VersicherungenZahlen Versicherer bei Corona-Berufsunfähigkeit?

Versorgung eines Corona-Patienten auf einer Intensivstation in Duisburg: Viele Genesene leiden unter Langzeitfolgen der KrankheitIMAGO / Reichwein

Das Ausmaß an gesundheitlichen Spätfolgen einer Covid-19-Infektion lässt sich rund ein Jahr nach Ausbruch der Pandemie noch nicht abschätzen. Die bisher erfassten Fälle von „Long-Covid“ deuten aber darauf hin, dass die Pandemie durchaus ein Fall für Berufsunfähigkeitsversicherung werden kann. Betroffene stehen dann vor der Frage: Greift die Police bei dieser Infektionskrankheit überhaupt? „Covid-19 ist für Versicherer eine Erkrankung wie jede andere. Damit ist sie auch von einer Berufsunfähigkeitsversicherung abgedeckt“, beruhigt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV).

Berufsunfähig wegen Corona

„Sowohl beim Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen als auch bei der Leistungsprüfung gelten für Kunden mit einer Corona-Infektion die ganz normalen Regeln“, heißt es in einem Online-Ratgeber (Stand: 31. März 2021). „Wird ein Versicherter berufsunfähig, das heißt er kann seinen Beruf nur noch zu höchstens 50 Prozent ausüben, erhält er die vereinbarte Leistung. Das gilt selbstverständlich auch dann, wenn eine Corona-Erkrankung die Ursache für die Berufsunfähigkeit ist.“

Wer allerdings als Ex-Covid-Patient eine Versicherung erst abschließen will, muss unter Umständen mit Nachteilen rechnen. „Branchenweit ist es üblich, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen werden kann, sofern eine vorangegangene Krankheit vollständig ausgeheilt ist und sich auch aus der Behandlung der Krankheit keine negativen Auswirkungen auf die Gesundheit ergeben haben“, informiert der GDV. „Bestehen nach einer Corona-Erkrankung weiterhin gesundheitliche Einschränkungen, beispielsweise eine dauerhafte Lungenschädigung, prüfen Versicherer, ob deswegen eine erhöhte Versicherungsprämie (Risikozuschlag) notwendig ist oder auch der Versicherungsschutz eingeschränkt werden muss.“ „Je nachdem, wie schwer die Folgeerscheinungen sind, kann es auch sein, dass ein Vertragsschluss nicht möglich ist, weil das Risiko zu hoch ist“, schränkte GDV-Experte Christian Bökenheide in einem Artikel der „Apotheken-Umschau“ ein.

Covid-Patienten müssen Auskunft geben

Betroffene müssen beim Antrag natürlich stets ehrlich sein und umfassend Angaben machen. „Generell gilt bei den Gesundheitsfragebögen: Wonach gefragt wird, muss auch angegeben werden, sonst läuft man Gefahr, dass am Ende keine Leistung gewährt werden kann“, warnte Bökenheide. Dabei muss gar nicht explizit nach einer Corona-Infektion gefragt werden, gab Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in dem Artikel zu bedenken: „Versicherer fragen auch allgemein etwa nach Atemwegserkrankungen in den letzten Jahren. Und wenn sich Covid-19 bei mir in Magen-Darm-Problemen geäußert hat, muss ich diese Beschwerden auch bei der entsprechenden Frage angeben.“

Ob sich die Berufsunfähigkeit durch eine Impfung hätte verhindern lassen können, ist übrigens laut GDV nebensächlich: „Eine Impfung spielt bei der Gesundheitsprüfung in der Regel keine Rolle – egal ob es sich um eine Tetanusimpfung, eine Grippeschutzimpfung oder eben eine Impfung gegen Coronaviren handelt.“

 


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