GeldanlageFünf Warnsignale für die Aktienmärkte

Die weltweiten Finanzvermögen sind seit 2009 explodiert. Bei Immobilien und Aktien konnte man sich bei geschickter Streuung gegen Reichtum kaum wehren, so sehr kletterten die Kurse. Gold und Silber waren aber ziemliche Flops. Und nun – bei steigenden Zinsen in den USA?
Die weltweiten Finanzvermögen sind seit 2009 explodiert. Bei Immobilien und Aktien konnte man sich bei geschickter Streuung gegen Reichtum kaum wehren, so sehr kletterten die Kurse. Gold und Silber waren aber ziemliche Flops. Und nun – bei steigenden Zinsen in den USA?Getty Images

Italien ist ein Klassiker der Crash-Propheten. Wer den Euro in den Keller reden will, muss nur gen Süden zeigen und auf die angeschlagenen Banken, die hohe Verschuldung oder die politische Instabilität verweisen. In der vergangenen Woche erwies sich Italien als schwerer Belastungsfaktor für die Aktienmärkte. Potentielle Risiken und Warnsignale findet man jedoch überall.

Während der S&P500 und Nasdaq auf neue Rekordhochs geklettert sind, haben viele andere Aktienmärkte, wie der Dax zuletzt deutlich korrigiert. Feingold Research rät Investoren, die Kursschwäche zum Nachkaufen zu nutzen. Dabei bieten sich Papiere mit Puffer und Seitwärtsrendite an, wie Bonus-Zertifikate auf Dax DM76VH und EuroStoxx DS4JSE. Es schadet allerdings nicht, auch über die Risiken nachzudenken. Wer langfristig eine Versicherung für sein Depot sucht, ist mit Put-Optionsscheinen gut bedient, die über eine lange Laufzeit verfügen. So zum Beispiel die WKN HW8DN7 auf die Nasdaq oder die WKN ST28K9 auf den S&P500.

US-Präsident Donald Trump feiert die Hausse am US-Aktienmarkt und damit sich selbst. „Der längste Bullenmarkt in der Geschichte des Aktienmarktes, Glückwunsch Amerika“, twitterte Trump. Die Rekordfahrt führt er auf seine Politik zurück. Die Wirtschaft sei in einem besseren Zustand als jemals zuvor. Zudem zeige die Hausse, dass die US-Wirtschaft mit dem Handelskrieg zwischen den USA und China viel besser zurechtkomme als die chinesische, weil der dortige Aktienmarkt eingebrochen sei.

Ähnlich wie der chinesische Aktienmarkt stand auch der Dax in den vergangenen Monaten unter Druck und notiert um knapp zehn Prozent unter dem Spitzenwert vom 23. Januar. „Investoren befürchten, dass der Handelskrieg und andere Krisen, wie jene in der Türkei, oder die Währungskrise in den Emerging Markets, exportabhängige Volkswirtschaften, wie China oder Deutschland, erheblich stärker belasten werden als die USA, weshalb sich die Perspektiven für die Weltwirtschaft deutlich eintrüben“, sagt Mati Greenspan, Senior Market Analyst bei der Social-Trading-Plattform Etoro.

Fünf Warnsignale

Ehe Investoren die niedrigeren Dax-Kurse zum Nachkaufen nutzen, oder auf eine weitere Rekordfahrt bei US-Aktien setzen, sollten Anleger über die möglichen Risiken eines Engagements am Aktienmarkt nachdenken. Von großer Bedeutung sind die folgenden fünf Punkte.

#1 US-Zinsstrukturkurve ist sehr flach

Einer der wichtigsten Indikatoren für die US-Wirtschaft sind die Zinsen für zehnjährige US-Anleihen. Weil die Wirtschaft stark wächst, müssten die Zinsen eigentlich deutlich steigen, zumal die US-Notenbank die Leitzinsen regelmäßig anhebt, kräftig Anleihen verkauft und gleichzeitig die Neuverschuldung wegen Trumps Steuersenkung nach oben schießt.

Trotz dieses Umfelds tendieren die Renditen für zehnjährige Anleihen aber seit einigen Monaten lediglich seitwärts und liegen mit knapp über drei Prozent leicht über dem Niveau von Ende Januar – dabei hat die Fed in dem Zeitraum die Leitzinsen dreimal angehoben.

#2 US-Häusermarkt schwächelt bedenklich

Eine Eintrübung der Perspektiven für die US-Wirtschaft signalisiert der Immobilienmarkt üblicherweise als einer der ersten Sektoren. Nachdem die Hypothekenzinsen im vergangenen Jahr deutlich gestiegen sind, lagen zuletzt eine Reihe von Daten vom Häusermarkt unter den Vorhersagen der Volkswirte. So sind die Verkäufe bestehender und auch jene neuer Häuser im Juli entgegen den Erwartungen gegenüber dem Vormonat gesunken.

Das schwieriger werdende Umfeld spiegelt der Branchenindex der Hausbaufirmen S&P Homebuilders klar wider. Der Index bildet die Kursentwicklung der führenden Unternehmen wie Lennar, Pulte Group und D.R. Horton ab. So notiert der S&P Homebuilders Index trotz der jüngsten Erholung um rund 15 Prozent unter dem Zwölf-Jahres-Hoch von Ende Januar.

#3 Investoren schichten Geld in defensive Sektoren um

Zwar ist der S&P500 zuletzt auf Rekordhochs geklettert. Im Gegensatz zu den Vorjahren haben Investoren zuletzt aber verstärkt Geld aus Aktien aus zyklischen, also konjunkturabhängigen Sektoren in jene aus defensiven Branchen wie Gesundheit, Versorger oder Telekommunikation umgeschichtet. Investoren setzen darauf, dass sich das Geschäft dieser Unternehmen weiter stabil entwickeln dürfte, auch wenn die Wirtschaft insgesamt einen Gang zurückschaltet.

Zudem waren sogenannte Value-Aktien gefragt. Das sind Papiere, die gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV), oder Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) niedrig bewertet sind. Der Buchwert entspricht dem Eigenkapital der Unternehmen. Ähnliche Umschichtungen gab es auch am deutschen Aktienmarkt.

#4 Brasilianischer Real fällt in Richtung des Rekordtiefs

Viele Investoren haben die Entwicklung in der Türkei im Auge und Sorge, dass durch den Verfall der türkischen Lira nicht nur die dortigen Banken, sondern auch einige Institute aus der Eurozone, die über ein bedeutendes Türkei-Geschäft verfügen, erheblich in die Bredouille geraten könnten. Sollten sie sich daraufhin bei der Kreditvergabe zurückhalten, würde das Wachstum der Wirtschaft der Eurozone gedämpft.

Eine viel größere Gefahr als das Türkei-Risiko stellt die Währungskrise in Schwellenländern insgesamt dar – vor allem in Brasilien. Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch haben schon vor Monaten geschrieben, dass ein Bruch der Marke von 4 Real je Dollar der wichtigste Indikator für die Währungskrise in den Emerging Markets sei. Zuletzt ist der Real aber auf 4,05 Real je Dollar gesunken, womit die Marke gerissen wurde. Damit nähert er sich den Rekordtiefs von knapp unter 4,20 Real je Dollar vom September 2015.


source: tradingeconomics.com

Das belastet die dortigen Schuldner, gerade die Unternehmen schwer, die in den vergangenen Jahren kräftig Dollar-Schulden gemacht haben. Die Firmen müssen viel mehr Real aufwänden, um ihre Dollar-Kredite bedienen zu können, weshalb Geld für Investitionen oder höhere Löhne fehlt.

Das trifft die brasilianische Wirtschaft empfindlich. Mit einer Wirtschaftsleistung von umgerechnet 2100 Mrd. Dollar war sie 2017 die drittgrößte Volkswirtschaft der Emerging Markets hinter China (12.200 Mrd. Dollar) und Indien (2600 Mrd. Dollar).

#5 Kupferpreis sinkt auf Zwölf-Monats-Tief

Ein wichtiger Konjunkturindikator, gerade für China, ist der Kupferpreis, weshalb er von Experten auch „Dr. Kupfer“ genannt wird. Das Land macht rund die Hälfte der weltweiten Nachfrage nach dem Rohstoff aus. Trotz der jüngsten Erholung liegt der Preis mit rund 6000 Dollar je Tonne um fast 20 Prozent unter dem Juli-Hoch und damit in der Nähe des Zwölf-Monats-Tiefs. Offensichtlich haben sich die Perspektiven gerade für die chinesische Wirtschaft deutlich eingetrübt.