AusblickDas Wendejahr auf dem Immobilienmarkt

Ein Immobilienmakler bietet Neubauwohnungen in München zum Kauf an
Ein Immobilienmakler bietet Neubauwohnungen in München zum Kauf andpa

Was den Umschwung gebracht hat, lässt sich so genau kaum sagen, aber fest steht: 2019 war das Jahr, in dem der deutsche Immobilienmarkt gedreht hat. Und wahrscheinlich gab es dafür nicht den einen Grund, sondern gleich ein ganzes Bündel.

„Der Abschwung hat begonnen“, sagt Ralph Henger, Ökonom beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln und Experte für den deutschen Immobilienmarkt. Viermal im Jahr befragt Henger die Inhaber und Geschäftsführer der wichtigsten Unternehmen auf dem deutschen Immobilienmarkt – Investoren und Projektentwickler –, und sein Befund in diesem Herbst war eindeutig: Dreimal in Folge fiel der von Henger errechnete Immobilienindex in diesem Jahr, ein sicheres Zeichen für den Abschwung. Und in manchen Teilmärkten sanken die Geschäftserwartungen für die nächsten zwölf Monate sogar auf den niedrigsten Stand seit Jahren. Für Wohnimmobilien liegen die Geschäftserwartungen inzwischen bei einem Wert von minus 20, nur bei Handelsimmobilien sind die Experten noch pessimistischer.

Mit dieser deutlichen Abkühlung folgt der Markt zum einen der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung: Die Konjunktur in Deutschland hat sich deutlich abgeschwächt, das schlägt auf alle Märkte durch. Hinzu kommt aber, dass insbesondere der Wohnungsmarkt in vielen großen Städten in diesem Jahr mehr und mehr zu einem Spielball politischer Debatten geworden ist. Demonstrationen gegen Investoren und steigende Mieten, eine Initiative zur Verstaatlichung des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen und zuletzt der rigide Mietendeckel in Berlin haben viele Wohnungseigentümer aufgeschreckt – und drücken auf die Stimmung.

Auf den Standort kommt es an

Ob Eingriffe wie der Berliner Mietendeckel, der ja sogar eine drastische Reduzierung von längst vereinbarten Mieten vorsieht, Bestand haben werden, werden Gerichte im Jahr 2020 hoffentlich schnell klären. Aber in jedem Fall war das Thema Wohnen noch nie so politisch wie heute. Gesellschaft und Politik führen einen fast verbitterten Kampf um Hütten und Paläste.

Für all jene, die im Jahr 2020 noch mit dem Gedanken an einen Wohnungskauf spielen – sei es zur Eigennutzung oder zur Vermietung –, bedeutet die Aufregung vor allem eines: Mehr noch als bisher sollten Käufer auf den Standort ihrer Traumimmobilie achten. Sonst könnte es tatsächlich sein, dass ihnen Politik und Konjunktur schnell einen Strich durch die Kalkulation machen.

Zwar bleiben auch in den nächsten Monaten einige Preistreiber in Kraft, die in den vergangenen zehn Jahren den deutschen Immobilienboom befeuert haben: allen voran die Geldpolitik der EZB, die die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig halten wird. Oder die Wohnungsknappheit in den Metropolen, denn keine der großen Städte hat trotz Boom auch nur annährend so viel gebaut, wie eigentlich nötig gewesen wäre. Und immer noch kommen Zuzügler in die Metropolen. So klettern die Preise weiter, wenn auch langsamer.