Scope-StudieWie Asiens Aktienmärkte gegenüber Europa und Amerika aufholen

Die asiatischen Aktienmärkte haben in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnenimago images / Westend61

Egal ob die Dickschiffe China und Indien oder die kleineren Aktienmärkte wie Korea, Indonesien und Malaysia: Die asiatischen Aktienmärkte (außerhalb Japans) gewinnen zunehmend an Bedeutung – und haben sich in diesem Jahr während des Corona-Crashs als verhältnismäßig stabil erwiesen. „Die asiatischen Volkswirtschaften übernehmen mehr und mehr die Rolle als Motor des globalen Wachstums“, heißt es in einer Studie der Ratingagentur Scope, die unter Leitung der Investmentanalystin Manquin Sun entstand. Sie schreibt weiter: „Schon jetzt entfallen kaufkraftbereinigt rund 50 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf Asien. Die wachsende ökonomische Bedeutung Asiens lässt sich auch an den Kapitalmärkten ablesen.“

Als wesentlichen Treiber für das Wachstum in der Region macht die Studie die zunehmende Urbanisierung aus. „Die Verstädterung in Asien begünstigt mit der Bündelung von Kreativität auch die Entwicklung neuer Ideen. China, das lange als Hersteller billiger Massenprodukte galt, befindet sich in vielen Bereichen der Hightechindustrie auf Augenhöhe mit den entwickelten Ländern oder ist bereits an ihnen vorbeigezogen.“ China hat bei der Zahl der Patentanmeldungen (gemessen an der Zahl der Anmeldungen pro eine Million Einwohner) inzwischen Europa und die USA hinter sich gelassen. Weit vorn liegt allerdings noch immer Südkorea.

Im laufenden Jahr hat der Aktienindex MSCI Asia (ex Japan), der die Region ohne die Industrienation Japan abbildet, 4,4 Prozent zugelegt. Zum Vergleich: Die Leitindizes für die USA (S&P 500) und Europa (Stoxx 600) haben im gleichen Zeitraum knapp vier bzw. gut 13 Prozent eingebüßt. Das Gewicht von China-Aktien im MSCI Asia (ex Japan) beträgt aktuell gut 46 Prozent. Auf Taiwan entfallen gut 14, auf Korea knapp 13 und auf Indien knapp neun Prozent.

Ganz ohne Risiko ist der Kapitalmarkt in Asien allerdings auch nicht, wenngleich Leistungsbilanzüberschüsse inzwischen vielfach Kapitalimporte überflüssig gemacht haben. Eine Kapitalflucht wird in Krisen oft als Brandbeschleuniger. Im Blick zu behalten, so die Studie sei allerdings „eine oft hohe Verschuldung der Unternehmen, speziell in China“. Schwer einzuschätzende Risiken entstünden durch die zunehmenden Spannungen zwischen der Volksrepublik und den USA. „Treiber dieser Risiken sind zum einen der immer noch schwelende Handelskonflikt und zum anderen die aggressive Rhetorik im Rahmen des anstehenden US-Wahlkampfes.

 


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Außerdem sorgt die zunehmende Konkurrenz zwischen den USA und China im Tech-Sektor für zusätzliche Reibung.“ Spannungen in der Region rufen außerdem „Chinas Hegemonialbestrebungen“ hervor. Die daraus entstehenden wirtschaftlichen und finanziellen Implikationen seien schwer abschätzbar.

Sollte sich das Wachstum in der Region aber fortsetzen, so dürfte auch die Rolle seiner Unternehmen weiter wachsen. Von den 100 weltweit größten Unternehmen kommen zwar noch immer 54 aus den USA, auf Platz zwei liegt allerdings schon jetzt mit 15 Firmen „Greater China“, worunter die Volksrepublik und Hongkong zusammengefasst werden. Es folgen Großbritannien (6), Frankreich (5) und die Schweiz (3).

Deutschland als viertgrößte Volkswirtschaft der Welt rangiert hier unter ferner liefen. Während die Bundesrepublik auf keine 500 börsennotierten Unternehmen kommt, sind es in Indien über 5000. Zugleich ist die Marktkapitalisierung aller chinesischen Aktiengesellschaften rund dreieinhalbmal so hoch wie die in Deutschland.

Probleme mit staatlicher Beteiligung

Der Studie zufolge ist Asien noch ein Paradies für aktives Fondsmanagement, weil die Märkte weniger effizient und transparent als die in den USA oder Europa sind. Der Grund: „An vielen asiatischen Aktienmärkten dominieren weiterhin lokale Investoren, oftmals relativ schlecht informierte Privatanleger.“ Lediglich der Aktienmarkt in Hongkong wird von global tätigen institutionellen Investoren bestimmt. „Ein weiterer Aspekt ist, dass viele asiatische Unternehmen noch Probleme im Hinblick auf die Corporate Governance haben oder als Staatsunternehmen Regierungsinteressen vor Aktionärsinteressen verfolgen“, heißt es in der Studie. „Gerade in China ist ein Großteil der Blue Chip- Unternehmen in Staatshand.“ Diese Probleme zu erkennen und in der Anlage zu umgehen, sei eine Chance für aktives Management im Vergleich zu passiven Strategien, welche auch die unter Aspekten einer guten Unternehmensführung (Governance) problematischen Firmen enthalte.

Trotzdem haben es auf die Region Asien (ohne Japan) ausgerichtete Fonds in ihrer Mehrheit nicht geschafft ihren Vergleichsindex zu schlagen. Auf Sicht von fünf Jahren gelang dies nur 35,5 Prozent. Zum Vergleich: Bei Aktien in Europa waren es nur 27,6 Prozent und bei nordamerikanischen Aktien sogar nur 8,1 Prozent. Für Anleger ist somit das Risiko hoch, beim Kauf eines aktiven Fonds ein teures Produkt mit unterdurchschnittlicher Wertentwicklung zu bekommen. Alternativen sind passive Indexfonds, die quasi den Vergleichsindex genau folgen, nicht mehr, aber eben auch nicht weniger.

Allerdings finden sich auch eine ganze Reihe von Aktienfonds, die zuletzt in der Region Asien ex Japan gut abgeschnitten haben. Scope hat die zehn besten daraus für Capital zusammengestellt, die Daten stammen vom 7. August. Unter den Top Ten findet sich kein Produkt einer deutschen Fondsgesellschaft. Die Fonds finden sich in der angehängten Produkttabelle.

Anleihemärkte „an Attraktivität gewonnen“

Die Studie untersucht neben den Aktien- auch die Anleihemärkte in Asien, die nach Einschätzung der Autoren „aus Anlegersicht erheblich an Attraktivität gewonnen“ haben. Im Investment Grade-Segment, also bei Anleihen mit guter Bonitätsbewertung, habe sich das Volumen in den zurückliegenden Jahren auf mehr als 700 Mrd. US-Dollar mehr als verdreifacht. Zudem bestehe die Auswahl zwischen Hartwährungsanleihen (in der Regel Dollar, teils auch in Euro, Yen oder Pfund Sterling) und besser verzinsten Lokalwährungspapieren, deren Liquidität sich weiter verbessert habe. Euro-Anleger gehen mit den Anleihen in den asiatischen Landeswährungen jedoch ein Währungsrisiko ein.

„Vorbei sind auch die Zeiten einer hohen Abhängigkeit von ausländischen Investoren“, heißt es in der Studie. So seien 77 Prozent der 2019 in Asien neu emittierten Anleihen von einheimischen Anlegern gezeichnet. „Angesichts des faktischen Nullzinses in Europa bieten asiatische Staatsanleihen attraktive Renditen bei guten Bonitätsnoten“, heißt es. „Positive Tendenzen überwiegen auch bei Corporate Bonds aus Asien.“ Die Verschuldung der Unternehmen insgesamt sei seit drei Jahren rückläufig und die Liquiditätsreserven zur Bedienung der Anleihen gestiegen. „Entsprechend niedrig sind die Ausfallraten asiatischer Unternehmenspapiere, dennoch bieten sie höhere Zinsen als beispielsweise europäische Titel.“