Strompreise Energiekosten sparen mit Photovoltaikanlagen

Mit einer kleinen PV-Anlage können Eigentümer sogar Geld verdienen.
Mit einer kleinen PV-Anlage können Eigentümer sogar Geld verdienen.
© IMAGO / Viennareport
Verbraucher sorgen sich wegen der drastisch steigenden Energiepreise. Immobilieneigentümer können mit einer Photovoltaikanlage gegensteuern

„Preisexplosion an der Strombörse“: Diesen Hinweis lesen zurzeit alle, die auf der Preisvergleichsseite Check24.de nach einem Stromanbieter suchen. Laut den Vergleichsexperten kostete eine Megawattstunde Ende März im Schnitt 244,62 Euro. Im März des Vorjahres waren es hingegen 45,69 Euro – ein Anstieg von 435 Prozent. Darauf folgt sogleich die nächste Hiobsbotschaft: Eine Entlastung der Endkunden ist nicht in Sicht. Die Preise werden vorerst auf diesem neuen Höchstniveau verbleiben. Die Preistreiber sind vielschichtig: eine höhere Industrieproduktion nach dem Corona-Einbruch, höherpreisige CO2-Emissionszertifikate, die Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine.

Hauseigentümer sind den immer weiter steigenden Strompreisen aber nicht hilflos ausgeliefert, sondern können sich dagegen absichern – mithilfe einer eigenen Photovoltaikanlage (PV-Anlage). Während der aktuelle Strompreis laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bei weit über 30 Cent pro Kilowattstunde (kWh) liegt, kommen selbst kleine PV-Anlagen auf Stromerzeugungskosten von unter 12 Cent pro kWh – gemessen an einer Lebensdauer von 20 Jahren. Und es wird immer günstiger: Prognosen des Fraunhofer-Instituts zufolge fallen die Kosten bis zum Jahr 2024 auf unter 10 Cent und werden im Jahr 2040 nur noch zwischen 3,58 und 6,77 Cent pro kWh betragen.

Mit einer eigenen PV-Anlage sparen Eigentümer nicht nur laufend Stromkosten, sie verdienen mit ihr sogar Geld. Der Gesetzgeber möchte erneuerbare Energien fördern und hat dazu das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verabschiedet. Das EEG legt für jeden, der Solarstrom ins öffentliche Netz einspeist, eine sogenannte Einspeisevergütung fest. Wer also seinen Energieertrag nicht selbst vollständig verbraucht und ins öffentliche Netz einspeist, bekommt dafür Geld vom regionalen Netzbetreiber – und zwar 20 Jahre lang zu einem vereinbarten Festpreis.

Die Einspeisevergütung lag im März bei 6,63 Cent pro kWh bei Anlagen mit weniger als 10 Kilowattpeak (kWp). Doch aufgepasst: Die Einspeisevergütung ist die vergangenen Jahre kontinuierlich gesunken. Im Jahr 2000 betrug sie noch 50 Cent pro kWh. Je mehr PV-Anlagen in Deutschland in Betrieb gehen, desto weniger gibt es für den einzelnen Betreiber. Wer also mit dem Gedanken spielt, sich eine PV-Anlage anzuschaffen, profitiert von einem möglichst schnellen Umstieg – sollte aber eine langfristige Perspektive haben.

Denn es hat sich gerade eine Kleinigkeit geändert: Das von Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) jüngst eingebrachte „Osterpaket“ enthält ein großes Bündel an Einzelmaßnahmen für die Photovoltaik. Diese sehen neben einer „auskömmlichen Förderung“ für PV-Dachanlagen auch ein Aussetzen der soeben beschriebenen Vergütungsdegression bis Anfang 2024 vor. Für sogenannte „Volleinspeiser“, als PV-Betreiber, die ihre produzierte Energie komplett ins Netz einspeisen, soll die Einspeisevergütung sogar steigen. Allerdings lohnt sich eine Volleinspeisung im Hinblick auf die Anschaffungskosten nur für Großanlagen und nicht für kleine Privathaushalte.

Apropos Anschaffungskosten: Diese müssen vor einem Wechsel natürlich mit einkalkuliert werden. Sie richten sich nach ihrer jeweiligen Leistung, gemessen in kWp. 1000 Watt Nennleistung entsprechen 1 kWp, und 1 kWp entspricht wiederum vier bis sechs Modulen, die eine Dachfläche von bis zu zehn Quadratmetern einnehmen. Die Experten des Baufinanzierers Dr. Klein rechnen vor: Soll die Anlage den Eigenbedarf einer vierköpfigen Familie decken, müssen Eigentümer mit einer PV-Leistung von etwa 4 kWp beziehungsweise 4.000 kWh kalkulieren, und dementsprechend mit Anschaffungskosten zwischen 15.000 und 20.000 Euro rechnen. Diese beinhalten Module, Speicher, Wechselrichter, Installation sowie Inbetriebnahme. Hinzu kommen dann noch jährliche Kosten für Versicherung, Wartung und Reinigung – zirka 1,5 bis 2 Prozent der Anschaffungskosten. Summa summarum amortisiert sich eine solche Anlage laut dem Baufinanzierer in 10 bis 15 Jahren.

Wer sich diese Investition leistet, profitiert langfristig von deutlich niedrigeren Stromkosten. Denn zweierlei scheint gewiss: Die Strompreise dürften weiter steigen, genauso wie unser Stromverbrauch.

Übrigens: Auch wenn im normalen Sprachgebrauch Photovoltaik, Solarthermie und Solaranlage synonym verwendet werden, beschreiben die drei Begriffe unterschiedliche Dinge. Solaranlage steht übergeordnet für sämtliche Nutzungsformen von Sonnenenergie. Der Hauptunterschied zwischen Solarthermie und Photovoltaik: Erstere erzeugt Wärme, Letztere produziert Strom. Während also PV-Anlagen alle Geräte im Haushalt und auch ein Elektroauto mit Strom versorgen können, dient die Solarthermie vor allem der Warmwasseraufbereitung.


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