GeldanlageWohin mit dem Geld in Corona-Zeiten?

Symbolbild GeldanlageGetty Images

Die Welt befindet sich im Ausnahmezustand. Während das tägliche Leben beinah stillsteht, herrscht an den Aktienmärkten Trubel. Der Blick ins Portfolio sorgt deshalb bei vielen Anlegern für Bauchschmerzen. Der deutsche Leitindex rutschte, nach einem neuen Allzeithoch im Februar bei über 13.000 Punkten, Mitte März um fast 5000 Punkte ab. Auch so gut wie alle anderen großen Indizes verzeichneten starke Verluste. Viele Anleger versetzt das in Panik – und das ist auch verständlich. Trotzdem sollten sie einen kühlen Kopf bewahren. Denn auch in der Krise ändern sich die Grundsätze für kluges Anlegen nicht.

Aus Angst heraus zu verkaufen ist nicht Teil einer besonnenen Strategie. Thomas Kohrs, Programmdirektor Financial Planning an der Frankfurt School of Finance and Management, sagt: „Panik ist ein schlechter Berater. Anleger sollten sich nicht dem Herdentrieb ergeben, sondern ruhig bleiben. Wer das schafft, geht am Ende als Gewinner aus der Krise.“ Niemand weiß, wie sich die Märkte entwickeln. Ob das Schlimmste schon vorbei ist oder doch nochmal ein Rückschlag kommt, bleibt abzuwarten. „Die Märkte sind extrem volatil, nicht erst seit der Krise“, sagt Kohrs. Durch Ereignisse wie den Brexit oder die wirtschaftlichen Auseinandersetzungen zwischen den USA und China habe die Volatilität am Markt stark zugenommen.

Diversifikation sorgt für mehr Stabilität im Portfolio

Was vor der Krise galt, das gilt unterdessen auch weiterhin. Diversifikation ist ein springender Punkt der Anlagestrategie: Wer sein Kapital auf verschiedene Produkte in unterschiedlichen Märkten verteilt, sorgt für mehr Stabilität im Portfolio. Dabei ist es sinnvoll, nicht alles auf einmal anzulegen. „Es ist empfehlenswert, zu verschiedenen Zeitpunkten immer ungefähr gleiche Beträge im Markt anzulegen, und zwar gestreut auf verschiedene Produkte,“ sagt Kohrs. Natürlich bleibt der Blick auf die Kurse dabei essenziell – bei niedrigen Kursen lohnt es sich weiterhin, etwas mehr zu kaufen, und bei hohen Kursen, etwas weniger Kapital zu investieren.

Eine weitere goldene Regel, die sich auch in Corona-Zeiten nicht ändert, ist, die Rendite vor lauter Sicherheitsstreben nicht aus den Augen zu verlieren. „Wer sein Geld einfach nur sicher parken will, der kann es auch in den Tresor legen,“ sagt Kohrs. Er lässt dann allerdings Gewinne liegen. Das gilt auch für Anleihen: Bonitätsstarke Zinspapiere mögen in Krisenzeiten verlockend scheinen. Die Zinsen sind allerdings nicht gestiegen. Durch die geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen im Zuge der Krise dürften sie sogar auf viele weitere Jahre hinaus niedrig bleiben – und sichere Anleihen damit weiterhin wenig einträglich.

„Wenn man wüsste, welchem Pharmakonzern es gelingt, ein Gegenmittel für Corona zu entwickeln, dann wäre das ein klarer Kauf“

Thomas Kohrs

Für Neueinsteiger und Anleger mit ein bisschen Extra-Kapital ist jetzt ein guter Zeitpunkt, in den Aktienmarkt zu gehen. Ob man über passive oder aktive Fonds investiert, ist eine Geschmacksfrage. „Im Zweifel schadet es nie, sich den ein oder anderen ETF ins Portfolio zu legen“, sagt Kohrs. „Vom Kauf von Einzeltiteln würde ich dagegen abraten.“ Wer trotzdem auf Einzelwerte wetten will, sollte überlegen, welche Unternehmen von der Krise profitieren. „Ein gutes Beispiel sind Telekommunikationsunternehmen“, sagt Kohrs. Oder auch Firmen aus der Gesundheitsbranche: „Wenn man wüsste, welchem Pharmakonzern es gelingt, ein Gegenmittel für Corona zu entwickeln, dann wäre das ein klarer Kauf.“

Umgekehrt gilt: Wer in seinem Portfolio Titel hat, die sich von der Corona-Krise und der anbrechenden Rezession voraussichtlich nicht mehr erholen werden, sollte darüber nachdenken, in stabileren Marktphasen das eine oder andere Papier abzustoßen. Besteht jedoch Chance auf Erholung, lohnt es sich häufig, Einzelwerten während einer schweren Phase die Stange zu halten.

 


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