Feindliche Übernahme Wie sich Twitter gegen das Übernahmeangebot von Elon Musk wehren kann

Für den Bau seiner Gigafactory beauftragte Tesla-Chef Elon Musk das Bauunternehmen Goldbeck
Elon Musk will Twitter übernehmen, aber das Unternehmen wehrt sich
© IMAGO / ZUMA Wire
Elon Musk will Twitter kaufen und sorgt damit für Unmut bei dessen Management. Was hinter dem feindlichen Übernahmeangebot steckt und welche Optionen die Gegenspieler haben.

Elon Musk mag ein Problem damit haben, seine überambitionierten Lieferversprechen einzuhalten. Womit der Tesla-Chef definitiv keines hat: globale mediale Aufmerksamkeit. Sein neuester Streich ist das Übernahmeangebot für den Kurznachrichtendienst Twitter. Die Plattform dient dem 50-Jährigen bereits seit geraumer Zeit als persönliches Sprachrohr. Dort bespaßt er seine 83 Millionen Follower regelmäßig mit „Memes“, schießt gegen die kalifornischen Corona-Maßnahmen und löst Börsenerdbeben aus. Das gefällt nicht jedem, schon gar nicht Twitter selbst. In der lauter werdenden Kritik verortet Musk den drohenden Verlust der Redefreiheit und schreitet zur Tat.

Seit Ende Januar dieses Jahres häuft Musk Twitter-Aktien in großem Stil an. Er hält aktuell 73,5 Millionen Anteilsscheine beziehungsweise 9,2 Prozent aller Aktien. Damit war er kurzzeitig größter Twitter-Aktionär, liegt mittlerweile allerdings wieder auf Platz zwei hinter der Vanguard Gruppe. Das reicht dem reichsten Menschen der Welt nicht. Musk will noch mehr Einfluss und für 46 Mrd. Dollar die gesamte Plattform in Cash kaufen, sie anschließend von der Börse nehmen und dann selbst den Ton angeben. Das ist selbst für ihn kein leichtes Unterfangen. 

Nach eigenen Angaben hat Musk das Geld zusammen, um eine Übernahme stemmen zu können. Aus den Unterlagen, die er bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat, geht hervor, dass er über 25,5 Mrd. Dollar an Fremdkapital von Morgan Stanley und anderen Finanzinstituten verfügt. 21 Mrd. Dollar will er selbst aufbringen, wobei unklar ist, ob er sich von Tesla-Anteilen trennen wird, um den Kauf von Twitter zu finanzieren.

Schlüssel zum Erfolg ist die Aktienmehrheit

Übernahmen gelten dann als feindlich, wenn ein Investor die Kapitalmehrheit an einem Unternehmen erwirbt, ohne dessen Vorstand oder Aufsichtsrat vorab darüber zu informieren – oder er handelt sogar gezielt gegen den Willen des Managements. Der Schlüssel zum Erfolg ist die Aktienmehrheit, die es sich zu sichern gilt. Das kann schleichend über einen längeren Zeitraum geschehen, oder der Investor wendet sich direkt an die Gesellschafter des angegriffenen Unternehmens.

Anfang April gab Musk, natürlich via Twitter, sein Übernahmeangebot bekannt: 54,20 Dollar für jede ausstehende Aktie, was einem Aufpreis von 38 Prozent auf den Kurs des Handelsvortages entsprach. Damit wird Twitter mit rund 46 Mrd. Dollar bewertet. Nehmen ausreichend viele Aktionäre das Angebot an, wird Musk ab 50 Prozent Mehrheitseigentümer von Twitter und hat damit de facto das Sagen. Darüber hinaus würde er die Möglichkeit erlangen, die verbleibenden Kleinanleger mittels eines sogenannten „Squeeze Out“ zwangsweise auszuschließen und das Unternehmen so von der Börse zu nehmen.

Erfolgreiche feindliche Übernahmen gab es etwa im Fall des US-Braukonzerns Anheuser-Busch durch den belgisch-brasilianischen Konkurrenten Inbev im Jahr 2008, oder zwei Jahre später beim deutschen Baukonzern Hochtief und dessen Angreifer ACS. Viele Börsenkonzerne sind heutzutage gut gegen derartige Übergriffe abgesichert. Bei Techunternehmen wie etwa Meta (Facebook) oder Alphabet (Google) gibt es zwei „Klassen“ von Aktien, Inhaber- und Namensaktien, welche die Stimmrechte der Gründer und des Managements maximieren und sie so vor ungewollten Übernahmen schützen.

Twitter wehrt sich

Da es Twitter an einem solchen Schutzschild fehlt, ergreift Chairman Bret Taylor zu anderen Abwehrmaßnahmen. Der erste Schlichtungsversuch bestand darin, aus dem Feind Freund werden zu lassen. Twitter bot Musk an, selbst Vorstandsmitglied zu werden. Das lehnte dieser allerdings ab, da der Maximalanteil als Vorstandsmitglied auf 14,9 Prozent beschränkt ist. Das würde Musk eine Totalübernahme unmöglich machen. Deshalb greift Twitter nun zur sogenannten Giftpille. Die Giftpille wird verabreicht, wenn ein Investor ohne Zustimmung des Vorstands mehr als 15 Prozent der ausstehenden Aktien erwirbt. Tritt der Fall ein, erhalten alle Aktionäre die Möglichkeit, neue Aktien mit einem Abschlag zu kaufen. Das verwässert den Anteil des Angreifers, verteuert dadurch immer weiter die geplante Übernahme und zwingt ihn womöglich zur Aufgabe.

Twitter stehen noch weitere Abwehrmöglichkeiten offen. So könnte der Vorstand andere Großaktionäre, „weiße Ritter“, davon überzeugen, in das Unternehmen zu investieren – siehe Vanguard. Dadurch steigen die Kurse, der ursprüngliche Aufschlag schwindet und mit ihm der Anreiz, an den Angreifer zu verkaufen. Oder aber ausreichend viele Alt-Aktionäre schließen sich zusammen, um mit einer Sperrminorität von zumindest 25 Prozent das Angebot zurückzuweisen. In einem letzten Schritt könnte der Übernahmekandidat versuchen, möglichst unattraktiv zu werden, indem er beispielsweise Schulden anhäuft. Doch Musk geht es bei seinem Übernahmeangebot zumindest angeblich nicht um Profit.

Fraglich ist ohnehin, worum es dem Star-Unternehmer wirklich geht. An der Börse zweifelt man über die Ernsthaftigkeit seines Angebots. Der Preis scheint nicht attraktiv genug, müsste laut Experten zumindest 10 Dollar pro Anteil darüber liegen. Musk hatte eingestanden, er wisse nicht, ob er „tatsächlich in der Lage sein wird, (Twitter) zu erwerben“. Sein Angebot nachbessern wolle er nicht. Doch selbst wenn er diese Schlacht verliert, die Aufmerksamkeit hat er gewonnen. 


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