ImmobilienausblickSo wird das Immobilienjahr 2021

Neubauviertel in Potsdamimago images / F. Anthea Schaap

Die gute Nachricht: Wer überlegt, sich ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen, wird auch im kommenden Jahr voraussichtlich kaum Zinsen fürs Darlehen zahlen müssen. Der Baufinanzierungsvermittler Interhyp hat zum Jahresausklang zehn Kreditinstitute in Deutschland gefragt, mit welcher Entwicklung sie bei den Bauzinsen rechnen. Das Ergebnis: Die Mehrheit geht davon aus, dass die Notenbanken auch im Jahr 2021 die Konjunktur stützen werden. In der Folge dürften die Kapitalmarktrenditen bis auf Weiteres niedrig bleiben – und damit auch die Bauzinsen. „Wir rechnen 2021 weiter mit günstigen Zinsen, mit einem Trend zum leichten Anstieg im Jahresverlauf“, sagt Mirjam Mohr, Vorständin für das Privatkundengeschäft bei Interhyp.

Die schlechte Nachricht offenbart sich beim Blick auf die Immobilienpreise. Marktbeobachter hatten spekuliert, dass die Hausse an den Immobilienmärkten im Zuge der Coronakrise enden könnte. Anzeichen dafür gab es zuhauf: Kurzarbeit, Stellenstreichungen, wachsende Angst vor Investitionen angesichts einer ungewissen Zukunft. Dennoch setzte sich der Höhenflug der Immobilienpreise fort – zum Leidwesen vieler Kaufinteressenten und potenzieller Bauherren. Auch für das neue Jahr rechnen Experten mit weiter steigenden Preisen. „Vor allem in Ballungsgebieten und wirtschaftlich grundsätzlich prosperierenden Regionen müssen Käufer und Bauherren auch 2021 damit rechnen, dass Immobilien teurer werden“, sagt Michael Neumann, Vorstand beim Finanzdienstleister Dr. Klein.

Häuser in Randlage werden beliebter

Immerhin: Zumindest in Großstädten könnte sich die Ära der extremen Preissteigerungen dem Ende zuneigen. Denn die Pandemie hat die Peripherie für Millionen Deutsche zur echten Alternative gemacht. „Wer auch nach Corona die Möglichkeit hat, vermehrt im Homeoffice zu arbeiten, wird weitere Wege zur Arbeitsstätte in Kauf nehmen – und kann sich aufgrund geringerer Immobilienpreise im Umland eine größere Immobilie leisten oder ein Haus mit Grundstück“, erklärt Neumann. Bereits lasse sich beobachten, dass die Preise für Häuser und Wohnungen in den Randlagen und sogenannten B-Städten anziehen. 2021 dürfte sich dieser Trend fortsetzen.

Privatanleger, die in Wertpapiere aus der Immobilienbranche investieren, sollten berücksichtigen, dass die Pandemie einige Marktsegmente stärker in Mitleidenschaft gezogen hat als andere. Zu den Verlierern gehören in erster Linie Gewerbeimmobilien. Büros hat die Krise dabei noch am wenigsten geschadet. Marktbeobachter gehen zwar davon aus, dass Büroarbeiter auch nach der Coronakrise ein bis zwei Tage die Woche vom heimischen Schreibtisch aus arbeiten werden. Trotzdem wird das Büro die Pandemie überdauern. „Ein Mehr an Homeoffice oder Remote Working geht nicht zwangsläufig mit weniger benötigten Quadratmetern einher“, heißt es in einer Analyse des Immobiliendienstleisters JLL. Für das neue Jahr gehen die Experten davon aus, dass die Büromieten in den sieben größten Metropolen Deutschlands um 2,6 Prozent anziehen werden.

Andere Immobiliensektoren stärker betroffen von Pandemie

Für Hotel- und Einzelhandelsimmobilien sind die Prognosen weniger günstig. „Insbesondere die Reisebeschränkungen und die jüngsten Lockdown-Maßnahmen setzen den Unternehmen dieser Sektoren deutlich zu“, sagt Helge Scheunemann, Research-Chef bei JLL Germany. Der Bund hat großzügige Finanzhilfen in die Wege geleitet, doch ob sie genügen werden, um eine Pleitewelle im kommenden Jahr zu verhindern, ist fraglich. Mittelfristig stünden 50.000 Läden vor dem Aus, warnt der Handelsverband HDE.

Wenn Hotels die Gäste fehlen und Einzelhändler weniger verdienen oder sogar Insolvenz anmelden, dann wanken nicht nur die Mieten, auch der Wert der Immobilien sinkt. Eine Pleitewelle hätte daher auch Folgen für Fonds, die in Hotel- und Einzelhandelsimmobilien investieren. Die Ratingagentur Scope hat bereits im Juni zwölf offene Immobilienfonds herabgestuft, darunter die drei größten der Branche. Der Deka Immobilien Europa, der Hausinvest von Commerzreal sowie der UniImmo Europa sackten um je eine Note ab.

Auf der Gewinnerseite stehen Logistikimmobilien: Sie profitieren von der massiven Zunahme des Onlinehandels. Die Spitzenmieten für Lagerflächen ab 5.000 Quadratmetern blieben im Corona-Jahr 2020 in allen Regionen stabil, berichtet JLL-Experte Scheunemann. Im Jahr 2021 könnten sie sogar leicht anziehen.

 


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