ImmobilienSo wird das Haus für Rentner nicht zur Last

Rund zwei Drittel der Deutschen halten das Eigenheim für eine gute Altersvorsorge.
Rund zwei Drittel der Deutschen halten das Eigenheim für eine gute Altersvorsorge. Pixabay

Keine Mietkosten, volle Gestaltungsfreiheit und etwas zum Vererben an die Kinder. Ein Eigenheim hat viele Vorteile. Rund zwei Drittel der Deutschen halten die selbstgenutzte Immobilie für eine sichere Altersvorsorge. Das haben die Landesbausparkassen mit Marktforschern im Kantar-TNS-Trendindikator 2018 ermittelt. Damit das eigene Haus im Rentenalter nicht zur Last wird, müssen Immobilienbesitzer aber von Anfang an die richtigen Weichen stellen.

20 bis 30 Prozent Eigenkapital

Die meisten Fehler können sie bei der Finanzierung machen. Die derzeitigen Niedrigzinsen lassen Kredite vergleichsweise günstig und das Eigenheim als Altersvorsorge noch attraktiver erscheinen. Zumindest verschulden sich die Häuslebauer immer mehr. Im Mai 2018 finanzierten sie im Durchschnitt etwa 81 Prozent der Immobilienkosten mit Hilfe der Bank. In diesem Jahr sind es bereits 84 Prozent, hat der Finanzberater Dr. Klein im Trendindikator Baufinanzierung ermittelt. Das Eigenkapital macht demnach nur noch rund 16 Prozent aus – zu wenig, findet Ralf Scherling. „Beim Hausbau sollten 20 bis 30 Prozent der Kosten über das Eigenkapital gedeckt sein“, empfiehlt der Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. Das mache den Kredit preiswerter und ermögliche eine schnellere Rückzahlung. Zum Renteneintritt sollte das Thema erledigt sein. Je älter der Häuslebauer ist, umso höher muss auch die Tilgungsrate sein. Wer den Kredit erst im Alter von 35 Jahren aufnimmt, muss oft Tilgungsraten in Höhe von drei Prozent und mehr in Kauf nehmen, rechnet Scherfling vor.

Wie viel ein Kreditnehmer tilgen kann, hängt auch von anderen monatlichen Ausgaben wie Handyverträgen oder den Kosten für Hobbys ab. Wer die Rate zu hoch ansetzt, für den kann es finanziell schnell eng werden. „Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld sollten nicht fest eingeplant werden“, sagt Verbraucherschützer Scherfling. Bankkunden sollten sich stattdessen lieber das Recht auf Sondertilgungen sichern. Wer das Weihnachtsgeld oder eine Erbschaft gerade nicht anderweitig benötigt, kann solche Überschüsse dann immer noch nutzen, um den Kredit schneller abzuzahlen.

Vorsorge für das Haus

Ein weiterer Knackpunkt beim Darlehen ist die Zinsbindung. Diese sichert Kreditnehmern auf mehrere Jahre einen vereinbarten Zins zu. „Wer auf eine kurze Zinsbindung von fünf oder zehn Jahren setzt, schließt quasi eine Wette darauf ab, dass die Zinsen so niedrig bleiben“, sagt Verbraucherschützer Scherfling. Endet die Laufzeit, kann die Bank die Zinsen anheben, und die ganze Kalkulation verändert sich. Es wird womöglich schwerer, den Kredit rechtzeitig vor Renteneintritt abzubezahlen. Eine lange Zinsbindung kostet allerdings von Anfang an Extra-Gebühren.

Immobilienbesitzer sollten auch Reserven für Renovierungen und Umbauten haben. Das Dach wird undicht oder die Fassade rissig. Kaum ein Rentner hat genug Geld für große Reparaturen, wie eine Befragung der Deutschen Leibrenten Grundbesitz aus dem Jahr 2016 zeigt. Rund 34 Prozent der Immobilieneigentümer ab 69 Jahren haben nach eigenen Angaben außer ihrem Eigenheim „kein nennenswertes Vermögen“. Jeder Vierte hat sein Haus oder die Wohnung noch gar nicht abbezahlt. Aus der Altersvorsorge wird dann leicht eine zusätzliche Belastung. Damit das nicht passiert, sollten Häuslebauer frühzeitig Geld beiseitelegen: „Bei Neubauten raten wir von der Verbraucherzentrale dazu, jeden Monat mindestens einen Euro pro Quadratmeter Wohnfläche zurückzulegen“, sagt Finanzexperte Scherfling. Wer also für das Haus vorsorgt, hat es in der Rente selbst leichter.