FondsWie Anleger auf künstliche Intelligenz setzen können

Notierung der Apple-Aktie an der Computerbörse Nasdaq
Notierung der Apple-Aktie an der Computerbörse Nasdaq dpa

Angst und Hoffnung liegen oft nah beieinander. Besonders an der Börse, das weiß jeder, der zu Höchstpreisen schon einmal darüber nachgedacht hat, in den Markt einzusteigen. So wie jetzt. Und erst recht in diesem Fall, im Fall der künstlichen Intelligenz (KI). Denn kaum ein Thema hat derart großes Potenzial, die Menschen sowohl total zu begeistern und Hoffnungen zu schüren – als auch komplett zu verängstigen. Wenn Maschinen in absehbarer Zeit in der Lage sein werden, viele richtig anspruchsvolle Aufgaben zu übernehmen, so lautet die bange Frage, dann könnten sie uns allen zwar viel Arbeit abnehmen. Aber sie würden damit auch Millionen Menschen überflüssig machen, ihre Jobs vernichten und uns in eine Welt katapultieren, die ganz anders ist, als wir es uns im Moment vorstellen können. Das ist die Furcht, die mit der künstlichen Intelligenz und den selbstdenkenden Maschinen verbunden ist. Und mehr als jeder Zweite von uns teilt sie, ergab eine Umfrage der Beratungsgesellschaft PWC.

Unberechtigt sind beide nicht – weder die Angst noch die Hoffnung. Zukunftsforscher sagen heute schon, dass die Welt sich innerhalb der kommenden 20 oder 30 Jahre stärker verändern wird, als sie es in den 300 Jahren zuvor getan hat. Selbstfahrende Autos, fliegende Taxis, redende Roboter, die lernfähiger sind als viele Kinder. All das gibt es bereits. Maschinen statt Ärzten werden uns bald behandeln und aus wenigen Symptomen die korrekten Krankheiten ermitteln. Datenbanken statt Anwälten werden die Urteile der letzten Jahre durchforsten und beschließen, mit welchen davon sich unser Fall gewinnen ließe. Roboter legen anhand von Aktienmarktsimulationen schon heute besser Geld an als die meisten professionellen Geldverwalter. All das mag man gruselig finden, man kann es aber auch einfach Fortschritt nennen. Und abwarten, ob die Prognose von der rundum-roboterisierten Welt wirklich eintritt.

Da aber niemand bestreitet, dass künstliche Intelligenz fast alle Industrie- und Dienstleistungsbereiche umkrempeln wird, könnten Anleger schon darüber nachdenken, ob sie auf diese Entwicklung setzen möchten. Auch wenn es menschlich vielleicht kein Gewinn sein wird, dass die Roboter kommen – finanziell könnte dabei einiges für diejenigen Anleger herausspringen, die sich bereits voller Hoffnung in dieses Feld wagen.

Toyota und Softbank verbünden sich

Denn schon jetzt wachsen viele Unternehmen rasant, die sich auf Robotik und KI spezialisiert haben. Der Umsatz der KI-Firmen soll sich bis 2025 im Vergleich zu 2016 auf rund 90 Mrd. Dollar verdreißigfachen, sagen Studien von Tech-Analysten. Die KI-Firmen weltweit könnten bereits 2022 knapp 4000 Mrd. Dollar an Firmenwert besitzen, schätzt die Marktforschungsfirma Gartner. Und das globale Bruttosozialprodukt habe allein durch Roboter und künstliche Systeme sogar das Potenzial bis 2030, um 14 Prozent zu wachsen. Das entspräche einer zusätzlichen Wertschöpfung von 15.700 Mrd. Dollar. Das wäre enorm. Und das „übliche“ Wachstum käme wohl noch dazu.

Kein Wunder also, dass viele Augen auf Unternehmen gerichtet sind, die solche Systeme entwickeln. Zudem haben viele Großkonzerne wie Apple, Alphabet, Microsoft, Netflix und Co. längst KI-Start-ups aufgekauft, die an besonders innovativen Ideen arbeiten. Oder sie sind Kooperationen eingegangen, um bei dem Trend dabei zu sein. Jüngstes Beispiel dafür ist die strategische Partnerschaft von Toyota und Softbank, die in dieser Woche verkündet wurde. Damit verbünden sich der finanzkräftigste Autobauer der Welt und der größte Technikinvestor zu einem potenten Duo, um das autonome Fahren voranzubringen.

Derzeit setzt bereits die Hälfte aller Unternehmen Robotik- und Automatisierungstechniken ein, nutzt Sensoren, Chatbots, Spracherkennung oder Künstliche-Intelligenz-Systeme, so schätzen Marktexperten. Irgendwann wird es nicht mehr ohne diese Techniken gehen. Das heißt: Mindestens die Hälfte aller Unternehmen wird noch nachziehen bei der KI. Oder untergehen, wenn sie den Anschluss verpassen.