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Immobilien So gelingt die häusliche Energiewende

Ein Mann kleidet einen Dachstuhl mit einer Innenraumdämmung aus.
Auf die Hülle kommt es an: Mit einer Innenraumdämmung lässt sich viel Energie sparen
© picture alliance / photothek | Thomas Trutschel
Hausbesitzer können mit dem richtigen Know-how und ein wenig Kreativität ein klimafreundliches Zuhause schaffen. Das schont die Umwelt, fördert die Wohngesundheit und braucht kein großes Budget. Ein komprimierter Überblick über die Möglichkeiten, die es gibt

Photovoltaik wird immer beliebter: Nach Angaben des Bundesverband Solarwirtschaft ist die Nachfrage nach Photovoltaik-Heimspeichern im vergangenen Jahr um 60 Prozent gestiegen. Dieses Jahr soll der Markt nochmal deutlich anwachsen. Das hat verschiedene Gründe: Zum einen steigen die gesetzlichen und regulatorischen Auflagen. In Baden-Württemberg muss seit dem 1. Mai 2022 bei neugebauten Häusern eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert werden. Berlin und Hamburg ziehen 2023 nach, weitere Bundesländer dürften folgen. Zum andern setzen immer mehr Eigentümer auf erneuerbare Energien, um den steigenden Gaspreisen zu entkommen. Denn ökologische Bauweisen sind nicht nur umweltfreundlich, sondern auch gesund für den eigenen Geldbeutel.

Luft nach oben gibt es auf dem deutschen Immobilienmarkt dennoch reichlich: „Es gibt viel mehr Bestandsobjekte, die energetisch noch in der Vergangenheit leben“, sagt Björn Pätzold, Experte für Nachhaltigkeit und Baufinanzierung bei Dr. Klein in Mettmann. Wer sein Haus klimafreundlich aufrüsten möchte, hat viele Möglichkeiten, denn ökologisches Bauen umfasst alle Teile eines Gebäudes. Die Palette reicht von ressourcenschonenden Baumaterialien wie dem Allrounder Holz, Lehm, Stroh und Zellulose über Solarpanels an den Wänden bis zur Außenbegrünung der Fassade und nachhaltigen Bewässerungstechniken. Dafür gibt es auch finanzielle Unterstützung: Neben dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) und der KfW-Bank stellen auch die einzelnen Bundesländer entsprechende Fördermittel, Zuschüsse und Kredite für nachhaltige Modernisierungen zur Verfügung. „Auch Einzelmaßnahmen werden gefördert“, so Pätzold.

Wer die nachhaltigen Umbaumaßnahmen in kleinen Schritten angehen möchte, startet mit Heizung, Dämmung und Fenstern. Denn hier besteht das größte Einsparpotenzial. Besonders häufig tauschen Eigentümer alte Heizsysteme aus, die auf Öl und Gas setzen und in Neubauten schon bald gar nicht mehr eingebaut werden dürfen. Ökologische Alternativen sind die Solarthermie oder Pellets genauso wie Erd- und Luftwärmepumpen. Um hier die richtige Wahl zu treffen, lohnt sich der Gang zum Energieberater. Dieser wägt nicht nur die verschiedenen Varianten, ihre Umsetzbarkeit und mögliche Kombinationen ab. Der Experte zeigt im Idealfall auch weitere Maßnahmen auf, um das Optimum an Nachhaltigkeit aus den eigenen vier Wänden rauszuholen.

Zahlreiche ökologische und kostengünstige Dämmstoff-Alternativen

Dabei spielt die Wärmedämmung eine zentrale Rolle. Mit ihr lassen sich Heizkosten nochmal weiter senken: „Die Haushülle ist das wichtigste“, sagt Nachhaltigkeitsexperte Pätzold. „Und eine klimafreundliche Dämmung beim Dach oder der Kellerdecke kann man schon mit wenig Geld realisieren.“ Hierfür stehen zahlreiche ökologische und kostengünstige Dämmstoff-Alternativen zum gängigen Styropor zur Auswahl: Holzfaser, Hanf, Jute, Schilf, Zellulose, Kork, Blähton, Flachs, Hanf, Kokosfaser, Perlite, sowie Wiesen-, See- und Napier-Gras. Viele dieser Materialien sind zudem resistent gegen Schimmel und Schädlinge und bieten einen guten Schallschutz. Eine weitere grüne Option bieten Zellstoffverbundelemente. Dabei handelt es sich um formsteife Dämmplatten aus spezieller Wellpappe, die mit Festigkeit und guter Wärmedämmeigenschaften überzeugen.

Bei den Fenstern bietet sich schließlich eine Dreifachverglasungen oder Wärmeschutzglas an, sowie Rahmen aus Holz und Aluminium anstatt aus Kunststoff. Wer noch eins obendrauf setzten möchte, macht sich an die Dachdeckung. Die günstigste grüne Lösung sind Ziegel aus natürlichem Ton, die sich zudem gut recyceln lassen. Alternativen dazu sind Schiefer, Holzschindeln, Reet, Aluminium und Solarkollektoren.

Auch beim Innenbereich der Immobilie, ihrer Ausstattung und Einrichtung, lässt sich einiges klimafreundlicher gestalten: So können Häuslebauer bei einem Ausbau statt Gips- auf Lehm- oder Strohbauplatten setzen oder bei einer Erneuerung der Bodenbeläge Parkett aus Holz, Kork, Linoleum oder Massivholdielen verwenden. Und beim Streichen eigenen sich vor allem Naturfarben auf Pflanzenbasis, die ohne problematische Inhaltsstoffe auskommen.

Fakt ist: Wer seine vier Wände klimafreundlich gestaltet, schont die Umwelt und denkt zukunftsorientiert. Die ökologischen Alternativen rechnen sich zudem langfristig, weil sie Energie sparen. Und wer seine klimafitte Immobilie vermieten oder einmal weiterverkaufen möchte, erzielt dank des Nachhaltigkeitstrends höhere Verkaufspreise.



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