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Börsenindex Wirecard bleibt trotz Insolvenzantrag vorerst im Dax

Wirecard hält seine Aktionäre in Atem
Wirecard hält seine Aktionäre in Atem
© dpa
Der drastische Kursverfall der Wirecard-Aktie in den vergangenen Tagen und der Insolvenzantrag des Unternehmens werden vor September wohl nicht zu einem Rauswurf aus dem Dax führen. Das ist insbesondere für ETF-Investoren ärgerlich

Während viele aktive Fonds inzwischen Wirecard-Aktien abgestoßen haben, werden sie nach aktuellem Stand der Dinge wohl noch bis in den September hinein in Dax-ETF enthalten sein. Der drastische Kursverlust allein rechtfertigt nach den Regularien der Deutschen Börse über die Mitgliedschaft in den Indizes der Dax-Familie (Dax, MDax, SDax, TecDax) keinen vorzeitigen Rauswurf aus dem wichtigsten Index für deutsche Aktien.

Die Zusammensetzung werde regulär das nächste Mal am 3. September überprüft, hatte ein Sprecher der Deutschen Börse am Montag auf Anfrage von Capital.de gesagt. Maßgeblich sei dann der „volumengewichtete Durchschnittspreis der letzten 20 Handelstage“ – also Umsatz mal Kurse im August. Wirksam würde der Dax-Abstieg dann erst am 21. September. Dann fliegen die Aktien auch erst auch den passiven Produkten heraus.

Infografik: Wirecard-Aktie stürzt ins Bodenlose | Statista

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Nach aktuellem Stand der Dinge wird Wirecard im September dann aber den Dax verlassen müssen. Am Montag – also vor dem Insolvenzantrag – war das Unternehmen an der Börse noch 3,19 Mrd. Euro wert, so dass bei einem aktuellen Streubesitz von rund 90 Prozent die maßgebliche Freefloat-Marktkapitalisierung 2,87 Mrd. Euro beträgt. Das entspricht einem der kleineren MDax-Werte. Zum Vergleich: Die beiden aktuell kleinsten Dax-Wert Covestro und MTU Aero Engines kommen auf eine Marktkapitalisierung des Streubesitzes von 8,8 bzw. 7,1 Mrd. Euro.

Gleich in den SDax?

Möglich ist auch, dass Wirecard direkt in den SDax durchrutscht. Dies wäre ein beispielloser Abstieg. Abhängen wird dies auch vom Handelsvolumen im August. Anfang Juni, als die Deutsche Börse zuletzt ihre Index-Rangliste veröffentlich hat, war die Wirecard-Aktie noch der viertmeiste gehandelte Wert im Dax. Ob dies im August noch der Fall sein wird, ist durchaus fraglich. Der starke Kursrutsch in den vergangenen Tagen deutet darauf hin, dass kaum Kaufwillige den Verkäufern gegenüberstehen, also eher wenig Umsatz mit den Papieren erzielt wird. Und bis August könnte sich das Interesse an dem Titel – außer bei hartgesottenen Spekulanten – sogar ganz verflüchtigt haben.

Selbst der Antrag auf Insolvenz wird an dieser Situation grundsätzlich nichts ändern. Das Regularium der Börse zu den Dax-Indizes, das am Freitag aktualisiert wurde, nennt in Abschnitt 5.1. Kriterien für einen Rauswurf. In der aktualisierten Form wurden die Regeln für den Insolvenz-Fall präzisiert, wenige Tage zuvor war dies bereits mit den Regeln zur Governance geschehen. Kurz gesagt, nur der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens genügt nicht für den sofortigen Rauswurf aus dem Dax, dieser würde dann bei der quartalsmäßigen Überprüfung erfolgen. In den Regularien heißt es: „Unternehmen, für die ein Insolvenzverfahren mangels Masse abgelehnt wird oder die sich in Liquidation befinden, werden sofort aus den entsprechenden Auswahlindizes entfernt. Die Unternehmen werden zu ihrem letzten bekannten Kurs oder zu 0,001 Euro entfernt, wenn das Wertpapier zum Zeitpunkt der Bekanntgabe nicht zum Handel verfügbar ist.“ Und weiter: „Dagegen werden Unternehmen, die einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt haben, erst im Zuge der nächsten vierteljährlichen Überprüfung der Indexzusammensetzung aus den Auswahlindizes gestrichen. Dies gilt auch nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens.“

Kriterien für einen sofortigen Ausschluss wären die freiwillige Aufgabe der Mitgliedschaft im Prime Standard der Börse (Warum sollte Wirecard dies tun?) oder eine Übernahme und in deren Folge eine drastische Reduzierung des Streubesitzes auf unter zehn Prozent. Ob sich in der gegenwärtigen Lage mit vielen offenen Fragen jedoch ein Käufer für einen Großteil der Wirecard-Aktien findet, darf man getrost bezweifeln.

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