SchwellenländerWarum die Wahl in Brasilien auch für Anleger wichtig ist

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat gute Chancen die zweite Runde der Präsidentenwahl zu gewinnen
Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro hat gute Chancen die zweite Runde der Präsidentenwahl zu gewinnendpa

Am 28. Oktober werden in Brasilien die Weichen für die Zukunft des Landes gestellt. Dann treten die beiden Kandidaten für das Präsidentenamt zur Stichwahl an, die im ersten Wahlgang die meisten Stimmen bekamen: Auf der einen Seite der Rechtspopulist Jair Bolsonaro, der 46 Prozent der Wählerstimmen bekam. Auf der anderen Seite der Kandidat der linken Arbeiterpartei PT, Fernando Haddad, der im ersten Wahlgang 29 Prozent der Stimmen auf sich vereinte.

Bolsonaro gegen Haddad, das ist keine normale Wahl. Bolsonaro ist ein rechter Scharfmacher, der gegen Frauen, Schwule und Indigene hetzt, sich für Folter ausspricht und das Militärregime lobt, das von Mitte der 1960er bis Mitte der 1980er Jahre über das Land herrschte. Kritiker nennen den Hauptmann der Reserve und ehemaligen Stadtrat von Rio de Janeiro einen Faschisten und warnen davor, dass die Demokratie in Brasilien mit seinem Wahlsieg erodieren würde. Tatsächlich hat Bolsonaro bereits angekündigt, das Wahlergebnis nur dann zu akzeptieren, wenn er gewinnt.

Brasilien bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück

Haddad ist als Ersatz für den brasilianischen Ex-Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva angetreten, der seit April wegen Korruption im Gefängnis sitzt. Der ehemalige Bürgermeister von Sao Paulo liegt im armen, aber bevölkerungsreichen Nordosten Brasiliens vorn. Seine schwierigste Aufgabe ist es, die Wähler davon zu überzeugen, dass mit ihm ein Neuanfang möglich ist. Korruptionsskandale um Lula da Silva und andere führende Politiker haben das Vertrauen der Bürger in die politische Kaste des Landes tief erschüttert. Haddads Partei PT gilt vielen Wählern als mitverantwortlich für die Skandale.

Ob Brasilien weiter nach links oder stark nach rechts rückt, ist auch für Anleger in Deutschland von Bedeutung. Brasilianische Wertpapiere sind in vielen Schwellenländerfonds zu finden. Das Land gehört zu den größten und vielversprechendsten Emerging Markets – und bleibt doch chronisch hinter seinen Möglichkeiten zurück. Einerseits ist Brasilien reich an Rohstoffen und verfügt dank seiner rund 210 Mio. Einwohner über einen attraktiven Binnenmarkt. Auf der anderen Seite schränken ein hohes Haushaltsdefizit, hohe Löhne bei vergleichsweise geringer Arbeitsproduktivität, eine schlechte Infrastruktur und eine explodierende Bürokratie die Wettbewerbsfähigkeit des Landes ein. Wirtschaftsreformen sind dringend nötig, mahnen Ökonomen. Doch die jüngsten Korruptionsskandale haben die Politik geradezu gelähmt.

Von Wirtschaft versteht Bolsonaro wenig

Seit Anfang vergangenen Jahres kämpft sich Brasilien aus einer schweren Rezession. Stabil ist der Aufwärtstrend allerdings noch nicht. Investmentprofis befürchten, dass es wieder abwärts geht, falls Haddad die Stichwahl gewinnt. Der linke Kandidat will einige der unbeliebtesten Reformen des amtierenden Präsidenten Michel Temer rückgängig machen und die Wirtschaft durch Investitionen ankurbeln statt durch Privatisierung und Sparmaßnahmen. Bolsonaro dagegen weckt Hoffnungen auf weitere Strukturreformen und will überdies mit aller Härte gegen Kriminalität und Korruption vorgehen – räumt aber zugleich ein, von Wirtschaft wenig zu verstehen.

Ob Bolsonaros Ansatz für die Wirtschaft tatsächlich der bessere ist, wird sich im Falle seines Wahlsiegs zeigen. Nicht immer erweisen sich laute Töne und ein autokratischer Führungsstil als vorteilhaft für die Konjunktur. In der Türkei und auf den Philippinen ist das dieser Tage gut zu beobachten. Auf der anderen Seite hat in Portugal eine linke Regierung, die nicht viel vom Sparen und von einer Politik der harten Hand hält, das einstige Krisenland seit 2015 wirtschaftlich auf Vordermann gebracht.

Anleger, die beispielsweise über Schwellenländer-Fonds einen großen Brasilien-Anteil im Portfolio haben, sollten in den kommenden Monaten wachsam sein. Zwar ist der brasilianische Leitindex Bovespa zuletzt deutlich gestiegen, abgesehen von einem Rücksetzer im Juni dieses Jahres. In den vergangenen fünf Jahren hat er gar um rund 65 Prozent zugelegt. Angesichts der politischen und wirtschaftlichen Probleme in Brasilien ist das allerdings eine erstaunliche Bilanz. Gut möglich, dass eine einzige schlechte Nachricht genügt, um dem Aufwärtstrend ein jähes Ende zu setzen.