ImmobilienLage der Nation – Sylt

Immobilien-Kompass Karte Sylt
Immobilien-Kompass-Karte Sylt

Diese neue Rubrik analysiert für Sie besondere Viertel, Kommunen und unentdeckte Ecken. Sämtliche Miet- und Kaufpreise, Renditen sowie Lagequalitäten für alle deutschen Städte und Kommunen finden Sie – laufend aktualisiert – unter immobilien-kompass.capital.de. Hier geht es direkt zur interaktiven Karte von Sylt 


Die Gentrifizierung Sylts ist kein ganz neues Phänomen. Schon 1988 befanden die Ärzte in ihrem Song „Westerland“: „Es ist zwar etwas teurer, dafür ist man unter sich.“

Vielen Insulanern kam das Jetset-Image, zu dem Promis wie Gunter Sachs, Axel Springer oder Persiens Ex-Kaiserin Soraya ihrer Heimat verholfen hatten, lange Zeit zupass. Je mehr Touristen, desto besser das Geschäft. Mittlerweile hat sich die Stimmung gedreht – und das liegt nicht zuletzt an den Preisen für Wohnraum, um den die Einheimischen mit zahlungskräftigen Feriengästen konkurrieren.

In der Gemeinde Sylt, zu der sich Westerland, Sylt-Ost und Rantum 2009 zusammengeschlossen haben, kosten Wohnungen im Schnitt zwischen 6720 Euro (Bestand) und 9329 Euro (Neubau) pro Quadratmeter, für Häuser werden 7627 Euro beziehungsweise 11.785 fällig – für Normalverdiener ist das kaum erschwinglich. Besonders gravierend ist der Preisanstieg bei Neubauten: Sie haben sich in den vergangenen fünf Jahren um 45 Prozent verteuert.

Die Politik greift ein

Politik und Verwaltung steuern nun gegen. Für ein Gebiet im Ortsteil Morsum wurde jetzt ein Bebauungsplan vorgestellt, demzufolge in Gebäuden nach wesentlichen Umbauten in der Regel 40 Prozent der Geschossfläche für Dauerwohnungen verwendet werden müssen. Eine Festlegung, die so ähnlich bereits auf den Nachbarinseln Amrum und Föhr gilt – und künftig bei Bebauungsplänen auf ganz Sylt greifen soll.

„Kalte Enteignung durch die Hintertür des Baurechts“, beklagen manche Hauseigentümer. Inselbaumeister Martin Seemann hält dagegen: „Dauerwohnungen sollen abgesichert und Rollladensiedlungen verhindert werden“, sagt der Chef der Bauverwaltung.

Sogar in Berlin sind die Nordseeinseln derzeit Thema: Der Bundesrat hat die Bundesregierung aufgefordert, Schlupflöcher im Baugesetzbuch zu schließen, die eine Umwandlung von Dauerwohnungen in Ferienapartments ermöglichen. Bundesbauministerin Barbara Hendricks hat bereits ihre Unterstützung signalisiert.

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