Immobilien Ausgezeichnet: Nachhaltigkeitssiegel fürs Eigenheim

Das Skaio in Heilbronn ist mit einer Höhe von 34 Metern das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands. 2019 wurde das nachhaltige Gebäude von der DGNB mit dem Zertifikat Diamant ausgezeichnet
Das Skaio in Heilbronn ist mit einer Höhe von 34 Metern das derzeit höchste Holzhaus Deutschlands. 2019 wurde das nachhaltige Gebäude von der DGNB mit dem Zertifikat Diamant ausgezeichnet
© Arnulf Hettrich / IMAGO
Wer nachhaltig baut, kann das Ergebnis zertifizieren lassen. Umweltsiegel für Immobilien kommen zwar auch für private Bauherren in Frage, sind aber vor allem für Immobilieninvestoren interessant

Die Zwillingstürme der Deutsche-Bank-Zentrale prägen die Frankfurter Skyline. Sie haben sich mittlerweile als inoffizielles Wahrzeichen der Stadt etabliert. Tatsächlich machen die Gebäude nicht nur optisch etwas her: Von 2009 bis 2011 wurden sie saniert – es war die bis dato größte Gebäudesanierung Europas, mit einer Bruttogeschossfläche von 120.000 Quadratmetern. Im Ergebnis sank der Energiebedarf der Türme um die Hälfte, ihr Wasserverbrauch um mehr als 70 Prozent. Die CO2-Emissionen gingen um fast 90 Prozent zurück. Für ihre Bemühungen um den Klimaschutz am Bau bekam die Deutsche Bank für ihre Türme die amerikanische LEED Platinum-Zertifizierung und das deutsche DGNB-Zertifikat in Gold.

Nicht nur Unternehmen können ihre Gebäude zertifizieren lassen, sondern auch private Bauherren. Eigentümer mit einem zertifiziert nachhaltigen Haus sind im Vorteil, falls sich die Klimaziele der Politik und damit die Vorgaben für Gebäude weiter verschärfen – ein Szenario, das angesichts der Klimakrise nicht unwahrscheinlich ist. Beim Hausverkauf lässt sich mit Nachhaltigkeitszertifizierung außerdem ein höherer Preis erzielen. Allerdings sind die Siegel verhältnismäßig teuer. Bauherren sollten deshalb gut überlegen, ob sich ein Umweltsiegel für sie rechnet.

Die bekanntesten Nachhaltigkeitszertifizierungen sind das US-amerikanische und häufig bei Neubauten angewandte LEED-Siegel sowie das britische, eher auf Bestand setzende BREEAM. Für private Bauherren in Deutschland ist das Deutsche Gütesiegel Nachhaltiges Bauen (DGNB) am relevantesten. Welche Kriterien eine Immobilie dafür erfüllen muss, unterscheidet sich je nach Art des Bauprojekts.

Wie teuer ein DGNB-Siegel ist, hängt zum einen von der Art des Gebäudes ab – also ob es sich etwa um ein privates Wohnhaus handelt, ein Bürogebäude oder eine Lagerhalle. Zum anderen spielt die Grundfläche der Immobilie eine Rolle bei der Bepreisung. Bei Eigenheimen mit zwei oder weniger Etagen ohne Keller beträgt der Preis für ein Vorzertifikat, das für die Planung des Baus benötigt wird, 500 Euro für DGNB-Mitglieder und 750 Euro für Nichtmitglieder. Der Preis für die Zertifizierung eines fertigen Gebäudes liegt bei einem Haus dieser Größe bei 750 Euro für Mitglieder und 1000 Euro für Nichtmitglieder. Der Preis steigt, wenn Gebäude mehr als zwei Vollgeschosse haben. Hinzu kommen noch Kosten für den DGNB-Verantwortlichen, der das Projekt begleitet. Die DGNB gibt an, dass die Baukosten für nachhaltige Immobilien ein bis fünf Prozent höher seien als bei konventionellen Gebäuden.

Für Immobilieninvestoren haben Nachhaltigkeitszertifikate einen höheren Stellenwert als für private Bauherren. Das liegt auch am Green Deal der Europäischen Union. Der Immobiliensektor ist für rund 40 Prozent des Energieverbrauchs verantwortlich. Es muss sich also eine ganze Menge ändern, um einen Beitrag zum EU-Klimaziel leisten zu können: Bis 250 will die Europäische Union klimaneutral sein. Nachhaltigkeitszertifizierungen stellen für Anleger eine Art Gütesiegel dar, das belegt, dass eine Immobilie schon heute die Anforderungen erfüllt, die in Zukunft womöglich für alle Gebäude in der EU gelten.

Neben den deutschen Siegeln sind für Investoren vor allem die internationalen Zertifikate BREEAM und LEED wichtig. Das Akronym BREEAM steht für „Building Research Establishment Environmental Assessment Method“. Zu den wichtigsten Kriterien, die eine Immobilie erfüllen muss, um das Siegel zu bekommen, gehört neben einem niedrigen Energie- und Wasserverbrauch die Nachhaltigkeit der beim Bau verwendeten Materialien. Nach BREEAM wurden weltweit bereits über 200.000 Bauten zertifiziert. LEED steht für „Leadership in Energy and Environmental Design“ und ist das US-amerikanische Pendant zum BREEAM-Siegel. Beim LEED-Zertifikat steht im Vordergrund, wie nachhaltig das Bauen selbst vonstattengeht. Auch die verwendeten Materialien spielen eine wichtige Rolle. Bonuspunkte gibt es, wenn Bauherren besonders innovativ arbeiten.

Icon1

Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“ ? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden


Mehr zum Thema



Neueste Artikel