BaufinanzierungWenn durch Corona die Immobilienfinanzierung wackelt

Ein Dachstuhl im Rohbau
Symbolbild Hausbaudpa

Mit drastischen Worten wandte sich Angela Merkel im März in einer Fernsehansprache an die Nation. Deutschland stehe in der Corona-Krise vor der größten Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg, sagte die Bundeskanzlerin und warnte: „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.“ Tatsächlich bedroht die Krankheit die Bundesrepublik in einem Ausmaß, das die heutigen Generationen bisher nie erleben mussten. Nicht nur die Gesundheit von Millionen Menschen steht auf dem Spiel, auch die Folgen für die Wirtschaft werden mit jedem Tag bedrohlicher. Seit Beginn der Krise haben 470.000 Unternehmen Kurzarbeit angemeldet, vielen Betrieben droht die Pleite. Arbeitnehmer bangen um ihren Job, Selbstständigen brechen die Aufträge weg. Marktbeobachter warnen: Wer keine Rücklagen hat, wird diese Krise womöglich wirtschaftlich nicht überleben.

Immobilienbesitzer, deren Häuser oder Wohnungen noch nicht abbezahlt sind, plagen dieser Tage viele Sorgen. Was passiert, wenn man durch die Krise den Job verliert? Wie soll man die monatliche Rate für den Immobilienkredit aufbringen? Ist das Eigenheim in Gefahr? „Natürlich sind wir keine Propheten, aber die Erfahrungen mit vergangenen Krisen zeigt, dass Häuslebauer erst einmal Ruhe bewahren sollten“, sagt Stephan Scharfenorth, Geschäftsführer des Finanzdienstleisters Baufi24.de. Die meisten Finanzierungen stünden auf einem sicheren Fundament, sodass kurzzeitige Lohnausfälle nicht automatisch zum Verlust des Eigenheims führten. Für Hauseigentümer, die durch die Pandemie unverschuldet in finanzielle Schieflage geraten sind, gibt es außerdem einige Möglichkeiten, sich finanziell wieder Luft zu verschaffen.

Neue Stundungsregeln

Im Fall von Liquiditätsproblemen sollte der erste Gang zur Hausbank führen. Die ist meist kompromissbereit und erstaunlich lösungsorientiert, hat Scharfenorth beobachtet. Viele Institute bieten Kunden jetzt an, Tilgung oder Zinszahlungen vorübergehend auszusetzen. Kreditnehmer, die sich vor dem 15. März Geld bei der Bank geliehen haben, haben seit Kurzem sogar einen Rechtsanspruch auf eine Pause vom Schuldendienst – zumindest, wenn sie von der Corona-Krise persönlich betroffen sind. Die neuen Stundungsregeln der Bundesregierung gelten zunächst für einen Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni, werden aber möglicherweise verlängert. Nach Ablauf der Frist müssen Darlehensnehmer die fälligen Raten nicht auf einen Schlag zurückzahlen, sondern die Vertragslaufzeit wird entsprechend gestreckt.

Kreditnehmer sollten zudem prüfen, ob sie mit ihrem Vertrag zugleich eine Restschuldversicherung abgeschlossen haben. Diese greift, wenn Versicherte die Kreditraten nicht mehr zahlen können, und zwar für maximal 18 Monate. „Versicherungsnehmer sollten im Hinterkopf behalten, dass es zu Wartezeiten von etwa drei Monaten bis zur ersten Zahlung kommen kann“, sagt Scharfenorth. Verbraucherschützer raten in der Regel von dem Kombi-Modell ab, weil die Policen teuer sind und die Anbieter viele Ausschlussklauseln definiert haben. In der aktuellen Krise könnten sich Kreditverträge mit inkludierter Versicherung indes als nützlich erweisen.

Am besten ist es, wenn Eigentümer die Immobilienfinanzierung so gestaltet haben, dass sie in Krisenzeiten erst gar nicht in Not geraten. Jeder Kreditnehmer sollte ein Sicherheitspolster besitzen, auf das er in Krisen zugreifen kann, rät Scharfenorth. Er empfiehlt mindestens drei, besser vier Nettogehälter als Rücklage. Wer mit dem Gedanken spielt, in Zukunft ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, sollte bei der Finanzierung außerdem darauf achten, dass die Konditionen flexibel sind und Tilgung auch mal ein paar Monate pausieren kann. „Durch Aussetzen oder Anpassung der Tilgung gewinnen Darlehensnehmer Zeit, in der vielleicht schon eine andere Stelle gefunden oder ein neuer Auftrag gewonnen wurde“, sagt der Experte.

 


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