Aktien Solaraktien: Nicht nur sonnige Aussichten

Solarpaddel: Lohnen sich Solaraktien für Anleger 
Solarpaddel: Lohnen sich Solaraktien für Anleger 
© IMAGO / blickwinkel
Die Solarbranche könnte einen neuen Aufschwung erfahren, wenn die Welt sich schneller von fossilen Energieträgern lösen will. Die Industrie kämpft allerdings gegen Lieferengpässe, Rohstoffmangel und manch politischen Wankelmut.

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine entfaltet immer mehr seine Wirkung auf die Finanzmärkte – offensichtliche und weniger nahelegende. So steigt angesichts der unklaren Zukunft um die Rohstoffversorgung aus Russland der Ölpreis massiv an. Zugleich könnte die Invasion eine Branche zu neuem Wachstum führen, die zuletzt mit Kursverlusten und einem gewissen Bedeutungsverlust zu kämpfen hatte: die deutsche Solarindustrie.

Tatsächlich will die neue Bundesregierung den Ökostrom-Ausbau mit Hochdruck vorantreiben. Geplant ist neuerdings eine Vollversorgung mit Strom aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2035. Setzt die Regierung alle ihre Ziele wie geplant um, dann kann das nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW) den Photovoltaik-Markt in Deutschland in den kommenden zwei bis drei Jahren mindestens verdoppeln – und in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts sogar verdrei-, bis vervierfachen. „Entscheidend ist jedoch, dass diese Ziele jetzt auch schnell mit den richtigen politischen Maßnahmen zur Verbesserung der Förderkulisse und zum Abbau bürokratischer Hemmnisse unterfüttert werden“, sagt BSW-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. Dazu müssten bei der anstehenden Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes beispielsweise die Erwartungen potenzieller Investoren im Photovoltaik-Markt berücksichtigt werden. Wie dieses neue Gesetz genau aussehen soll, das sei derzeit aber noch unklar.

Solaraktien sind keine Selbstläufer

Klar ist dagegen, dass die aktuelle Debatte um die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen den Ehrgeiz der Staaten beim Aufbau einer Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen beflügeln dürfte – zumal zu den Umweltzielen nun auch noch sicherheitspolitische Interessen treten, manche gar von einer Freiheitsdividende einer autarken Energieversorgung sprechen. „Nicht nur die Bundesregierung, sondern auch viele andere Staaten dürften unter dem Eindruck der Zuspitzung der Klimakrise und nun auch noch der Ukraine-Russland-Krise kurzfristige Maßnahmen zur Beschleunigung der Solarisierung auflegen“, sagt BSW-Geschäftsführer Körnig: „Teils könnten diese noch in diesem Jahr greifen.“

Das ist für Modulhersteller, Solarpark-Betreiber und andere Marktteilnehmer in dem Segment eine gute Nachricht – zumal zuletzt Lieferengpässe und Preissteigerungen von Zuliefererteilen infolge der Coronapandemie die Zahlen der börsennotierten Unternehmen teils verhagelt hatten. Sollten sich die Lieferschwierigkeiten auflösen, könnten sie nun zu den Profiteuren der aktuellen Krise werden und Kursverluste wettmachen.

Für Anleger wichtig: Solaraktien sind keine Selbstläufer. Der Wettbewerb ist groß, der Preisverfall war in den vergangenen Jahren stark, die Margen schrumpften und viele kleinere Anbieter haben nicht überlebt. Nun aber könnte an der Börse eine neue sonnige Ära beginnen – wenn der politische Wille da ist und die Rohstofflieferungen wieder besser funktionieren.

Lieferengpässe machen SMA Solar zu schaffen 

Inwieweit deutsche Anbieter in diesem Markt künftig eine Rolle spielen, ist schwer zu sagen, denn die heimischen Produzenten wurden in den vergangenen Jahren weitgehend von Produzenten aus Ländern wie China, Malaysia, Südkorea oder auch den USA verdrängt. Eines der wenigen verbliebenen hiesigen Unternehmen mit nennenswertem Weltmarktanteil ist SMA Solar Technology, ein Hersteller von Wechselrichtern, die den in Solarmodulen erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom verwandeln. Der Anbieter hat die Konsolidierung am heimischen Solarmarkt anders als viele Wettbewerber überlebt. Vor wenigen tagen meldete das Unternehmen allerdings Ergebnisprognosen weit unterhalb dessen, was Analysten erwartet hatten. Offenbar bremsen Lieferengpässe das Unternehmen immer noch aus, denn die Auftragseingänge sieht man als sehr gut an. Die Aktie war zuletzt starken Schwankungen unterworfen, und Analysten erwarten nicht, dass sich das so schnell ändert.

Optimistischer sind die aktuellen Prognosen für den Spezialchemiekonzern Wacker Chemie, der ich in den vergangenen Jahren auf die Fertigung von Silikon- und Siliziumprodukten konzentriert hat. Zwar belasten steigende Energiekosten das Geschäft, andererseits könnte ein Boom der Erneuerbaren eben auch die Bücher füllen. Aktuell notiert die Aktie des deutschen Solarenergie-Zulieferers bei etwa 135 Euro. Die Schweizer UBS empfiehlt den Titel mit einem Kursziel bei 190 Euro zum Kauf.

Der größte US-amerikanische Hersteller von Photovoltaik-Anlagen, First Solar, hat ähnlich wie die deutschen Produzenten unter dem Kostendruck aus Asien zu leiden – ihm springt allerdings die US-regierung bei, die hohe Importzölle erhebt, um die heimische Industrie zu stützen. Auf der anderen Seite wird in den USA das ursprünglich mal 3,5 Billionen US-Dollar schwere Sozial- und Klimapaket von Präsident Joe Biden immer mehr zusammengestrichen. Noch ist keine Einigung im Senat da, und das Volumen schrumpft und schrumpft. Ob der Krieg der Russen hier ein Umdenken herbeiführt, ist offen – und wird maßgeblich über den weiteren Kursverlauf von First Solar mitentscheiden. 

Wer auf ein beschleunigtes Ende des Öl- und Gaszeitalters und einen Solarzellenboom setzt, wird in Nordamerika auch im US-Nachbarstaat Kanada fündig. Dort sitzt mit Canadian Solar ein weiteres Branchen-Schwergewicht, das dem chinesischen Weltmarktführer Jinko Solar bis heute die Stirn bietet, auch weil das Unternehmen seine Module ebenfalls weitgehend in China fertigt. Firmengründer und Großaktionär Shawn Qu ist zudem selbst gebürtiger Chinese und kam einst als Student nach Kanada. Nun macht er von dort aus den eigenen Landesleuten die größte Konkurrenz.


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