ImmobilienEhe gescheitert, Haus weg?

"Ich bin geschieden. Ihr gehört die andere Hälfte", steht auf der Heckpartie eines VW-Käfersmschiffm from Pixabay

Auf dem Höhepunkt der Liebe entscheiden sich viele Paare dazu, gemeinsam ein Haus zu kaufen. Meist ist die Baufinanzierung eng kalkuliert: Die Monatsrate lässt sich nur zusammen stemmen. Die Möglichkeit einer Trennung und ihre Folgen planen nur die wenigsten Paare beim Unterzeichnen des Kaufvertrags ein. Dabei ist dieses Szenario gar nicht mal so unwahrscheinlich: Jede dritte Ehe in Deutschland scheitert. Das macht allein im vergangenen Jahr mehr als 148.000 Scheidungen.

Endet die Liebe, stehen die Ex-Partner nicht nur vor der Herausforderung, den gemeinsamen Hausrat aufzuteilen. Sie müssen auch entscheiden, was mit der Immobilie passiert. Wer darf darin wohnen bleiben? Wer bedient den Kredit? Muss derjenige, der das Haus behält, den anderen auszahlen?

Verkauf ist oft die einfachste Lösung

Die Ehe ist rechtlich eine Zugewinngemeinschaft, wenn im Ehevertrag kein anderes Modell vereinbart wurde. Das heißt erstmal: Jedem Partner gehören sämtliche Güter und Vermögenswerte, die er vor und während der Ehe erworben hat. Der Gesetzgeber schreibt für den Fall einer Scheidung allerdings einen sogenannten Zugewinnausgleich vor. Konnte ein Partner seit dem Ja-Wort ein größeres Finanzpolster aufbauen als der andere, muss er seinem Ex die Hälfte des Überschusses abgeben. Hat der Ehemann 100.000 Euro Zugewinn erzielt, stehen dem Partner also 50.000 zu.

Bei einem Haus gestaltet sich der Ausgleich jedoch schwierig, schließlich kann man es nicht einfach in der Mitte durchschneiden. „Eine gemeinsam genutzte Immobilie zu verkaufen, ist oft die einfachste Lösung nach einer Trennung, weil so kein Streit über die weitere Nutzung entbrennt“, sagt daher Jakob Cerbe, Geschäftsführer des Immobiliendienstleisters McMakler für Österreich.

Was passiert, wenn ein Partner im Haus bleiben möchte?

Ein Verkauf hat noch einen weiteren Vorteil: Er erleichtert den Ex-Partnern einen sauberen Schnitt. Mit dem Erlös können sie etwaige Verbindlichkeiten wie Immobiliendarlehen tilgen. Der übrige Gewinn lässt sich leicht untereinander aufteilen. Kompliziert wird es, wenn einer oder sogar beide Partner weiter in dem gemeinsamen Haus wohnen bleiben möchten. Will einer das Eigenheim alleine nutzen, muss er den anderen auszahlen. Die Höhe der Kompensation richtet sich nach dem Marktwert der Immobilie und berücksichtigt auch, wie viel Geld die Person bereits in das Haus investiert hat.

Kommen die Streithähne auf keinen gemeinsamen Nenner, entscheidet im Zweifel das Gericht. Dabei fließen verschiedene Faktoren in das Urteil der Richter ein. Zum Beispiel, wer die Schuld am Scheitern der Ehe trägt oder ob es Kinder gibt und bei welchem Elternteil diese künftig leben werden. „Da Kinder nicht aus ihrer gewohnten Umgebung gerissen werden sollen, erhält in der Regel diese Partei die Immobilie“, erklärt Cerbe.

Beim Kauf schon Vorsorge treffen

Anders sieht es aus, wenn nur ein Ehepartner als Eigentümer im Grundbuch eingetragen ist oder er die Immobilie geerbt hat. In diesem Fall gehört das Haus nach der Scheidung auch ihm allein. Er muss dann lediglich den Zugewinn ausgleichen, wenn das Haus oder die Wohnung seit dem Ja-Wort im Wert gestiegen ist. In der Regel darf der Eigentümer nach der Scheidung auch in der Immobilie wohnen bleiben. In Ausnahmen kann ein Gericht allerdings auch dem Nichteigentümer das Wohnrecht zusprechen. Etwa, wenn das Paar zusammen in dem Haus gewohnt hat und der Nichteigentümer nachweisen kann, dass er für sich und die von ihm betreuten Kinder keine andere bezahlbare Bleibe findet.

Die wenigsten Paare gehen im Guten auseinander – meist bleibt mindestens einer verletzt zurück. Experten raten daher, sich schon vor dem Kauf zu überlegen, was bei einer Trennung mit dem Haus oder der Wohnung geschehen soll. Das Ergebnis sollten die Liebenden am besten schriftlich festhalten. Vielen Paaren mag das zunächst unnötig erscheinen. Doch am Ende sind Absprachen, die im Guten getroffen wurden, oft die beste Lösung für alle Beteiligten.