünf Sterne, McMakler kommt in fünf Städten auf erstklassige Ergebnisse. Sind das bloß Achtungserfolge, oder kann es den Digitalanbietern tatsächlich gelingen, das Machtgefüge in der Branche zu verschieben?

Das Geschäftsmodell der Newcomer funktioniert im Wesentlichen so: Im Internet werden möglichst viele Adressen verkaufswilliger Besitzer eingesammelt, die Objekte bewertet und über Onlineplattformen wie Immobilienscout24 vermarktet. Der Einsatz von Immobilienexperten vor Ort beschränkt sich zumeist darauf, Häuser oder Wohnungen in Augenschein zu nehmen und Besichtigungen potenzieller Käufer zu begleiten.

Vor fünf Jahren entdeckten die ersten Start-ups das Geschäft mit der Immobilienvermittlung. Mehrere Tausend Objekte haben mit Unterstützung der Start-ups seither den Besitzer gewechselt. Für Maklaro-Chef Nikolai Roth eine Genugtuung: „Vor fünf Jahren haben sie mir gesagt: ,Du bekommst nicht einen einzigen Alleinauftrag‘“, erinnert sich der Gründer. Im vergangenen Jahr habe er 698 Objekte verkauft.

TV-Spots vor der „Tagesschau“

Mit gerade einmal 15 Angestellten hat Maklaro wohl die schlankesten Strukturen des Quartetts: Drei ausgebildete Makler sitzen in der Hamburger Zentrale unweit der Speicherstadt. Die Bewertung des Objekts erledigen externe Sachverständige, die Besichtigungen begleiten Studenten, die von Maklaro geschult wurden. Stolz berichtet Roth, dass seine Firma 2017 erstmals Gewinn erwirtschaftet hat.

Davon ist McMakler noch weit entfernt. In zwei Runden hat das Start-up insgesamt rund 25 Mio. Euro bei Investoren eingesammelt. „Glücklicherweise sind wir aktuell nicht gezwungen, das Unternehmen auf Teufel komm raus in die schwarzen Zahlen zu führen, sondern können uns aufs Wachstum konzentrieren“, sagt Lukas Pieczonka. Gemeinsam mit Co-Gründer Hanno Heintzenberg sitzt er in einem Besprechungsraum in der Firmenzentrale in der Berliner Torstraße. Statt einer Glocke schmücken den Raum Plexiglas-Pokale, die an die ersten Transaktionen aus der Anfangszeit erinnern. Mittlerweile beschäftigt McMakler 250 Makler in rund 100 Städten und Ballungszentren.