ErblastenDas müssen Erben von Ferienhäusern im Ausland wissen

Ferienhaus in Frankreichimago images / robertharding

Spanien

  • Das gilt: Hat jemand vor seinem Tod in Spanien gelebt, so ist auch spanisches Erbrecht anzuwenden. Es sei denn, es gibt ein Testament, in dem eindeutig steht, dass deutsches Recht angewendet werden soll.
  • So geht’s: Trotzdem fallen natürlich die Erbschaftsteuern an, und die beginnen in Spanien bei acht Prozent, reichen aber bis 80 Prozent. Vor allem für nicht eheliche Partner oder Geschwister und bei hohen Hauswerten wird es teuer. Die Freibeträge sind mit rund 16000 Euro winzig. Zudem gilt kein Doppelbesteuerungsabkommen, also zahlen die Erben in Deutschland noch einmal Steuern. Dabei wird die spanische Steuer zwar auf den deutschen Teil angerechnet, aber nur, wenn er kleiner ist (was selten der Fall ist). Auf den Kanaren können Häuser zu Lebzeiten steuerfrei an Kinder übertragen werden, allerdings fallen dann Ertragsteuern auf den Wertzuwachs an.
  • Hier müssen Sie aufpassen: Gerade das beliebte „Berliner Testament“, bei dem erst der Ehepartner alles erbt und nach dessen Tod die Kinder an der Reihe sind, kann in Spanien zu hohen Erbschaftsteuern führen. Vorsicht auch, wenn der Erbe (also der Partner) im Jahr vor dem Tod des Erb­lassers mindestens ein halbes Jahr in Spanien lebte. Dann muss er das Erbe nämlich unbeschränkt in Spanien versteuern.

Österreich

  • Das gilt: Generell wird die europäische Erb­rechtsverordnung angewendet: Lebte der Verstorbene zuletzt in Deutschland, so gilt deutsches Recht auch für die Immobilie in Österreich. Lebte er dagegen zuletzt in Österreich, so gilt dortiges Erbrecht auch für Immobilien und Besitz in Deutschland – es sei denn, er wünscht per Testament die Anwendung deutschen Erbrechts. Eine Besonderheit des österreichischen Erbrechts ist: Seit 2017 sind dort nur noch Kinder und Lebenspartner pflichtteilberechtigt. Zudem gibt es keine Erbschaft- und Schenkungsteuer mehr.
  • So geht’s: Wer in Österreich ein Haus erbt, muss es dort nicht versteuern, aber Grund­erwerbsteuer zahlen. Bis 250000 Euro sind nur 0,5 Prozent des Hauswerts fällig (also 1250 Euro), bis 400000 dann zwei Prozent (8000 Euro). Dazu kommt der Grundbuch­eintrag, der 1,1 Prozent des Verkehrswerts kostet. Hatten jedoch der Verstorbene oder der Erbe ihren Wohnsitz in Deutschland, so müssen Nachlässe oberhalb der Freibeträge trotzdem hierzulande versteuert werden.
  • Hier müssen Sie aufpassen: Auch wenn es ein Testament gibt: Wird eine Ehe in Österreich geschieden, so zählt auch automatisch das Testament nicht mehr, in dem der Ex-­Gatte begünstigt wird.

Italien

  • Das gilt: Zunächst einmal erbt man in Italien nicht automatisch, sondern nur, wenn man eine Erbschaftsmeldung bei den Behörden macht und so das Immobilienerbe annimmt. Das muss innerhalb eines Jahres geschehen.
  • So geht’s: Verschickt die Steuerbehörde dann die Bestätigung der Erbschaftsmeldung, müssen die Erben innerhalb eines Monats ­einen Antrag auf Eigentumsumschreibung stellen. Dann sind die Gebühren für die Übertragung zu entrichten – und zwar auch, wenn die Erben das Haus weiterverkaufen wollen. Das können sie nämlich erst nach der Umschreibung des Eigentums tun. Dafür müssen die allermeisten keine Steuern zahlen, denn es gilt ein Freibetrag von 1 Mio. Euro für Kinder, Enkel, Eltern und Ehegatten.
  • Hier müssen Sie aufpassen: Für Geschwister wird es schnell teuer, für sie gilt nur ein Freibetrag von 100.000 Euro. Darüber hinaus berappen sie sechs Prozent des Immobilienwerts. Zudem müssen sie die Erbschaft in Deutschland noch mal versteuern, weil es kein Doppelbesteuerungsabkommen mit Italien gibt.

Schweiz

  • Das gilt: Um ein Haus in der Schweiz zu kaufen, braucht man zwar eine Bewilligung der Behörden, doch für direkte Erben wie Kinder, Partner und Eltern oder Enkel gilt das nicht. Sie erben, auch wenn sie noch keinen Wohnsitz in der Schweiz haben. Allerdings müssen sie dann in die Schweiz ziehen – oder das ­geerbte Haus verkaufen. Immerhin gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen.
  • So geht’s: Geschwister und Lebensgefährten ohne Trauschein brauchen, wenn sie nicht in der Schweiz leben, eine Bewilligung der Behörden, um die Immobilie auf sich umschreiben zu lassen. Sie wird für zwei Jahre erteilt. Ohne Umzug in die Schweiz muss das Haus dann innerhalb dieser Zeit verkauft werden. Sonst wird zwangsversteigert.
  • Hier müssen Sie aufpassen: Es gibt noch eine Grundstücksgewinnsteuer, die für Erben teuer werden kann: Zum Zeitpunkt des Erbes wird der Wert des Grundstücks ermittelt. Wird das Haus später verkauft und ist der ­Bodenpreis gestiegen, ist der Gewinn zu ­versteuern. Das kann dann fast ein Drittel des ermittelten Zugewinns ausmachen.

Frankreich

  • Das gilt: Auf Immobilien in Frankreich ist französisches Erbrecht anzuwenden. Das lässt sich auch per Testament nicht aushebeln. Kinder und Enkel des Verstorbenen (falls sie noch leben, auch die Eltern) sind damit privilegiert gegenüber Lebens- und Ehepartnern. Gibt es Kinder, können Partner sogar vollständig enterbt werden. Nur wenn keine Nachkommen, Geschwister, Cousins oder andere sogenannte Noterben existieren, kann ein Ehegatte Alleinerbe werden.
  • So geht’s: Es gibt dennoch eine Möglichkeit, dem Ehepartner wenigstens das Bewohnen des Hauses einzuräumen, nämlich durch ein Nießbrauchsrecht aufs Gesamthaus. Damit bekommen die Kinder zwar die Eigentumsrechte (und könnten verkaufen), aber der Partner kann das Ferienhaus weiter bewohnen und die Mieten einstreichen.
  • Hier müssen Sie aufpassen: Unverheiratete können ohne Testament lediglich das Wohnrecht erhalten, wenn sie in der gemeinsamen Immobilie leben. In einem Testament kann der Erblasser dem nicht verheirateten Partner auch den frei verfügbaren Anteil übertragen. Zwar können unverheiratete Kinderlose ihrem Partner zu Lebzeiten ihre Anteile schenken – die Eltern des Verstorbenen können diese Geschenke jedoch zurückfordern.