FondsWelcher Index darf es denn sein?

Wer wissen will, wie gut ein Fonds ist, vergleicht dessen Wertentwicklung meist mit der Entwicklung eines Index. Der Fonds sollte das Marktbarometer möglichst übertreffen. Die Frage, welcher Index für den Vergleich taugt, birgt allerdings einigen Zündstoff. Wählen Investmentgesellschaften etwa einen Rentenindex als Benchmark für einen Aktienfonds, vergleichen sie Äpfel mit Birnen und können ihren Fonds so phasenweise besonders gut aussehen lassen. Derart auffällige Benchmark-Tricksereien gibt es selten.

Fondsanbieter können die Wertentwicklung ihrer Produkte aber auch mit subtileren Mitteln beschönigen. „Sie können über Benchmarks einiges lenken“, sagt Detlef Glow, Fondsanalyst des Datenanbieters Lipper. Anleger sollten also genau hinschauen, mit welchem Index sich ein Fonds misst.

Viele Benchmarks sind kapitalgewichtet

Gleichgewichtete Indizes könnten für aktiv verwaltete Fonds grundsätzlich geeignetere Messlatten sein als kapitalgewichtete Indizes, stellt der US-Indexanbieter S&P Dow Jones Indices fest. In Ersteren haben alle Werte dasselbe Gewicht. In Letzteren nehmen Werte umso mehr Raum ein, je höher ihre Marktkapitalisierung ist. Die meisten Benchmarks sind kapitalgewichtet.

Gleichgewichtete Indizes spiegelten die Wertentwicklung der durchschnittlichen Aktie wider, erklärt S&P-Indexspezialist Tim Edwards. Das heißt: Das, was herauskommt, wenn man die Performance aller Aktien addiert und durch die Anzahl der Titel teilt. Diese Durchschnittsperformance könne man auch mit einem Portfolio erzielen, das willkürlich zusammengewürfelt sei. Vergleiche man einen aktiv verwalteten Fonds mit einem gleichgewichteten Index, sehe man also, ob der Fondsmanager tatsächlich einen Mehrwert erzielt habe, oder ob er gerade einmal so gut gewesen sei wie jemand, der auf gut Glück beliebige Aktien kauft, argumentiert Edwards.

In vielen Marktphasen haben gleichgewichtete Indizes ihre kapitalgewichteten Pendants übertroffen, wie Zahlen von S&P zeigen. Mit freihändiger Titelauswahl – und etwas Glück – konnten Investoren zum Beispiel seit Mitte 2009 am US-Aktienmarkt bessere Ergebnisse erzielen als mit einem Fonds, der sich nah am klassischen, kapitalgewichteten US-Aktienindex S&P 500 hält. In solchen Phasen sollten aktive Fondsmanager erst recht nicht damit wuchern, einen kapitalgewichteten Index geschlagen zu haben. Mit diesem Vergleich machten sie es sich dann zu einfach, sagt der S&P-Experte.

Vergleichsindex muss zum Fonds passen

Schneidet ein Fondsmanager bei näherem Hinsehen nicht besser ab als ein Zufallsgenerator, ist das für Investoren ärgerlich. Verlangt er für diese Leistung auch noch eine Erfolgsgebühr, wird es unangenehm. Bei immer mehr Fonds wird eine sogenannte Performance Fee fällig, wenn der Manager seine Benchmark übertrifft. In diesem Fall sollten Anleger den Vergleichsindex besonders genau unter die Lupe nehmen.

Benchmarks lassen sich nicht nur in Aktien- und Rentenindizes, in gleich- und kapitalgewichtet einteilen. Eine wichtige Frage ist auch, ob es sich bei einer Benchmark um einen Kurs- oder einen Performance-Index handelt. Bei Kursindizes  werden die Ausschüttungen der enthaltenen Aktien nicht einberechnet. Fondsanbieter wählen gern diese Art von Marktbarometer als Benchmark – denn wenn ein Fonds im Gegensatz zu seinem Vergleichsindex Dividendenzahlungen vereinnahmt, steht er im Vergleich besser da.

Von solchen Tricks abgesehen: In erster Linie muss der Vergleichsindex zum Fonds passen. „Anbieter müssen nicht den am schwersten zu schlagenden Index wählen“, sagt Lipper-Analyst Glow. „Die Wahl der Benchmark sollte für beide Seiten fair sein.“

Der Manipulation von Benchmarks stehen Anleger allerdings hilflos gegenüber. Prominentestes Beispiel aus jüngerer Zeit ist der Libor. Der Referenzzinssatz für das Interbankengeschäft dient vielen Rentenfonds als Vergleichsgröße. Im Sommer 2012 wurde bekannt, dass mehrere Banken, darunter Barclays und die Royal Bank of Scotland, den Libor jahrelang manipuliert hatten. Die Kreditinstitute hatten Zinssätze frei erfunden und sich dadurch Vorteile verschafft. In solchen Fällen müssen Privatanleger darauf hoffen, dass die Behörden aktiv werden. David Wright, Generalsekretär der Internationalen Organisation für Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) forderte Mitte Juni härtere Strafen für Marktmanipulatoren.

Das Index-Enigma

An den Buchstaben am Ende des Index-Namens kann man erkennen, auf welche Art der Index berechnet wird. Zwar verwenden nicht alle Datenanbieter dieselben Kürzel. Anleger, die sich genauer mit Benchmarks befassen wollen, sollten aber folgende Buchstabenkombinationen entschlüsseln können.

TR: Das Kürzel TR steht für Total Return. Der Index berücksichtigt neben der reinen Kursentwicklung auch Dividenden und Zinserträge aus den enthaltenen Wertpapieren. Der deutsche Leitindex Dax 30 ist ein TR-Index.

PR: Das Kürzel PR steht für Price Return. Bei der Indexberechnung werden Zinserträge und Dividenden ignoriert, es zählen allein die Kursbewegungen. Viele internationale Indizes werden nach dem PR-Ansatz berechnet. In Deutschland ist er kaum verbreitet.

NR: In manchen Ländern wird eine Steuer auf Dividenden lokaler Unternehmen fällig, die Quellensteuer. Viele Indizes, die ausländische Wertpapiere abbilden, verfolgen deshalb den Net-Return- oder NR-Ansatz: Sie berücksichtigen die Wiederanlage der Netto-Dividendenzahlungen oder Zinserträge nach Abzug einer durchschnittlichen Quellensteuer. Der Anbieter MSCI etwa nutzt diese Methode.

GR: Der Gross-Return-Ansatz ist das Gegenteil des Net-Return-Ansatzes. GR-Indizes verwenden bei der Berechnung die Bruttodividenden als Grundlage, setzen also die Wiederanlage der Dividenden ohne Steuerabzug voraus. Solche Indizes sind recht wenig verbreitet.