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Wegen Xis Politik China wird zum Paria für Investoren

Xi Jinping geht winkend an Offizieren der Armee vorbei, die ihm stehend applaudieren
Vom Investorenliebling zum Investorenschreck: der chinesische Präsident Xi Jinping
© IMAGO / Xinhua
Zu Beginn seiner Amtszeit hat Chinas Präsident Xi Jinping ausländische Investoren in die Volksrepublik gelockt. Doch jetzt ist er der Grund dafür, warum sie das Land meiden. Die Gründe sind vielfältig

Jahrelang hat Chinas Präsident Xi Jinping ausländisches Geld nach China gelockt, doch jetzt droht eine folgenschwere Phase der finanziellen De-Globalisierung. Investoren sehen dafür vor allem einen Grund: Xis Politik.

Geldmanager, die einst von Chinas üppigen Renditen und großen Technologieunternehmen angezogen wurden, vollziehen eine Kehrtwende. Die Gründe, das Land jetzt zu meiden, seien gewichtiger. Die Palette reicht von unvorhersehbaren Regulierungsmaßnahmen bis hin zu wirtschaftlichen Schäden, die durch die strenge Covid-19-Politik verursacht werden, außerdem die wachsenden Risiken durch den wackeligen Immobilienmarkt und Xis freundschaftliches Verhältnis zum russischen Präsidenten Wladimir Putin.

All das markiert eine dramatische Kehrtwende für den chinesischen Markt, der sich zu einem Magneten für Investoren aus aller Welt entwickelt hat.

„Der Supertanker des westlichen Kapitals fängt an, sich von China abzuwenden“, sagt Matt Smith von Ruffer Investment Management. Die 31 Mrd. Dollar schwere Investmentfirma hat vor kurzem nach mehr als zehn Jahren ihr Büro in Hongkong geschlossen, weil die Nachfrage nach Aktienresearch geschrumpft ist. „Es ist einfach bequemer, China vorerst links liegen zu lassen, solange kein Ende von Zero Covid und die Rückkehr des geopolitischen Risikos in Sicht ist“, sagt Smith.

Wegen Xis Politik: China wird zum Paria für Investoren
© Bloomberg

Die ausländische Präsenz auf den Kapitalmärkten der Volksrepublik nahm deutlich zugenommen, als Xi 2013 Präsident wurde. Die Regierung legte Kanäle für den Kapitalzufluss an, darunter Verbindungen zum Aktien- und Anleihehandel via Hongkong, und trieb die Aufnahme von auf Yuan lautenden Wertpapieren in wichtige globale Benchmarks voran. Ziel war es, Kapitalzuflüsse zu fördern, private Unternehmen zu finanzieren und die Wirtschaft anzukurbeln – und gleichzeitig die Kontrolle über das abfließende Kapital zu behalten.

Keine Rücksicht auf Investoren

Doch Xis Regierung hat im vergangenen Jahr wenig Rücksicht auf globale Investoren genommen, als sie eine Reihe von Maßnahmen gegen die profitabelsten Unternehmen des Landes ergriff. Das Ergebnis waren Misstrauen und Verwirrung über die Ziele der Kommunistischen Partei sowie empfindliche Verluste für die Aktionäre. Die während des Handelskriegs mit den USA entstandene Vorsicht gegenüber chinesischen Vermögenswerten nahm dieses Jahr noch zu nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine. Auch Xis Festhalten an der Nulltoleranzpolitik gegen Corona, obwohl diese von praktisch allen anderen Ländern aufgegeben wurde, war nicht förderlich.

Die Skepsis hinterlässt ihre Spuren: Der Anteil von Aktien aus China in Schwellenländerfonds ist auf den niedrigsten Stand seit drei Jahren gesunken, so EPFR Global in einem Bericht, der diesen Monat veröffentlicht wurde.

Anstatt darüber zu debattieren, wie man in die Baisse chinesischer Vermögenswerte hineinkaufen sollte, konzentrieren sich die Diskussionen unter den globalen Investoren jetzt eher darauf, wie stark das Engagement reduziert werden sollte. Ein in London ansässiger Hedgefonds verkaufte auf Druck von US-Kunden alle seine chinesischen Aktien bis auf eine, sagte eine Person, die nicht namentlich genannt werden wollte. Ein Investmentmanager aus Zürich sagte, einige europäische Pensionsfonds und gemeinnützige Organisationen wollten China wegen der zunehmenden geopolitischen und Governance-Risiken nicht mehr in ihren Portfolios haben.

Bei einem Besuch in London stellte das in Asien tätige Research-Team der Citigroup fest, dass das Engagement der Kunden in Bezug auf China „erstaunlich gering“ sei. In den Gesprächen, der Analysten Gaurav Garg und Johanna Chua seien die Kunden meist auf Indien und Korea fokussiert gewesen.

Die auf China spezialisierte Fondsgesellschaft Krane Funds Advisors sah sich bei einer Roadshow im Mai mit erheblichem Widerstand von Kunden konfrontiert, sagte jüngst Xiaolin Chen, die das Geschäft von Kraneshares außerhalb der USA leitet. Die Anleger hätten kein Vertrauen, in das Land zu investieren, so Chen.

Der neue Asienfonds der Carlyle Group mit einem Volumen von 8,5 Mrd. Dollar wird ein geringeres Engagement in China aufweisen als üblich. Märkte wie Südkorea, Südostasien, Australien und Indien sollen das ausgleichen, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen erklärten.

Wegen Xis Politik: China wird zum Paria für Investoren
© Bloomberg

Ein vollständiger Ausstieg aus China ist natürlich keine leichte Entscheidung, wenn man bedenkt, dass das Land – inklusive Hongkong – über einen 21 Billionen Dollar schweren Anleihemarkt verfügt und dort Aktien mit einem Börsenwert von 16 Billionen Dollar zu Hause sind. Laut Luca Paolini von Pictet Asset Management bieten chinesische Staatsanleihen immer noch eine Diversifizierungsmöglichkeit.

Es ist auch nicht so, als gäbe es reichlich attraktive Alternativen. Die Zahlungsunfähigkeit Sri Lankas hat Besorgnis über eine mögliche Kaskade von Zahlungsausfällen in Schwellenländern geschürt. Der starke US-Dollar verstärkt den Druck noch, was die chilenische Zentralbank vergangene Woche zu einer Intervention veranlasste. Idiosynkratische Risiken – wie die Erklärung von Force Majeure für die Lieferung von Erdölprodukten durch Südafrikas größten Treibstoffproduzenten - sind ebenfalls noch weit verbreitet.

‘Mehr Contrarians’

Daher ist es vielleicht weniger überraschend, dass M&G Investments kürzlich sein Engagement in chinesischen Aktien erhöht hat, auch wenn dies „das richtige Bewusstsein, die richtige Preisgestaltung und die richtige Risikodimensionierung“ erfordere, so Fabiana Fedeli, Chief Investment Officer für Aktien und Multi-Asset in London. Und trotz aller Negativität hat sich das Vermögen des Quantamental China Equity ETF von Rayliant Global Advisors seit Mai auf 111 Mio. Dollar mehr als verdoppelt.

„Wir beobachten, dass mehr Contrarians unsere Fonds nutzen wollen, um ein Rebalancing in China vorzunehmen“, sagte Rayliants Chief Investment Officer Jason Hsu. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Abkehr von China nicht wirklich eine Investitionsentscheidung. Es ist eher eine emotionale Reaktion und eine Entscheidung über das Karriererisiko.“

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