AltersvorsorgeWie Ruheständler ihre Rente aufstocken können

So mancher Rentner würde gern noch ein wenig arbeiten
So mancher Rentner würde gern noch ein wenig arbeitendpa

Endlich nicht mehr arbeiten. Dieser Gedanke dürfte der Hauptgrund sein, warum sich wohl die meisten Deutschen auf die Rente freuen. Erst wenn der alltägliche Trott einsetzt, wünscht sich manch einer doch den Arbeitsplatz mit festen Aufgaben und Kollegen zurück. Andere merken erst im Ruhestand, was es bedeutet, nur noch etwas mehr als die Hälfte des letzten Nettoverdiensts aufs Konto überwiesen zu bekommen. Dann reicht das Geld plötzlich nicht mehr aus. Und so freuen sich die Deutschen zwar auf die Rente, mehr als die Hälfte hat gleichzeitig aber Angst vor Altersarmut. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der Beratungsgesellschaft Ernst & Young.

Wie viele Menschen in Deutschland wirklich von Altersarmut betroffen sind, ist Definitionssache. Klar ist: Etwa 550.000 Menschen beziehen die Grundsicherung im Alter, neun Millionen Senioren erhalten weniger als 900 Euro staatliche Rente pro Monat und gelten damit laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung als arm. Eindeutig ist auch: Die Zahl der erwerbstätigen Rentner ist im Jahr 2018 auf ein Rekordhoch gestiegen. 1,45 Millionen Rentner in Deutschland verdienen sich laut Bundesarbeitsministerium etwas dazu.

Am beliebtesten sind die sogenannten Minijobs bei den Ruheständlern. Unter den 450-Euro-Jobbern bilden Rentner mittlerweile die größte Gruppe, zeigen Zahlen der Bundeagentur für Arbeit. Ein Minijob hat für Rentner einen oft übersehenen Vorteil: Der geringe Verdienst ist zwar eigentlich nicht versicherungspflichtig, Rentner können aber freiwillig Beiträge zur Rentenversicherung zahlen und damit doppelt verdienen, wenn auch nur auf geringem Niveau. Pro Jahr führen sie dann rund 194 Euro an die DRV ab. Nach einem Jahr als Mini-Jobber steigt ihre monatliche Rente um etwa 5 Euro.

Man muss nicht mit 67 Jahren in Rente gehen

Am effektivsten stocken Rentner ihre Bezüge auf, wenn sie den Ruhestand einfach ein paar Jahre aufschieben. Wer körperlich und geistig noch fit ist, muss nicht mit 67 Jahren in Rente gehen. Der Vorteil: Pro Monat, den der Arbeitnehmer weiterarbeitet, wächst die zukünftige monatliche Rente um 0,5 Prozent. Nach einem Jahr sind das schon sechs Prozent, nach zwei Jahren zwölf. Durch die weiterhin gezahlten Rentenbeiträge erhöht sich die Rente noch über die zwölf Prozent hinaus, ein Beispiel: Bernd H. ist Durchschnittsverdiener, hat 45 Jahre lang in die Rentenkasse eingezahlt und würde nun eine Bruttorente von rund 1490 Euro erhalten. Wenn er noch zwei Jahre arbeitet wie bisher, erwartet ihn eine Rente von etwa 1700 Euro, also nicht nur zwölf sondern 17 Prozent mehr als ursprünglich.

Grundsätzlich gibt es für Rentner keine Grenze für den Zuverdienst – außer sie sind Frührentner. Wer zum Beispiel mindestens seit 45 Jahren rentenversichert oder schwerbehindert ist, kann sich meist ein paar Jahre früher in den Ruhestand verabschieden und bekommt eine vorgezogene Altersrente. Bis zum offiziellen Rentenalter, bei den Jahrgängen 1964 und später liegt diese bei 67 Jahren, dürfen Senioren dann pro Jahr maximal 6300 Euro brutto hinzuverdienen, sonst wird ihnen die Rente entsprechendgekürzt.

Ob sich die Arbeit für das Einkommensplus lohnt, müssen Rentner selbst entscheiden. Neben dem höheren Einkommen hat ein Job im Alter aber noch weitere Vorteile, wie eine Analyse des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt: „Jeweils rund 90 Prozent der erwerbstätigen Rentner haben Spaß bei der Arbeit, brauchen den Kontakt zu anderen Menschen oder wünschen sich weiterhin eine Aufgabe.“ Vielleicht überwiegt ja auch dieser Aspekt in der persönlichen Rechnung.


In diesen Ländern beziehen Menschen am längsten Rente

Fast ein Drittel des Lebens im Ruhestand? Das ist in einigen dieser Länder Realität. Hier kommen die Pensionäre am längsten in den Genuss ihrer Rente