Immobilien Elementarversicherung: Schutz vor Umweltkatastrophen

Die Flutschäden im Juli waren vielerorts massiv.
Die Flutschäden im Juli waren vielerorts massiv.
© IMAGO / blickwinkel
Wetterextreme werden in Zeiten des Klimawandels immer häufiger. Immobilienbesitzer sollten ihr Eigentum daher mit einer Elementarversicherung gezielt gegen Naturkatastrophen absichern

Die Nacht auf den 15. Juli 2021 wird vielen Menschen in Deutschland noch länger im Gedächtnis bleiben. Binnen weniger Stunden wurden ganze Ortschaften durch Starkregen geflutet und viele Häuser komplett zerstört oder unbewohnbar. Nachdem der Regen vorbei war und der Schaden ersichtlich, gab es für viele Immobilienbesitzer in den überfluteten Gebieten allerdings eine weitere Hiobsbotschaft: Sie waren unzureichend versichert und bleiben auf einem Großteil der Kosten sitzen. Der Grund: es gibt keine Universalversicherung gegen Unwetterschäden und die klassische Gebäudeversicherung allein reicht nicht aus. Diese deckt zwar Grundgefahren wie Leitungswasser-, Feuer-, und Sturm- inklusive Hagelschäden ab, aber keine Schäden durch eindringendes Hochwasser.

Um sich gegen dieses Szenario zu wappnen, muss man zusätzlich eine Elementarversicherung abschließen. Sie ergänzt die Gebäudeversicherung und weitet den abgesicherten Schutz auf zusätzliche elementare Risiken aus – das heißt, Risiken, die durch Naturgefahren entstehen. Dazu zählen Starkregen, Hochwasser und Überschwemmungen, Erdbeben, Erdrutsch, Schäden aus Rückstau, Lawinen oder Schneedruck. Der Abschluss einer Elementarversicherung ist freiwillig, wird aber zunehmend wichtiger – gerade mit Hinblick auf die Klimakrise. So prognostizieren zahlreiche Wissenschaftler, dass Naturkatastrophen und Extremwetterlagen in Zukunft auch hierzulande deutlich zunehmen werden. Für Versicherer stellen sie eine Besonderheit dar: sie sind sogenannte Kumulereignisse. Das heißt, dass in der Regel viele Schäden gleichzeitig entstehen.

Preise variieren stark

In der Konsequenz brauchen Versicherer hohe Rücklagen oder teure Rückversicherungen, um diese zu regulieren. Das spiegelt sich in den Preisen für Elementarversicherungen wider – als Faustformel gilt ein Aufschlag von 50 Prozent auf die Prämie zur Wohngebäudeversicherung. Allerdings variieren die Preise stark, da bei der Tarifberechnung viele Faktoren eine Rolle spielen. Zu den wichtigsten zählt naturgemäß die Lage, denn die Versicherbarkeit eines Gebäudes richtet sich nach der jeweiligen geografischen Risikoeinstufung.

Um sie zu berechnen, wird ein Zonierungssystem für Überschwemmungsrisiko, Rückstau und Starkregen (ZÜRS) angewendet, das vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) entwickelt wurde. Es besteht aus vier Gefährdungsstufen, wobei Gefahrenklasse (GK) 1 besagt, dass ein Hochwasser-Ereignis in der Region statistisch gesehen seltener als alle 200 Jahre auftritt und GK 4, dass dies statistisch gesehen alle zehn Jahre in der betreffenden Region zu erwarten ist. Weitere Komponenten, die sich auf den Preis für eine Elementarversicherung auswirken sind der Wert eines Gebäudes, die Höhe des vereinbarten Selbstbehalts, sowie der jeweilige Anbieter.

Eigentümer können eine Elementarversicherung entweder als Ergänzung zur Wohngebäudeversicherung oder als einen Zusatz-Baustein zur Hausratversicherung abschließen. Kommt es zum Eintrittsfall, ersetzt die Versicherung Gegenstände, die durch elementare Risiken beschädigt wurden. Das umfasst auch Elektrogeräte, die in einem überfluteten Keller lagen.

Allerdings sollte man vor Abschluss ein paar Besonderheiten kennen. Denn die Ursache für einen Schaden ist immens wichtig – und es gibt feine Unterschiede. So sichert die Elementarversicherung zwar Überschwemmungs-Schäden ab, aber nur, wenn das Wasser über die Oberfläche eingedrungen ist. Tritt das Wasser hingegen unterirdisch auf, wird dies als Baumangel gewertet, der nicht abgedeckt ist. Bricht ein Hausdach unter einer Schneelast zusammen, ist der Schaden abgedeckt, sofern er eine Folge des reinen Schneefalls ist. Rutscht der Schnee allerdings von Bäumen aus auf das Dach herunter, greift die Versicherung nicht. Vom Versicherungsschutz ebenfalls ausgeschlossen sind Schäden, die durch menschliche Auswirkung entstanden sind, zum Beispiel Erdsenkungen beim Bergbau. Ebenfalls gut zu wissen: Elementarversicherungen greifen meist nicht sofort, sondern erst einige Monate nach Abschluss.

Ist ein Schadensfall eingetreten, sollten Versicherte ihn zeitnah melden und entsprechend dokumentieren. Wer nicht weiß, ob die Gebäude-, die Elementar- oder die Hausratsversicherung für die Schäden aufkommt, sollte parallel bei den unterschiedlichen Versicherern anfragen und die Situation schildern. Die Zuständigkeiten bei der Schadensregulierung sind für Laien nicht immer klar erkennbar, wie das Beispiel Sturmschäden zeigt. So hängt es vom Auslöser, Ort und der Art des Schadens ab, welche Versicherung greift.

Wie teuer Sturmschäden werden können, zeigte sich im Februar als das Sturm-Trio Ylenia, Zeynep und Antonia binnen kurzer Zeit über Deutschland zog und eine Schneise der Zerstörung und entwurzelter Bäume hinterließ. Versicherer rechnen mit Kosten von 1,6 Milliarden Euro, wobei das Gros auf Ylenia und Zeynep entfällt, die sich damit in die Liga der schadensträchtigsten Stürme einreihen. Für Inhaber einer Police, die Sturmschäden absichert, ist entscheidend, dass dieser mindestens in die Kategorie 8 fällt – also eine Windgeschwindigkeit von mindestens 62 Kilometer pro Stunde hat. Denn erst ab dieser Stärke wird ein Sturm vom Versicherer auch tatsächlich als ein Sturm klassifiziert.  


Mehr zum Thema



Neueste Artikel