ImmobilienLage der Nation – Berlin-Neukölln

Immobilien-Kompass Berlin-Neukölln
Immobilien-Kompass Berlin-Neukölln:

Diese neue Rubrik analysiert für Sie besondere Viertel, Kommunen und unentdeckte Ecken. Sämtliche Miet- und Kaufpreise, Renditen sowie Lagequalitäten für alle deutschen Städte und Kommunen finden Sie – laufend aktualisiert – unter immobilien-kompass.capital.de. Hier geht es direkt zur interaktiven Karte von Berlin-Neukölln


Neukölln mit seinen 167.000 Einwohnern ist die Hauptkampfzone von  Gentrifizierungsgegnern aus ganz Deutschland. Zahlen des iib Dr. Hettenbach Instituts liefern ihnen jede Menge Munition: In den vergangenen fünf Jahren kletterten die Nettokaltmieten für Bestandswohnungen in dem Berliner Stadtteil um 62,3 Prozent. Mit 9,76 Euro liegt der Mietzins pro Quadratmeter nur knapp unter der symbolhaften 10-Euro-Marke.

Der Beliebtheit des Viertels tut das keinen Abbruch. Gerade einmal 15 Tage steht eine Annonce auf den großen Immobilienportalen, dann ist die Wohnung weg. Kaum weniger dramatisch ist die Lage in Kreuzberg (Quadratmeter zu 10,65 Euro) und im Wedding (8,38 Euro), wo die Mieten seit 2010 um fast 50 Prozent zulegten.

Grundlagen der Mietpreisbremse sind fragil

Ob der Berliner Senat mit Einführung der Mietpreisbremse zum 1. Juni zur Entspannung beiträgt, ist fraglich. Zwar dürfen Wohnungsbesitzer seither bei der Neuvermietung von Bestandsobjekten maximal zehn Prozent mehr fordern, als es ortsüblich ist. Der Eigentümerverband Haus & Grund Berlin hat seine Mitglieder jedoch dazu aufgerufen, die neue Regelung zu boykottieren. Der Dachverband hat gar angekündigt, in Karlsruhe Verfassungsbeschwerde einzulegen.

Die Grundlagen der Mietpreisbremse sind fragil: Das Amtsgericht Charlottenburg erklärte im Mai den Mietspiegel 2013 für „nicht qualifiziert“, die Vermieter bezweifeln auch die Aussagekraft der aktuellen Fassung. Der Initiative „Mietenvolksentscheid“ dürfte dies weiteren Zulauf bringen. Sie kämpft für ein „Wohnraumversorgungsgesetz“.

Was bei der Aufregung übersehen wird: In manchem Randbereich Berlins ist gar kein Preisdruck zu spüren. In Lübars etwa, ganz im Norden, sind die Mieten in den vergangenen fünf Jahren um 1,6 Prozent gefallen – auf 7 Euro pro Quadratmeter. In Bohnsdorf, nahe dem Flughafen Schönefeld, kostet eine Mietwohnung mit 6,91 Euro im Schnitt 2,5 Prozent weniger. Wer nach Wannsee im äußersten Südwesten zieht, zahlt zwar 8,99 Euro – kommt damit aber sogar 5,3 Prozent günstiger weg  als 2010.