FondsWorauf Anleger bei Themenfonds achten sollten

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Symbolbild FondsPixabay

Ist die Corona-Krise erst vorüber, wird sich zeigen, wer Gewinner ist und wer Verlierer. Heiße Anwärter auf den Verlierer-Titel sind Touristikunternehmen, Gastronomie, Hotellerie und das Event-Business. Zu den Gewinnern könnte dagegen die Healthcare-Branche zählen. Auch der Technologiesektor hat durch die Pandemie kräftigen Rückenwind bekommen. Angesichts dieser zweigeteilten Entwicklung verwundert es kaum, dass viele Anleger jetzt lieber in bestimmte Sektoren investieren, statt mit einem breit gestreuten Portfolio auch die Krisenverlierer im Depot zu haben.

Themenfonds, mit denen Anleger in einzelne Branchen oder in Trends wie den demografischen Wandel und die Digitalisierung investieren können, sind ein Wachstumsmarkt. Ende vergangenen Jahres steckten nach Angaben des Analysehauses Morningstar rund um den Globus fast 200 Mrd. US-Dollar in aktiven und passiven Themenfonds. Das entspricht zwar nur zirka einem Prozent des Geldes, das insgesamt weltweit in Fonds investiert ist. Zehn Jahre zuvor lag diese Quote aber bei gerade einmal 0,1 Prozent. „Interessanterweise ist Europa mit einem Marktanteil von 54 Prozent den USA bei Themenfonds weit voraus“, sagt Ali Masarwah, Chefredakteur von Morningstar Deutschland. Die Covid-19-Pandemie könnte das Interesse europäischer Anleger an thematischen Produkten weiter befeuern.

„Wer in einen Themenfonds investiert, geht eine Wette gegen den Markt ein“

Ali Masarwah

So beliebt Themenfonds auch sind: Im Portfolio können sie Probleme machen. Wer in einen einzelnen Sektor oder Trend investieren will, sollte einen entsprechenden Fonds wegen des hohen Klumpenrisikos höchstens als Beimischung einsetzen. Und selbst dann ist es sinnvoll, sich dessen Zusammensetzung genau anzuschauen. Das legt eine aktuelle Untersuchung von Morningstar nahe.

Die Morningstar-Experten haben untersucht, welche Themen-ETFs seit Januar gut abgeschnitten haben. Das Ergebnis: Über die Entwicklung von Technologie- und Gesundheits-Indexfonds können sich Anleger freuen. Mit Wasser-, Demografie-, Luxusgüter- und Agrar-ETFs haben sie dagegen seit Jahresbeginn Verluste gemacht. „Wer in einen Themenfonds investiert, geht eine Wette gegen den Markt ein“, warnt Masarwah. „Er spekuliert darauf, dass ein oftmals sehr spezielles Thema den Durchbruch erzielen wird und in Zukunft eine deutlich größere Bedeutung am Markt erlangt.“

Vorsicht ist bei neuen Produkten geboten

Nun sagt die Wertentwicklung weniger Monate, und dann auch noch während einer Pandemie, wenig über das langfristige Potenzial eines Fonds aus. Spannend ist aber, dass zu den Verlierern auch ein Technologie-ETF gehört: der Xtrackers Future Mobility. Hauptgrund für dessen Absturz war, dass er stark in Automobilkonzerne wie Ford und BMW investiert ist, erklärt Masarwah. Diese seien zwar weltweit führend bei der Entwicklung neuer Mobilitätssysteme, hingen aber nach wie vor stark am Geschäft mit Verbrennungsmotoren.

Xtrackers Future Mobility UCITS ETF Fonds

Xtrackers Future Mobility UCITS ETF Fonds Chart
Kursanbieter: L&S RT

Das Beispiel des Xtrackers-Fonds zeigt, dass es gar nicht so leicht ist, sinnvoll zusammengesetzte Themenfonds zu finden. Sie dürfen ihr selbstgewähltes Anlagethema nicht zu breit fassen, sonst wird die Zusammensetzung beliebig. Ist das Portfolio stark konzentriert, steigt wiederum das Verlustrisiko – ebenso wie das Risiko, dass der Fonds über kurz oder lang aufgelöst wird, weil nicht genug Anlegergeld angezogen hat. Themenfonds sollten zudem nicht nur in die gängigen Branchenvertreter investieren, die in jedem herkömmlichen breit gestreuten Anlageprodukt zu finden sind. Kaufen sie nur Aktien junger Nischenunternehmen, gehen Anleger wiederum eine riskante Wette ein.

Wer diesen Spagat wagen will, kann etwa in einen breit gestreuten Technologiefonds investieren statt in ein Produkt, das nur in einen kleinen Teilbereich der Tech-Branche investiert oder in einen Fonds, der allgemein von der Digitalisierung profitieren soll. Vorsicht ist bei neuen Produkten geboten, die noch keine Wertentwicklungshistorie aufweisen. Die Fondsindustrie findet nämlich immer neue Themen, in die es sich angeblich zu investieren lohnt, deren Erfolg dann aber oft eher mäßig ausfällt. Seit der Cannabis-Gebrauch in mehreren US-Bundesstaaten legal ist, sind zum Beispiel Cannabis-Fonds und -ETFs der letzte Schrei. Im vergangenen Jahr gaben die Aktien großer Cannabis-Produzenten allerdings deutlich nach.

 


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